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Mit der Wärme kommen die Zecken: So könnt ihr euch schützen

Stand: 23. März 2022, 15:04 Uhr

In Mitteldeutschland ist die Zeckensaison gestartet. Die milden Temperaturen locken die Spinnentiere aus ihren Verstecken. Vor den Krankheiten, die sie übertragen, kann man sich aber schützen.

Nach dem vielen Regen, Stürmen und grauem Himmel freuen wir uns über die ersten warmen Sonnenstrahlen. Doch die Wärme lockt auch Insekten und Parasiten nach draußen. Zecken können dabei Monate, sogar Jahre auf einen Wirt zum Blutabzapfen warten. Haben sie einen gefunden, kann es gefährlich werden. Durch einen Biss kann man sich zum Beispiel mit Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis oder Fleckfieber infizieren.

Die richtige Luft- und Bodentemperatur

Richtig wohl fühlen sich Zecken bei einer Lufttemperatur um die 18, 19 Grad und einer Bodentemperatur von 13 bis 15 Grad. Christine Klaus, Fachtierärztin für Mikrobiologie und Parasitologie am Friedrich-Loeffler-Institut in Jena, weiß:

Von einer Zeckenaktivität muss man aber ausgehen, wenn die Lufttemperatur bei etwa acht Grad liegt. Wir haben sogar schon Aktivität bei etwa drei Grad feststellen können.

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Typische Lebensräume für Zecken sind unter anderem lichte Wälder und Waldränder sowie Flächen mit hohem Gras oder Büschen. Auch Stadtparks sind zeckengefährdete Gebiete. In den Tälern wird es ihnen bei heißen Temperaturen aber wohl zu ungemütlich. So machen sie sich in Deutschland immer mehr in höher gelegenen Regionen breit. Neuen Forschungsergebnissen zufolge werden in Höhenlagen von 500 bis 700 Metern zunehmend FSME-Erkrankungen registriert.

FSME-Risikogebiete

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Erkrankung der Hirnhäute und des zentralen Nervensystems, die mit Medikamenten nicht heilbar ist. In den sogenannten FSME-Risikogebieten besteht ein höheres Risiko, durch einen Zeckenstich mit dem FSME-Virus angesteckt zu werden. Insgesamt gibt es 175 Risikogebiete in Deutschland.

Thüringen

In Thüringen zählen aktuell die Stadt- bzw. Landkreise Gera, Greiz, Hildburghausen, Ilm-Kreis, Jena, Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis, Saale-Rudolstadt, Schmalkalden-Meiningen, Sonneberg, Suhl und das Weimarer Land zu den Risikogebieten. Aber auch in anderen Landkreisen Thüringens sind schon einzelne Erkrankungen aufgetreten.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist nur Dessau-Roßlau als Risikogebiet deklariert. Einzelne Erkrankungen tauchten aber auch in anderen Städten und Landkreisen auf.

Sachsen

Seit dem 04. März 2021 gelten in Sachsen zehn von dreizehn Städten bzw. Landkreise als FSME-Risikogebiet - mit Ausnahme der Stadt Leipzig, sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen. Gesundheitsministerin Petra Köpping ist sich sicher:

Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren ganz Sachsen als FSME-Risikogebiet gelten wird. Am wirksamsten schützt man sich vor einer FSME-Infektion, indem man Zeckenstiche vermeidet. Das geht am einfachsten mit entsprechender Kleidung und den bekannten Zeckenschutzmitteln zum Auftragen auf die Haut. Menschen, die sich häufig in Zeckengebieten in der freien Natur aufhalten, ist eine Impfung zu empfehlen.

So schützt ihr euch

Die richtige Kleidung: Spaziergänger sollten im Wald, auf dem Feld und auf der Wiese lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Die Strümpfe können über die Hose gestülpt werden. Nach jedem Spaziergang und jeder Wanderung sollte der Körper auf Zecken abgesucht werden.

Mittel zur Abwehr: Sogenannte Repellents helfen für eine gewisse Zeit, Zecken abzuwehren. Die Tiere können den Geruch nicht ertragen und haften sich erst gar nicht fest. Dazu empfiehlt die Stiftung Warentest: „Im Test von 14 Sprays gegen Zecken und Mücken hielten die Besten die Blutsauger mindestens sechs Stunden auf Abstand. Allerdings bleiben Hautflächen unter der Kleidung oder den Haaren meist unbe­handelt.“ Vorsicht: Die enthaltenen Wirkstoffe können mitunter und besonders bei Kindern Hautreizungen verursachen. Am besten vor dem Urlaub ausprobieren und den Arzt befragen. Für Babys und Kinder unter zwei Jahren sind die Mittel in der Regel nicht geeignet.

Impfung: Bei FSME ist eine gute Vorsorge wichtig, da keine bekannten Medikamente gegen das Virus helfen. Das RKI empfiehlt vor allem Menschen eine Impfung gegen FSME, die in einem Risiko-Gebiet leben oder sich dort langfristig aufhalten. In regelmäßigen Abständen muss die FSME-Impfung für Kinder und Erwachsene aufgefrischt werden. Dabei ist der FSME-Impfstoff in der Regel gut verträglich. Einen Impfstoff gegen Borreliose gab es bis vor Kurzem noch nicht.

Ich habe eine Zecke gefunden, was nun?

Habt ihr eine Zecke gefunden, könnt ihr sie mit einer Zeckenpinzette entfernen. Wichtig dabei: Die Zecke möglichst hautnah greifen. Dies verhindert ein Quetschen der Zecke und somit auch die Freigabe von möglicherweise gefährlichen Körperflüssigkeiten. Mit einem kräftigen Ruck und ohne sie zu drehen, werdet ihr den Parasiten schnell wieder los. Nach dem Entfernen der Zecke die Stichstelle mit Alkohol oder einer jodhaltigen Salbe desinfizieren. Mit dem Entfernen solltet ihr dabei nicht allzu lange warten. Bis es zu einer Infektion mit Borreliose-Bakterien kommt, vergehen im Schnitt 12–24 Stunden. Die Übertragung von FSME-Viren beginnt dagegen direkt nach dem Zeckenstich.

Sollte die Einstichstelle stark anschwellen, eine Rötung auftreten oder heiß werden und pochen oder grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen auftreten, solltet ihr einen Arzt aufsuchen.

Mit Material von dpa, RKI, Zecken.de

Dieses Thema im ProgrammMDR JUMP Die Themen des Tages | 23. März 2022 | 19:17 Uhr