Was ist Glück und wie werden wir glücklicher?

Jedes Jahr am 20. März ist Weltglückstag, von den Vereinten Nationen höchstselbst ausgerufen. Aber was hat das mit uns zu tun? Vielleicht mehr als man denkt.

Vater mit kleinem Mädchen auf dem Arm an einem See
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Was ist Glück? Ein Philosoph könnte über diese Frage wahrscheinlich ein ganzes Leben lang nachdenken. Es geht ja schon mal los damit, dass Glück haben und glücklich sein zwei ganz verschiedene Dinge sind. Manchmal kann man glücklich sein, etwas zu haben – und oft glücklich darüber, etwas nicht zu haben. Und auch nicht jeder kann überhaupt mit Glück umgehen. „Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt“, sagt der römische Philosoph Seneca, „sondern wer sich selbst dafür hält“.

In der Psychologie übernimmt man diesen Gedanken, in dem man Glück definiert als subjektives Wohlbefinden. Das heißt: Positive Gefühle sollten im Idealfall häufiger auftreten und negative eher selten. Dazu braucht es noch eine hohe Zufriedenheit mit dem Leben im Allgemeinen. Man kann Glück nach Ansicht mancher Forscher sogar messen. Dazu gibt es eine Messskala, die so genannte Scale of Positive and Negative Experience. Elke Heise und Tobias Rahm von der Technischen Universität Brauschweig haben dieses Werkzeug ins Deutsche übertragen. Forscher Rahn nutzt die Erkenntnisse für Kurz-Trainings, die bei einer langfristigen Verbesserung des Wohlbefindens helfen sollen.

Warum befasst sich die Uno mit dem Glück?

„Glücklich zu sein, ist ja eigentlich schon ein Ziel, dass man gar nicht weiter begründen müsste. Wer ist schließlich nicht gerne glücklich?“, so der Forscher. „Tatsächlich wissen wir aber aus vielen Experimenten und Studien, dass hohes subjektives Wohlbefinden mit ganz vielen wünschenswerten Dingen assoziiert ist, dazu gehören bessere Gesundheit, höhere Lebenserwartung, mehr Produktivität, Kreativität und Flexibilität, bessere Problemlösekompetenzen und persönliches Wachstum.“

Samstag der 20. März wurde nun von den Vereinten Nationen zum Weltglückstag ausgerufen. Warum sich die Uno mit so einem Thema befasst? Offiziell soll damit die Arbeit von Staaten anerkannt werden, die Wohlstand auf eine Art und Weise messen, die über den materiellen Wohlstand hinausgeht. Ein Paradebeispiel ist dafür der Himalaya-Staat Bhutan.

Eine Glücksformel aus Magdeburg

Aber auch bei uns in der Region ist die Erforschung des Glücks ein wichtiges Thema: An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg befasst sich zum Beispiel der Soziologe Jan Delhey damit. Er nutzt unter anderem internationale Umfragen zur Lebenszufriedenheit. Dabei hat er nachgewiesen, wie wichtig der gesellschaftliche Zusammenhalt für das subjektive Wohlbefinden ist. Delhey hat außerdem eine Glücks-Formel entwickelt. Sie lautet: Glück = 1/3 Haben + 1/3 Lieben + 1/3 Sein.

Unter "Haben" versteht der Forscher Einkommen und Wohlstand. "Lieben" betrifft sämtliche sozialen Beziehungen, also auch Familie und Freunde. Und zum "Sein" gehört, ob jemand in seinem Leben einen Sinn sieht, es aktiv gestaltet - und wie seine Umgebung darauf reagiert.

Menschen sind dann glücklich, sagt der Forscher, wenn sie ausreichend Geld zur Existenzsicherung, liebevolle Beziehungen und nicht zuletzt einen Sinn im Leben haben. Und je reicher ein Land ist, desto mehr zählen das Lieben und das Sein.

Macht viel Geld nun glücklich oder nicht?

Macht also in reichen Staaten wie unserem mehr Geld gar nicht glücklicher? Nun, ganz so einfach ist es dann vielleicht doch nicht. Darauf deutet eine aktuelle Arbeit des Psychologen Matthew Killingsworth von der University of Pennsylvania hin, der Smartphonenutzer per App befragt hatte.

Das Interessante dabei: Bisher ging man eigentlich davon aus, dass es sozusagen eine Obergrenze gibt, ab der mehr Geld nicht mehr glücklicher macht.  Doch zumindest Killingsworth sagt nun: So ein oberer Wert existiert nicht.

Von „Mo Money, Mo Problems“ wie The Notorious B.I.G. das einst ausdrückte, scheint aber keine Rede zu sein. Als einen der Gründe sieht der Forscher, dass reiche Menschen das Gefühl hätten, mehr Kontrolle über ihr Leben zu haben.

Wichtig sei auch, wofür das Geld ausgegeben werde, sagt der Magdeburger Soziologe Delhey. Erlebnisse machten glücklicher als Güter. Ebenso mache es glücklich, wenn man Geld nicht nur für sich, sondern auch für andere ausgebe. Und er sagt: Reiche haben nur eine größere Chance auf höhere Zufriedenheit, keine Garantie. „Im Einzelfall finden wir kreuzunglückliche Hocheinkommensbezieher genauso wie Menschen mit geringerem Einkommen und hohem Wohlbefinden.“

In Ost und West sind die Menschen inzwischen ähnlich glücklich

In der Coronakrise ist das Glücksniveau in Deutschland übrigens im vergangenen Jahr nur leicht zurückgegangen. So steht es im Glücksatlas, den die Deutsche Post einmal im Jahr herausgibt. Demnach stand die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung im Krisenjahr 2020 auf einer Skala von 0 bis 10 bei immerhin 6,74 Punkten. Das ist nur rund sechs Prozent unter dem Allzeithoch aus dem Jahr davor. Interessant ist auch: Die Lebenszufriedenheit in Ost und West hat sich inzwischen angeglichen.

Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen hat die Sache anlässlich des ersten Weltglückstags vor nunmehr acht Jahren einmal so zusammengefasst: „Das Streben nach Glück ist universell und zutiefst menschlich. Die Wege sind sehr unterschiedlich, und es gibt viele Sackgassen. Aber Glück ist eben nicht persönliches Schicksal, sondern eine zentrale Frage des Miteinanders.“

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