Was Hunde über uns Menschen und ihre Umwelt wissen

Wie sieht die Welt aus, wenn man sie durch Hundeaugen wahrnimmt? Die Forschung weiß viel darüber, wie verblüffend ähnlich uns unsere vierbeinigen Freunde und Partner sind.

Lächelnde Teenagerin, die zu Hause einen Hund streichelt
Bildrechte: IMAGO / Westend61

In vielen Familien unserer Region gibt es seit der Pandemie ein neues Mitglied: einen Hund. Laut dem Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) sind allein 2020 rund 20 Prozent mehr Hunde gekauft worden als in den Jahren zuvor. Städte und Gemeinden freut das übrigens, weil sie dadurch Hundesteuereinnahmen in Rekordhöhe bekommen, aber das nur nebenbei. Hier soll es um Gefühle gehen – und darüber, wie unsere vierbeinigen Freunde und Partner die Welt wahrnehmen.

„Die emotionale Beziehung zwischen Mensch und Tier ist in der Krise noch intensiver geworden“, sagt Torsten Toeller, Eigentümer der größten deutschen Tierbedarfskette Fressnapf. Der Umsatz der Heimtierbranche insgesamt ist zuletzt um gut 5 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro gestiegen. Allein rund 1,6 Milliarden Euro gaben die Menschen in Deutschland für Hundefutter aus. Aber, wie gesagt, auch das nur am Rande. Es soll ja um Gefühle gehen, um den Blick auf die Welt aus – ja, doch ziemlich süßen - Hundeaugen.

Und darüber weiß die Wissenschaft mittlerweile verblüffend viel. Fangen wir mit einer brandneuen Studie an, die in diesen Tagen erscheint: Sie stammt von den Neurowissenschaftlern Laura Cuaya und Raúl Hernández-Pérez. Beide waren vor rund vier Jahren von Mexiko nach Ungarn gezogen, um an der Eötvös-Lórand-Universität in Budapest zur Sprachwahrnehmung von Säugetieren zu forschen. Und weil sie dabei auch ihre zwei Border Collies mitnahmen, hatten sie gleich zwei gute Studienobjekte. Es ging ihnen um die Frage, ob die Tiere in ihrer neuen Heimat bemerken würden, dass die Menschen dort eine andere Sprache sprechen.

„Der kleine Prinz“ im Magnetresonanztomografen

A dog and researchers (Márta Gácsi (left), Attila Andics, Anna Gábor (right)) at the scanner.
Bildrechte: Enik Kubinyi / Eötvös Loránd University

Die beiden untersuchten aber nicht nur ihrer eigenen Hunde in einem Magnetresonanztomografen, sondern auch 16 weitere Tiere. Diese bekamen Passagen aus dem Buch „Der kleine Prinz“ vorgelesen, mal in Spanisch und mal in Ungarisch. Dabei zeigte sich, dass zwar in beiden Fällen dieselben Hirnregionen aktiv waren - allerdings mit unterschiedlichen Mustern. Die Forscher sehen das als Beleg, dass die Hunde tatsächlich die Unterschiede zwischen beiden Sprachen bemerken. „Damit haben wir zum ersten Mal belegt, dass ein nicht menschliches Gehirn Sprache erkennen kann“, so Cuaya.

„Viele Menschen gehen davon aus, dass Hunde nur ‚bla, bla‘ hören, wenn wir sprechen. Aber die Vierbeiner erkennen den Sprachrhythmus und wissen, wie wir klingen“, sagt Holly Root-Gutteridge von der University of Lincoln in England, die nicht an der Arbeit beteiligt war. Bereits bekannt war, dass Hunde die Verarbeitung von Sprache zwischen ihrer linken und rechten Gehirnhälfte aufteilen - genau wie wir Menschen. Dabei verarbeiten sie zuerst die Tonlage und danach die Bedeutung. Das heißt: Einfache, emotionale Reize werden von den Tieren als Erstes gedeutet, dann erst die komplexere Vorgänge. Also so in etwa: Ah, Frauchen ist wütend – weil ich den Paketboten angekläfft habe.

Auf der Hut bei Fremden

Die Tiere merken, auch das haben Experimente gezeigt, durchaus auch, wann sie belogen werden. Interessanterweise haben sie diese Fähigkeit eher bei Fremden als bei Herrchen oder Frauchen. Denen vertrauen sie offenbar normalerweise einfach mehr.

Hunde besitzen, so viel ist klar, ein hohes Einfühlungsvermögen. Es ist auch bekannt, dass sie manchmal Menschen in Notsituationen helfen. Damit sie wissen, wann ihr Einsatz gefragt ist, müssen sie uns gut beobachten und verstehen.

Interessant ist, dass die Tiere nicht nur anhand des Verhaltens ihres Menschen dessen Gefühle wie Angst, Aufregung und Wut erkennen können – sie lassen sich sogar von ihnen anstecken. Das ist so ein bisschen wie bei kleinen Kindern, die sich bei ihren Reaktionen auf eine bestimmte Situation auch daran orientieren, wie sich Mama und Papa verhalten. „Die emotionale Verbindung spielt in der Mensch-Hund-Beziehung eine äußerst wichtige Rolle“, so Clive Wynne von der Arizona State University in Tempe. „Hunde sind erstaunlich soziale Wesen, darum lassen sie sich leicht von der Zuneigung und Freude ihres Umfelds anstecken.“

Wir sind uns ziemlich ähnlich

Faszinierend ist auch: Bei wütenden Menschen ist ebenso wie bei wütenden Hunden dieselbe Körpersprache zu beobachten: die Gesichtsmuskulatur ist angespannt, der Körper verkrampft und die Zähne zusammengebissen. Befindet sich ein Mensch in der Gegenwart eines wütenden Hundes – oder umgekehrt – könnte es möglich, dass beide unbewusst den Gesichtsausdruck und die Körpersprache des anderen spiegeln - und dadurch auch die Emotion vom anderen übernehmen.

Überhaupt: Gesichtsausdrücke und Körpersprache von Menschen helfen dem Hund, die Situation zu verstehen. „Hunde beobachten uns Menschen sehr genau. Aber nicht nur, indem sie unseren Blick und unsere Körpersprache wahrnehmen, sondern auch, indem sie auf die Laute hören, die wir machen und unseren Geruch deuten“, so Monique Udell von der Oregon State University in Corvallis.

Zum letzten Punkt abschließend übrigens noch eine etwas pikante, aber vielleicht ganz nützliche Information: Denn Hunde können offenbar auch genau riechen, wann ihr Mensch zuletzt Sex hatte. Das hat offensichtlich mit den Pheromonen zu tun, die beim Geschlechtsverkehr ausgeschüttet werden.  Nur damit ihr später nicht sagt, ihr hättet nicht gewusst, wie gut euch euer Familienmitglied so kennt…

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 13. März 2022 | 12:10 Uhr

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