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Belohnung für Zensuren - ist das eine gute Idee?

02. Juli 2022, 00:00 Uhr

Ferienzeit ist Zeugniszeit. In wenigen Tagen ist es auch bei uns in der Region soweit. Dann stellt sich die Frage: Sollte man sein Kind belohnen – und wenn ja wie am besten?

Wenn Kinder und Jugendliche deswegen Angst wegen der Zeugnisse haben, gibt es Hilfsangebote wie etwa die montags bis samstags anonym und kostenlos bundesweit erreichbare Nummer 116 111.

Laut einer Umfrage gibt es in 61 Prozent der deutschen Familien eine Belohnung fürs Jahreszeugnis. Interessant dabei: Eltern zeigen sich aus ganz unterschiedlichen Gründen großzügig. Sie würdigen besondere Anstrengungen (45 Prozent), deutliche Verbesserungen im Vergleich zum letzten Zeugnis (33 Prozent) oder aber einfach den Umstand, dass wieder ein Schuljahr geschafft ist (20 Prozent).

Auch wenn man das denken könnte: Längst nicht immer gibt es von den Eltern aber Geld als Anerkennung (21 Prozent). Weiter vorn in der Liste stehen gemeinsame Unternehmungen (36 Prozent), wie etwa ein Ausflug oder ein leckeres Essen. Bei Verwandten, Onkel, Tante, Oma und Opa zum Beispiel, wird dagegen deutlich häufiger (48 Prozent) mit Barem als Motivationshilfe gearbeitet.

Belohnung sollte im Rahmen bleiben

Allerdings gaben die Verwandten eher kleinere Beträge bis zu 20 Euro. Eltern waren spendabler, 33 Prozent zahlten zwischen 21 und 50 Euro. Zwölf Prozent waren die schulischen Leistungen mehr als 50 Euro wert und vier Prozent sogar mehr als 100 Euro. Diese hohen Summen haben auch damit was zu tun, dass zum Beispiel auch Abiturienten mit erfasst wurden.

„Solange die Belohnung für ein gutes Zeugnis in angemessenem Rahmen bleibt, halte ich sie für sinnvoll“, sagt Max Kade, pädagogischer Leiter des Nachhilfeunternehmens Studienkreis. Wichtig sei es, dass sich Eltern mit ihren Kindern regelmäßig über die schulischen Inhalte austauschen. „Werden die gemeinsamen Notenziele erreicht, darf die Anstrengung auch belohnt werden", so Kade.

„Damit er hängenbleibt, muss der Lernstoff im Hirn emotional aufgeladen werden“, sagt der Hirnforscher Gerald Hüther. Am effektivsten geschehe das, wenn ein Kind aus sich heraus lernt - weil es lernen wolle. „Wenn dieser Wille schon gebrochen ist, lernen manche Kinder dem Lehrer zuliebe, weil sie ihn oder sie mögen. Und notdürftig klappt es eben auch mit den Dressurmethoden. Nur, da lernen die Kinder primär, was sie tun müssen, um Belohnungen zu bekommen oder Strafen zu vermeiden.“

Manchmal wirkt Belohnung demotivierend

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben etwas auf den ersten Blick ziemlich Ernüchterndes herausgefunden: Strafen motivieren oft deutlich effektiver als Belohnungen. „Negatives Feedback ist also effektiver als positives Feedback, wenn es darum geht, Verhalten zu ändern“, so der Neurobiologe Jan Kubanek, der mittlerweile an der University of Utah arbeitet. Aber diese Erkenntnis lässt sich im konkreten Fall – also Schüler mit Zeugnis – nicht praktisch nutzen. Oder um es mit dem Pädagogen Kade vom Studienkreis zu sagen: Strafen für ein schlechtes Zeugnis sind ein absolutes No-Go.

Und ohnehin ist die Sache ziemlich vertrackt. Denn in manchen Fällen, das weiß man aus Experimenten, können Strafen genau das gegenteilige Verhalten erzeugen – weil Probanden das Gefühl haben, sich sozusagen für Fehlverhalten freikaufen zu können und genau deswegen nichts ändern.

Und es gibt natürlich auch den Fall, dass Belohnungen demotivierend wirken können – nämlich wenn man sie für etwas bekommt, das man auch so gemacht hätte. Wer zum Beispiel, auch das haben Experimente gezeigt, Kinder für Puzzlespielen mit Süßigkeiten belohnt, der demotiviert sie damit. Am wichtigsten ist der Antrieb, der in einem selbst steckt. Intrinsische Motivation heißt das in der Fachsprache.

Der wirkt allemal besser als Geld oder Geschenke. Aber wenn es mal so gar nicht geklappt hat, in einem Schuljahr, was sollten Eltern dann mit ihren Schulkindern machen? Hirnforscher Hüther hat einen ganz praktischen Tipp: „Die sollen ihr Kind in den Arm nehmen und sagen, wir versuchen das, wenn die Ferien vorbei sind, noch mal von vorne, und dann gucken wir mal, ob es dann besser wird.“

Dieses Thema im ProgrammMDR JUMP am Wochenende | 02. Juli 2022 | 14:50 Uhr