Tankrabatt ab 1. Juni: Fallen die Preise wirklich?

01. Juni 2022, 13:58 Uhr

Mit dem Tankrabatt will die Ampelkoalition Autofahrerinnen und Autofahrer entlasten. Am Mittwoch, dem 1. Juni ist es soweit, und die Steuersenkung tritt in Kraft. Worauf wir uns jetzt an den Tankstellen einstellen können.

Preissenkung ab Mitternacht?

Autofahrer haben ab Mitternacht eine Preissenkung beim Tanken erwartet. Zunächst wurde angenommen, dass das wahrscheinlich nicht überall der Fall sein würde. Denn die Steuersenkung gilt für den Kaufpreis bei Raffinerien und Tanklagern. Dieser Rabatt gilt erst ab dem 01. Juni. Das würde bedeuten, dass der Kraftstoff, der sich noch in den Vorratstanks der Tankstellen befindet und bis heute geliefert wurde, noch zu den alten Steuersätzen verkauft wird.

Dementsprechend hätte es also zu einer verzögerten Preissenkung an Tankstellen kommen. Auch das Finanzministerium wies noch mal darauf hin, dass die Preise vermutlich erst nach und nach sinken werden. Nun ging es doch schneller als erwartet.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass die Steuer nicht an den Zapfsäulen, sondern an der Kaufstelle des Sprits erhoben wird, entscheiden letztendlich die Betreiberinnen und Betreiber jeweiligen Tankstellen, ob sie ihren Kraftstoff günstiger anbieten - möglicherweise weil ihre Kundinnen und Kunden das erwarten. Tankstellenbetreiber und Mineralölkonzerne sind jedenfalls nicht zur Weitergabe der Steuersenkung verpflichtet. Eine Schnellauswertung der Preise an rund 400 Tankstellen in München, Berlin und Hamburg des ADAC zeigt nun jedoch: Die Preise sind bereits deutlich gefallen. Auch in Mitteldeutschland lässt sich der Trend beobachten. Vor wenigen Tagen lagen die Preise für den Liter Super E10 zwischen 2,10 und 2,30 Euro. In Dresden, Erfurt und Stendal gibt's ihn nun für 1,82 Euro. In Magdeburg und Leipzig könnt ihr sogar für 1,75 Euro tanken. Laut dem Tankstellenfinder des ADAC sind auch die Dieselpreise gefallen und sind nur minimal teurer als der Liter Super E10. Geschäftsführer des Bundeserbandes Freier Tankstellen, Stephan Zieger sagte der Deutschen Presse-Agentur:

Die Maßnahme scheint auf den ersten Blick weitestgehend weitergegeben worden zu sein.

Doch noch machen nicht alle Tankstellen mit. Der ADAC warnte im Vorfeld sogar davor, den Tank vor dem 1. Juni leer zu fahren, um am Monatsanfang preisgünstiger tanken zu können. Denn: Auch beim Tankrabatt gilt das wirtschaftliche Prinzip des Angebots und der Nachfrage. Die Nachfrage nach Kraftstoff dürfte am Mittwoch plötzlich deutlich gestiegen sein, weshalb die Tankstellenbranche Engpässe nicht ausschließt. Einige Tankstellen haben möglicherweise ihre Lagerbestände heruntergefahren, um am Mittwoch günstigeren Sprit einzukaufen. Wenn also eine hohe Nachfrage auf ein geringes Angebot stößt, steigen die Preise.

Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hat angekündigt, intensiv auf die Preisentwicklungen nach dem Tankrabatt zu achten. Würden die Preissenkungen nicht bei den Kunden ankommen, werde das Kartellamt bei den Mineralölkonzernen anfangen, Fragen zu stellen. Und auch der ADAC kündigte an, die Preise an den Zapfsäulen genauestens zu beobachten, und forderte, die Preissenkung ab dem 1. Juni in vollem Umfang an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben.

Mit Material von ADAC, dpa

Dieses Thema im ProgrammMDR JUMP bei der Arbeit | 01. Juni 2022 | 11:45 Uhr