Update: Katastrophen-Warntag - So läuft die Großübung ab

Am Donnerstag heulen alle Sirenen. Digitalanzeigen auf Straßen und Apps übermitteln Probewarnungen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe will die Menschen so besser auf Ernstfälle vorbereiten.

Sirene auf Dach
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Am Donnerstagvormittag um genau 11 Uhr wird in Deutschland der Katastrophenfall geübt: Dann werden die unterschiedlichsten Warnmittel wie Sirenen, Apps aber auch digitale Werbetafeln bundesweit ausgelöst und zeigen einen Probealarm an. Auch Rundfunksender sollen ihr Programm für die Warnungen unterbrechen. Um 11.20 Uhr folgt dann die Entwarnung. So soll die verfügbare Warntechnik zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung flächendeckend getestet werden. "Es hat sich gezeigt, dass Menschen in Krisensituationen vor allem auf Bekanntes und bereits Erlerntes zurückgreifen», sagt Christoph Unger, Präsident des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Deshalb sei es sinnvoll, so etwas einzuüben.

Mit Corona hat der Warntag nichts zu tun

Das BBK stellte am Montag noch einmal Einzelheiten des Warntages vor, der in Zukunft jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden soll. Dabei wies Christoph Unger darauf hin, dass der Probealarm nichts mit Corona zu tun habe. Die Planungen für den Warntag liefen schon seit zwei Jahren:

Da hatten wir von Corona noch keinen Schimmer. Aber natürlich ist es durch Corona verstärkt worden. Wir haben unsere Warnapp NINA zum Beispiel erweitert um Informationskanäle zu Corona.

Die Warn-App sei während der Pandemie wichtiger geworden, um Menschen zu warnen und Informationen der Bundesregierung weiterzugeben. Zudem habe sich in den ersten Wochen der Corona-Einschränkungen gezeigt, wie wichtig die richtige Vorbereitung auf den Ernstfall sein kann. Christoph Unger rät allen, immer für zehn Tage Vorräte zu Hause zu haben. Das habe auch nichts mit Panikmache zu tun. Er fühle sich in seiner Rolle als Präsident des BK manchmal wie die Figur Kassandra aus der griechischen Mythologie: "Die hat ja auch immer auf irgendwelche Dinge hingewiesen und keiner hat ihr geglaubt." Wer keine Reserven daheim habe, der kaufe dann unter Umständen panisch Klopapier oder Lebensmittel.

"Wir wollen am Warntag auch die Menschen sensibilisieren"

BKK-Chef Christoph Unger 2016 bei der Vorstellung der Konzeption "Zivile Verteidigung" in Berlin
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BKK-Chef Christoph Unger sagte im MDR JUMP-Interview: Am Warntag gehe es nicht nur um Technik. Die Menschen sollten auch für das Thema sensibilisiert werden. In Zukunft werde es immer wichtiger, dass sie auf die Warnmeldungen auch wirklich reagieren können.

Herr Unger, was genau passiert am 10. September?

Dann wird das erste Mal seit drei Jahrzehnten tatsächlich bundesweit wieder der Alarm ausgelöst. In der gesamten Bunderepublik werden dann die Sirenen losheulen. Aber es werden genauso die Apps Warnsignale abgeben, soweit man die entsprechenden Programme aufs Smartphone heruntergeladen hat. Und es wird sich im Stadtbild was verändern: Dann werden beispielsweise digitale Anzeigetafeln auch diese Warnmeldungen anzeigen.

Was steht dann auf meinem Handy, wenn ich so eine Warnmeldung bekomme?

Wir wollen ja nicht die gesamte Republik in Angst und Schrecken versetzen. Deshalb geht aus den schriftlichen Meldungen auf dem Smartphone deutlich hervor, dass es nur eine Probewarnung ist. Und dann ist auch die Empfehlung dabei, das anderen zu sagen: Achtung, es passiert nichts. Das ist nur eine Probe, auch wenn die Sirenen heulen. Und nach einer gewissen Zeit gibt es dann auch die Entwarnung.

Was hören wir am 10. September, wenn die Sirenen angehen?

Moderne Sirene auf Dach
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Wo es welche gibt und wo sie eingeschaltet sind, wird es ein bundesweit einheitliches Sirenen-Signal geben. Darauf haben wir uns in den letzten Monaten verständigt. Mit an- und abschwellenden Tönen. Wenn sie die hören an dem Tag, dann ist das definitiv ein Probealarm.

Gibt es überall noch Sirenen, die Alarm geben können? Uns haben einige Hörer darauf hingewiesen, dass viele Sirenen im MDR JUMP-Sendegebiet abgebaut wurden.

Das ist so. Nach dem Ende des kalten Krieges sind viele Sirenen abgebaut worden. In Sachsen hat man nach dem Hochwasser 2002 tatsächlich aber wieder aufgebaut. Etwa an der Weißeritz, die dann in Dresden zu heftigen Überschwemmungen geführt hat. Da war die Ansage: Wir brauchen wieder Sirenen. Die gibt es auch in der Nähe von Chemiestandorten und Atomkraftwerken. Man hat da in den letzten Jahren viele Sirenen wieder aufgebaut. Aber für uns ist das auch nicht der alleinige Warnweg. Sirenen machen Krach, aber sie transportieren keine Informationen.

Was steckt hinter dem Warntag im September? Soll da wirklich nur die Technik durchgetestet werden?

Wir verfolgen zwei Ziele: Wir wollen die Technik testen, die eben durchaus anspruchsvoll ist. Und das ist nicht mehr die gleiche Technik wie vor 30 Jahren. Und wir natürlich auch die Bevölkerung sensibilisieren. Wir gehen davon aus, dass die Herausforderungen an den Bevölkerungsschutz in Zukunft wachsen. Zum Beispiel durch die Folgen des Klimawandels. Das heißt: Die Menschen müssen auf solche Warnmeldungen auch reagieren können. Sie müssen auch wissen, was sie dann zu tun haben. Und deshalb ist es wichtig, dass man über so einen Warntag die Menschen auch ein Stück weiter besser vorbereitet als das bisher der Fall ist.

Können Sie abschätzen, wie viele Menschen sie am Warntag wirklich erreichen?

Warn App NINA
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Also wir hoffen, dass wir tatsächlich 99 Prozent erreichen: Es werden bis zu 40.000 Sirenen heulen. Unsere eigene Warn-App NINA hat so sieben bis acht Millionen Nutzer. Dazu kommen noch andere Apps. Da sind wir bei zehn Millionen und wir verbreiten das Ganze ja noch über Radio und Fernsehen. Und wir reden  im Vorfeld darüber – viele Schulen und Kindergärten beispielsweise werden das Thema aufgreifen und drüber reden. Und in einem Jahr wiederholen wir das. Mit dem Ziel: Wir wollen die gesamte Bevölkerung für die Warnmeldungen fit machen.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 09. September 2020 | 17:40 Uhr

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