Der Klimawandel – lockt er neue Tiere an?

Eine Gottesanbeterin im Garten? Schildkröten und Schlangen am Badeteich?
Immer mehr exotische Tierarten siedeln sich im eigentlich kühlen Mitteleuropa an. Ist nur der Klimawandel Schuld?

Gottesanbeterin
Bildrechte: Colourbox.de

So kommen die Tiere zu uns

Grüne Gottesanbeterin
Bildrechte: dpa

Auf direktem Wege geht es sehr langsam. Nur ein paar Kilometer pro Jahr wandert eine Art quasi immer den angenehmen Temperaturen hinterher. Wer sich wirklich nur im Sommer wohlfühlt, wird vor Kälte und Höhe der Alpen meist abgeschreckt. Trotzdem wurden in letzter Zeit immer mehr Tiere hier gesichtet, die man eigentlich eher aus Ländern mit Exoten kennt. Wie zum Beispiel die Kalifornische Kettennatter, die zuletzt oft in Baden-Württemberg gesehen wurde oder die Gottesanbeterin, die sich auch im Raum Halle wohlzufühlen scheint. Diplombiologin Antje Kautzner vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, kennt den tatsächlichen Weg dieser Tiere:

Die werden sehr wahrscheinlich in großer Zahl auf Aussetzungen zurückzuführen sein, die Art wird auch durchaus in Terrarien gehalten.

Hier finden viele prima Bedingungen vor

Entweichen sie oder werden von den Haltern ausgesetzt, können sie sich durch die gestiegenen Temperaturen bei uns gut verbreiten. Viele User haben auf unserem Facebook-Account schon die Sichtung einer Gottesanbeterin bestätigt, wie Theres aus Raßnitz:

Ich hatte vor kurzem eine auf dem Arm, gefunden im Sandkasten vom Kindergarten. Ein wunderschönes Tier

Eine Kalifornische Kettennatter auf auf einem Stein mit Pflanze
Bildrechte: IMAGO/blickwinkel/P.Schuetz

Ähnlich wohl fühlen sich auch die Kalifornische Kettennatter und der Ochsenfrosch. Manche Tiere kommen auch in den Ballastwassertanks großer Schiffe an unsere Küsten. Insgesamt 30 Tierarten sind so in den letzten Jahren eingewandert. Sie stehen auf der Unionsliste der Invasiven Arten.

Sind die Tiere gefährlich?

Angst haben muss man in der Regel vor Tieren wie zum Beispiel vor der Gottesanbeterin nicht.

Das ist eine Art die völlig ungefährlich ist für den Menschen und auch für Haustiere und sie ist auch nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.

Und auch die erwähnte Kalifornische Kettennatter ist für uns ungefährlich. Raubtieren wie Marderhund und Waschbären sollte man immer mit Respekt begegnen und sie nicht bedrängen oder gar versuchen, sie zu fangen.

Viel kleinere Tiere wie zum Beispiel die Gelbfiebermücke oder Dengue Mücke können entsprechende Krankheiten übertragen. Das ist bei uns aber nur sehr selten der Fall. Insektenmittel schützen in der Regel gut vor ihnen. Schwangere, die seltsame Stiche an sich beobachten, sollten vorsichtshalber zum Arzt. Grund zur Panik gibt es aktuell bei keinem Tier.

Wieso stellen manche eingewanderten Tiere ein Problem dar?

Wissenschaftler unterscheiden in zwei Gruppen:

Gebietsfremde Arten, sind Tiere, die eher durch Zufall zu uns gekommen sind, hier überleben und sich fortpflanzen können. Sie nehmen heimischen Tieren kein Futter und keinen Platz weg und fressen auch nicht die Tiere selber.

Invasive Arten hingegen verdrängen massiv heimische Tiere aus ihren Revieren, zerstören Brutgebiete und breiten sich selber rasant aus. Beispiele sind verschiedene Krebsarten, die Nilgans und nicht zuletzt der Waschbär.

Wie geht man mit invasiven Arten um?

Nutrias oder Nilgänse werden mitunter zu tausenden geschossen, mit mäßigem Erfolg. Ob Abschüsse etwas bringen oder nicht, darüber streiten sich Tierschützer, Land- und Forstwirte. Fakt ist: Werden invasive Arten nicht beobachtet und kontrolliert, können sie in der heimischen Pflanzen- und Tierwelt erhebliche Schäden anrichten. Deshalb ist Mithilfe angesagt.

Wenn man neue Arten beobachtet

Damit Forscher und Biologen einen besseren Überblick über invasive und gebietsfremde Arten und ihre Ausbreitung haben, brauchen sie möglichst viele Daten. Deshalb wünscht sich auch Antje Kautzner vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt:

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns eine Fundmeldung zukommen lassen.

Wichtig sind dabei unter anderem Funddatum und Fundort und natürlich vermutete Art und die Anzahl der gesichteten Tiere, am besten mit Foto. Das geht per Mail an das Landesamt oder man nutzt die kostenlose App „Meine Umwelt“.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 18. August 2022 | 15:30 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP