Gehaltserhöhung – so verhandelst du erfolgreich

Alles wird teurer. Aktuell kosten Lebensmittel, Energie und Co. rund 7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Und dein Gehalt? Wie man den Chef von einer Lohnerhöhung überzeugt und wann dafür der beste Zeitpunkt ist.

Gibt es ein Recht auf mehr Gehalt?

Wer fünf Jahre für das gleiche Geld arbeitet und dabei rund drei Prozent jährliche Teuerungsrate hinnehmen muss, dessen Gehalt ist nach fünf Jahren praktisch fast 20 Prozent weniger wert (Zinseszinsrechnung inbegriffen). Das weiß doch auch der Chef und der müsste doch von selber darauf kommen, mehr zu zahlen, oder? Zwingen kann man ihn leider nicht.

Es gibt grundsätzlich keinen Rechtsanspruch auf eine Gehaltserhöhung.

Zwei Hände halten Euro-Scheine in die Kamera.
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stellt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Peter Meyer in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur klar.

Es gibt aber rechtliche Ausnahmen

Ein Handwerker im Blaumann und ein Mann im Anzug.
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Eine gilt zum Beispiel dann, wenn der Angestellte in einer Firma arbeitet, für die ein Tarifvertrag vereinbart wurde. Der wird in der Regel zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt und gilt entweder für eine Firma, eine Branche oder eine spezielle Gegend. Dieser Tarifvertrag passt sich mit den Mindestlohnforderungen und den Lohnerhöhungen im besten Falle der Inflation also Teuerungsrate an. Positiv: Man muss nicht unbedingt in einer Gewerkschaft sein, um von so einem Tarifvertrag zu profitieren. Einen weiteren Anspruch hat man, wenn Lohnerhöhungen im Arbeitsvertrag vereinbart sind. Hält sich der Chef nicht daran, kann man sie gerichtlich durchsetzen. Wenn man mitbekommt, dass viele andere, die in der Firma in einem ähnlichen Job arbeiten, mehr Gehalt bekommen oder gar aktuell eine Lohnerhöhung erhalten haben, dann kann man auf den Grundsatz der Gleichbehandlung bestehen und das fordern, was die anderen auch bekommen.

Wann man am besten nach mehr Gehalt fragt

Einfach mal so zwischendurch nach mehr Gehalt zu fragen, ist keine gute Idee. Denn: Wer spontan fragt, bekommt eine spontane Antwort und spontan will kein Chef mehr Geld ausgeben. Ein Anlass ist also immer am besten:

  • Nach erfolgreich bestandener Probezeit, man hat schließlich gezeigt, dass man für den Job geeignet ist und gehört jetzt fest zur Firma.
  • Wenn ein befristeter Arbeitsvertrag verlängert oder in einen unbefristeten umgewandelt wird. Die Firma zeigt: Wir brauchen dich.
  • Wenn man neue und anspruchsvollerer Aufgaben übernimmt, damit geht schließlich oft mehr Verantwortung einher.
  • Beim jährlichen Feedback Gespräch. Verläuft das positiv, will der Chef den Mitarbeiter halten, da lässt sich gut über mehr Geld reden.

Ganz allgemein raten Arbeitsrechtler maximal aller 1 ½ bis 2 Jahre nach mehr Geld zu fragen. Wichtig: Beim Gespräch sollte man parat haben, welche Aufgaben man erledigt, vielleicht auch zusätzlich. Und was man in Zukunft auch zusätzlich zu leisten bereit ist.

Wieviel Erhöhung man einfordern kann

Geldscheine am Portemonaie
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Im Normalfall sind zwischen drei und sieben Prozent mehr Lohn nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit drin. Bei der aktuellen Inflation und weil Chefs ohnehin kaum dem gewünschten Betrag zustimmen, kann man ruhig mit bis zu 10 Prozent Forderung in das Gespräch gehen. Wer neue Aufgaben oder gar eine höhere Position annimmt, kann zwischen 10 und 15 Prozent mehr fordern.  

Wenn der Chef Nein sagt

Dann muss das nicht unbedingt an einer persönlichen Abneigung liegen. Grund kann auch die wirtschaftliche Situation der Firma sein. Unter Umständen kann man in solchen Fällen aber ein paar Urlaubstage, ein Firmenhandy oder auch Fahrtkostenzuschüsse aushandeln und das Versprechen, später nochmal über  mehr Gehalt zu reden. So wahren beide ihr Gesicht und gehen mit einem guten Gefühl aus der Verhandlung.  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Am Wochenende | 13. August 2022 | 13:35 Uhr

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