Eine Nosferatu-Spinne.
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Nosferatu-Spinne auf dem Vormarsch in Deutschland

04. September 2022, 00:00 Uhr

Eine neue Spinnenart ist – vermutlich über Warentransporte – nach Deutschland gekommen. Auch bei uns hier im Osten wurden die beachtlich großen Tiere schon gesichtet. Grund zur Panik ist das aber nicht.

Kein Tier ist unbeliebter. Ungefähr jeder vierte Mensch in Deutschland hat Angst vor Spinnen oder Käfern. Das zumindest ist das Ergebnis einer einige Jahre alten Umfrage. Die Krabbler landeten dabei auf dem vordersten Rang und hängten unter anderem Schlangen, Haie sowie Mäuse und Ratten ab.

Arachnophobie heißt die Angst vor Spinnen und für Betroffene ist sie alles andere als lustig. Forschende arbeiten auch deswegen an verschiedenen Therapieansätzen, unter anderem kommt dafür auch virtuelle Realität zum Einsatz. Dass Spinnen auch praktische Aufgaben für uns erledigen, dass sie Mücken, Asseln, Silberfische und Mehlmotten jagen, die niemand gerne im Haus hat - wer Panik vor den Tieren hat, den interessiert das alles nicht. Angst lässt sich nicht, jedenfalls nicht allein, mit Vernunft bekämpfen.

Und Betroffene hören auch nicht wirklich zu, wenn Experten darauf verweisen, dass es unter den weltweit etwa 48.000 bekannten Spinnenarten nur 20 bis 40 gibt, die beim Menschen überhaupt starke Symptome hervorrufen können. Oder dass von den rund 1000 Spinnenarten in Deutschland nur der Ammen-Dornfinger giftig ist und auch der „nicht wirklich gefährlich“. Wobei, und jetzt kommen wir zu den schlechten Nachrichten, Deutschland seit einiger Zeit wohl eine weitere Spinnenart hat, die zumindest nicht ganz ohne ist.

Entdeckung im Leipziger Keller

Die Rede ist von der Nosferatu-Spinne, wissenschaftlich Zoropsis spinimana. Manch einer bei uns in der Region kennt sie vielleicht schon. So wurde sie 2021 von Enrico Ruge von der HTWK-Leipzig in seinem privaten Keller entdeckt. Robert Klesser, der Spinnenexperte des Naturkundemuseums, bestätigte den Fund. „Normalerweise kommt so eine Spinne selten allein. Wenn sie sich etabliert hat, dann pflanzt sie sich fort und wenn sie einen guten Keller gefunden hat, dann kann es schon sein, dass sie eine kleine Population aufbaut", erklärte Klesser damals.

Es sei zu diesem Zeitpunkt schon wahrscheinlich gewesen, dass sich das Tier weiter ausbreitet, so Klesser. Meldungen darüber gibt es nun zum Beispiel aus Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Ursprünglich rund ums Mittelmeer zu Hause

Wie etwa die Tigermücke ist die Nosferatu-Spinne eine invasive Art. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum beziehungsweise dem Norden Afrikas. Zu uns dürfte sie über Warentransporte gekommen sein. Das Tier verfügt über besondere Talente. So hat es Hafthaare an den Füßen, weswegen es sich auch an sehr glatten Oberflächen wie beispielsweise Glas entlangklettern kann. Die Spinne wird bis zu sechs Zentimeter groß, Beine mitgerechnet – und ihre Giftzähne sind zumindest groß genug, um die menschliche Haut durchdringen zu können.

Dazu kommt, dass die Tiere ihren Vorderkörper aufrichten und ihre Klauen spreizen, sobald sie sich bedroht fühlen. Und wenn sie in die Enge getrieben werden, dann können sie mit ihren Kieferklauen eben auch zubeißen. Das Wichtigste ist aber, dass man ruhig bleibt und nicht in Panik gerät. Dann passiert einem auch nichts. Und dann? „Glas drüber stülpen, Pappe drunter schieben und die Spinne im Garten wieder freilassen“, rät der Nabu.

„Die Spinne greift den Menschen nicht aktiv an. Sie wird immer versuchen zu fliehen und nur wenn sie gequetscht wird oder in die Enge getrieben wird, wird sie versuchen zu beißen“, heißt es bei der Organisation weiter. Auch hier wird es wohl so sein: Wer Angst vor Spinnen hat, wird sich davon womöglich nicht beruhigen lassen. Dazu kommt der Name des Tieres. Nosferatu geht auf einen gleichnamigen, im Jahr 1922 erschienenen Vampirfilm zurück.

Das hat aber zum Glück nicht mit den Ernährungsvorlieben der Spinne zu tun – sondern dass das markante Muster auf dem Rücken des Achtbeiners irgendwen an das Gesicht des Filmbösewichts erinnert hat. Aber um es noch einmal zu sagen: Die Folgen eines Bisses sind laut Experten vergleichbar mit einem Mückenstich oder einem leichten Bienenstich – zumindest solange man keine Allergie hat.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 04. September 2022 | 15:10 Uhr

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