Betrug über WhatsApp: Kriminelle geben sich als Sohn oder Tochter aus

In einer WhatsApp schreibt jemand aus der Familie, das Handy sei kaputt: So beginnt eine Betrugsmasche, mit der Kriminelle gerade sehr erfolgreich sind. MDR JUMP-Hörer Uwe hatte großes Glück und bekam sein Geld zurück.

Frau nutzt auf dem Sofa liegend ihr Smartphone (Symbolfoto)
Bildrechte: IMAGO / Westend61

Einfach schnell schreiben statt lange telefonieren: In vielen Familien werden alle wichtigen Informationen zwischen Eltern und Kindern schnell über WhatsApp und andere Messengerdienste ausgetauscht. Das nutzen zunehmend häufiger auch Betrüger aus. Sie geben sich in einer WhatsApp als Sohn oder Tochter aus und bitten irgendwann um Geld.

„Hallo Mama, hallo Papa, mein richtiges Handy ist kaputt.“

So ging es auch bei MDR JUMP-Hörer Uwe los. Bei seiner Frau meldete sich die Tochter, ihr Handy sei für ein paar Tage zur Reparatur und das Leihhandy habe eine neue Nummer.

Na ja, so ein paar Tage Smalltalk und gestern wurde es ihr peinlich zu fragen: Sie braucht dringend zwei Überweisungen, sie ist gerade unterwegs und da kann sie keine Bankgeschäfte machen.

Die Eltern schöpften keinen Verdacht. Die Erklärung mit dem kaputten Smartphone klang offenbar überzeugend.

Uns war nicht komisch, solche Hauruck-Aktionen hat unsere Tochter schön öfter draufgehabt. Die Echtzeitüberweisung ging nicht, ich habe es dann so überwiesen.

Die Betrugsmasche mit dem defekten Handy und den Geldproblemen ist nicht ganz neu. Schon im letzten Jahr warnten Polizei und Verbraucherzentralen. Trotzdem sind die Kriminelle mit dieser Masche offenbar immer noch erfolgreich. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt (LKA) meldete allein für die ersten drei Monate in diesem Jahr 200 Fälle, in denen so über WhatsApp und andere Messengerdienste Geld erbeutet wurde. Das waren Summen zwischen 700 und 5.000 Euro. Das LKA geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

Woher haben die Betrüger die Handynummern?

WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Bildschirm
Bildrechte: imago images / Future Image

Die Betrugsmasche ist möglicherweise auch so erfolgreich, weil die Kriminellen scheinbar sehr gezielt vorgehen. Sie verschicken nicht wahllos WhatsApp-Nachrichten, sondern wenden sich wie im Fall von MDR JUMP-Hörer Uwe gezielt an Eltern. Woher die Betrüger die Telefonnummern haben, ist aber noch nicht ganz geklärt. Das Online-Magazin NETZWELT weist darauf hin, dass die entsprechenden Daten im Darknet gekauft werden können. Sie stammten häufig aus Datenlecks bei Herstellern oder Internetanbietern. Über einen von NETZWELT bereitgestellten Link lässt sich überprüfen, ob die eigene Handynummer schon im Netz verkauft wurde.

Einfach mal bei den Kindern oder den Eltern durchklingeln

Das ist laut Polizei der beste Weg, um die Betrugsversuche über WhatsApp und Co. abzuwehren. Wer unsicher ist, kann auch auf der „alten“ Nummer vor dem angeblichen Handydefekt nachfragen, ob alles in Ordnung ist und ob die Geschichte stimmt. Das hat MDR JUMP-Hörer Uwe nicht gemacht. Er wurde trotzdem noch rechtzeitig stutzig:

Abends im Bett lass ich den Tag immer nochmal Revue passieren. Da fiel mir auf, dass meine Schwiegermutter gestern mit meiner Tochter über Schnupfen telefoniert hat. Da hab ich mich gefragt: Wie kann sie mit meiner Tochter telefonieren?

Angeblich war beim Leihhandy der Lautsprecher defekt. So wollten die Kriminellen offenbar abwenden, dass sie direkt angerufen werden und alles auffliegt. Uwe meldete sich noch in der Nacht beim Sicherheitsdienst seiner Bank.

Der hat einen Vermerkt hinter den Auftrag gemacht und heute früh habe ich gleich die Hotline angerufen und die hat die noch nicht getätigte Buchung gestrichen.

So konnte die Überweisung noch rückgängig gemacht werden. Tatsächlich kommt es in solchen Fällen auf Schnelligkeit an. Selbst getätigte Überweisungen lassen sich anders als etwa Lastschriften nicht so einfach zurückholen. Darauf weist Finanztip hin. Wenn das Geld auf dem fremden Konto gutgeschrieben wurde, ist es zu spät. Die Betrüger überweisen das in der Regel schnell auf andere Konten weiter, warnt die Polizei. Der Verein „Sicher im Netz“ rät dazu, alle Fälle bei der Polizei anzuzeigen. Mögliche Beweise wie der Chatverlauf oder die Kontonummer der Betrüger sollten dafür per Screenshot gesichert werden.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 15. Juli 2022 | 14:50 Uhr

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