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Verbraucherschutz warnt vor "Shrinkflation": Versteckte Preiserhöhungen im Supermarkt erkennen

Stand: 19. August 2022, 14:32 Uhr

Um steigende Preise zu verschleiern, tricksen immer mehr Hersteller. Der Verbraucherschutz befürchtet allerdings: "Der Höhepunkt kommt erst noch."

Beim Einkaufen im Supermarkt sollten vertraute Produkte künftig ganz genau unter die Lupe genommen werden. Denn es ist denkbar, dass der altbekannte Packungsinhalt oder die Größe der Verpackung geschrumpft ist. Ein gewiefter Trick von Herstellern, um versteckte Preiserhöhungen vor Verbraucherinnen und Verbrauchern zu kaschieren.

Die "Schrinkflation" taucht künftig häufiger auf

Um dieser Masche einen Namen zu geben, wurde der Begriff "Schrinkflation" ins Leben gerufen - eine Verbindung des englischen Wortes für Schrumpfen ("shrink") und Inflation. Der Trick scheint viele Produkthersteller in Versuchung zu führen, da die Minimierung des Packungsinhaltes nicht so leicht erkannt wird, wie eine Preissteigerung. Der Lebensmittelexperte bei der Verbraucherzentrale, Armin Valet, sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass wir aktuell die erste Welle solcher versteckter Preiserhöhungen erleben würden.

Aber ich denke, der Höhepunkt kommt erst noch.

Laut Valet brauche der Handel etwa ein halbes Jahr im Voraus für die Umstellung der Etiketten und den Abverkauf der alten Ware. Daher vermutet er, dass noch einiges auf Verbraucherinnen und Verbraucher zukommen werde.

Hintergrund sind die enorm steigenden Lebensmittelpreise. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Juli knapp 14 Prozent teurer als im Vorjahr. Außerdem spielen die zunehmenden Rohstoff- und Energiekosten infolge des Ukraine-Krieges mit rein.

Mogelpackungen erkennen

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Der Lebensmittelexperte beobachtet schon seit vielen Jahren, wie Hersteller und Handel mit Packungsgrößen täuschen, um zunehmende Preise zu verdecken, und kürt jährlich eine Mogelpackung des Jahres.

Beispiele für diese Art des Schrumpftrends gibt es viele. So hat zum Beispiel der Hersteller "Haribo" erst kürzlich seine "Goldbären"-Tüte von 200 auf 175 Gramm verkleinert. Der Preis von 0,99 Cent blieb gleich, obwohl sich der Beutelinhalt um 25g minimierte. Diese Entscheidung begründete Haribo so:

Als Unternehmen sind wir bereits seit Anfang des Jahres mit außergewöhnlich steigenden Kosten für hochwertige Zutaten, aber auch für Folien, Verpackungsmaterialien, Kartonage sowie Energie und Logistik im hohen doppelstelligen Bereich konfrontiert.

Verpackungsgröße und Preis würden angepasst werden, um weiterhin erschwinglich zu bleiben. Dem Unternehmen sei es wichtig gewesen, dass nicht mehr Luft im Beutel sei, sondern der Beutel sichtbar verkleinert werde. Dadurch sei die Verringerung der Füllmenge für die Kundinnen und Kunden klar erkennbar.

Viele Beschwerden erhielt die Verbraucherzentrale auch zum Lebensmittelhersteller "Upfield" zu seiner Marke Rama. In dem Becher, in dem zuvor noch 500g der Margarine drin waren, sind inzwischen nur noch 400g enthalten. Der gleichbleibende Preis erhöht sich dadurch um satte 25 Prozent pro Becher. Aktuell sind mit Lätta, Sanella und Becel auch noch weitere Marken des Unternehmens von versteckten Preiserhöhungen betroffen.

Verboten ist das nicht

Laut Valet sei diese Trickserei nicht verboten. Jedoch wirke sie sich natürlich zulasten der Kundinnen und Kunden aus. Immer auffälliger werde auch, dass Supermärkte und Discounter bei Eigenmarken öfter zu solchen versteckten Preiserhöhungen greifen würden. Auch habe die Anzahl sogenannter doppelter Preiserhöhungen deutlich zugenommen. Das betrifft Produkte, bei denen nicht nur die Füllmenge verringert, sondern zusätzlich der Preis angehoben wird. Betraf das in den letzten zwei Jahren durchschnittlich 18 Prozent der Artikel, so sind es im ersten Halbjahr 2022 bereits rund 35 Prozent.