Große Trockenheit – Jetzt reguliert auch der Landkreis Stendal die Wasserentnahme

Seit heute gilt im Landkreis Stendal ein Wasserentnahmeverbot. Warum die Situation schon wieder so dramatisch ist und was das praktisch für die Menschen bedeutet, klären wir jetzt:

Blumen und Gras auf einer Wiese, darüber der blaue Himmel mit Sonnenschein
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Was ist verboten, was ist erlaubt?

Ein Waldarbeiter demonstriert die derzeitige Trockenheit und lässt vertrockneten Waldboden durch die Finger rieseln.
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Grundsätzlich ist vorerst bis zum 30. September verboten, Wasser aus oberirdischen Gewässern, also Flüssen und Seen, mit Hilfe technischer Geräte zu entnehmen. Man darf also keine Pumpen und ähnliche Mittel mehr einsetzen, um zum Beispiel den Garten zu bewässern. Mit Gießkannen und Eimer darf man weiterhin Wasser schöpfen. Hinzu kommt aber, dass es von 10 bis 18 Uhr verboten ist, aus Brunnen und dem Trinkwassernetz Wasser zu entnehmen und damit Gärten, Sportplätze und ähnliches zu bewässern. Wer gegen die Verfügung des Landkreises Stendal verstößt, kann mit bis zu 50.000 Euro Ordnungsstrafe belegt werden.

Welchen Sinn macht das Verbot?

Die bestehenden knappen Grund- und Trinkwasserbestände sollen möglichst geschont werden. Deshalb geht der Landkreis Stendal jetzt nach Anhalt- Bitterfeld, Salzwedel und anderen Landkreisen diesen Weg. Das Gießverbot zwischen 10 und 18 Uhr begründet die Pressesprecherin des Kreises Stendal, Angela Vogel, so:  

Grund ist, dass zu dieser Jahreszeit ein Großteil des Wassers bei der Bewässerung während der sonnigen Stunden verdunstet.

Und tatsächlich ist Gießen in dieser Zeit reine Wasserverschwendung, die Pflanzen haben kaum etwas davon.

Warum trifft es gerade Sachsen-Anhalt?

EineDeutschlandkarte, die in gelben und roten Flächen die Trockenheit des Bodens über mehrere Monate anzeigt.
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Die Trockenheit der letzten Jahre hat gerade Sachsen-Anhalt betroffen. Der aktuelle Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung zeigt besonders im Norden des Bundeslandes einen großen Wassermangel bis in tiefere Schichten. Es hat einfach zu wenig geregnet und war in diesen Landesteilen zu heiß.

Hand mit trockener Erde
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Eine Verbesserung ist auch in 2022 nicht erkennbar. Vermutlich werden die Wasserstände weiterhin sinken. Die überwachten Grundwasserstände liegen auf einem neuen Allzeittief,

so die Prognose der Landkreissprecherin Angela Vogel.

Große Seen verstärken das Problem noch

Aktuell diskutieren Fachleute in Mitteldeutschland die Rolle großer Wasserflächen an der Knappheit von Grund- und Oberflächenwasser. Erkenntnis: Geflutete Tagebaulöcher, wie etwa die Seenlandschaft südlich von Leipzig, verstärken die Wasserknappheit noch, da über ihre großen Oberflächen an heißen Tagen enorm viel Wasser verdunstet, dem Grundwasser also entzogen wird.

Verbraucht Mitteldeutschland zu viel Wasser? Im Gegenteil:

In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen verbrauchen die Menschen im deutschlandweiten Vergleich deutlich am wenigsten Wasser. Sachsen-Anhalt hat laut der aktuell gültigen Statistik des Umweltbundesamtes einen Pro-Kopf-Verbrauch von 93 Litern am Tag, in Hamburg verbraucht man 139 Liter. Trotzdem ist immer noch Einsparpotential vorhanden, die Regentonne im Garten ist hierzulande ein gewohntes Bild, es geht aber noch mehr.

Wie man mit wenig Wasser erfolgreich gärtnert

Zunächst ist kluge Planung gefragt: Bevor man Beete anlegt und den Garten bepflanzt, sollte man sich genau anschauen, welche Flächen eher im Schatten liegen und welche in der prallen Sonne. Dementsprechend werden Pflanzen gesetzt, die Trockenheit gut abkönnen oder eben viel Wasser brauchen. Damit möglichst viel vom Gieß- und Regenwasser bei den Pflanzen ankommt, sollte man:

Gießkannen
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  1. Möglichst nah an der Pflanze gießen, also nicht großflächig Sprengen.
  2. Nie in der prallen Sonne gießen, sondern eher in kühlen Schattenzeiten.
  3. Regelmäßig hacken, das zerstört Verdunstungskanäle in der Erde.
  4. Den Rasen nicht zu kurz mähen, den Grasschnitt zum Mulchen verwenden.
  5. Mulch Folien oder Rindenmulch als Verdunstungsschutz einsetzen. Übrigens kann man Pflanzen auch verpäppeln: Wer zum Beispiel seine Tomaten immer fleißig früh und abends gießt, hindert sie daran, bis zu zwei Meter tiefe Wurzeln zu bilden und selber nach Wasser zu suchen. Einmal am Tag zu gießen reicht völlig aus.

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