Nur kurze Regenpause: Waldbrandgefahr in Mitteldeutschland nicht gebannt

Nach heißen und trockenen Tagen haben in den letzten Tagen Wälder in Sachsen gebrannt. In Brandenburg wüteten die Flammen auf zwei riesigen Flächen nahe den Autobahnen A9 und A10. Der Regen brachte nur kurz Entlastung.

Waldbrand im brandenburgischen Treuenbrietzen.
Bildrechte: IMAGO / Arnulf Hettrich

Die kräftigen Regenfälle am Montagmorgen halfen im Kampf gegen die Flammen: Über mehrere Tage hatten bis zu 1.400 Feuerwehrleute versucht, die Flammen auf zwei großen Flächen nahe den Autobahnen A9 und A10 zu löschen. Die hatten sich bei wechselnden Winden ausgebreitet. Die Brände waren sogar noch in Dresden zu riechen. Auch mit Munition belastete Flächen brannten und es gab mehrere Detonationen. In Sachsen musste die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk in der Oberlausitz gleich mehrere Waldbrände löschen. Auch in der Nähe von Torgau brannte der Wald.

Glutnester im Waldboden

In Sachsen hatten waren die Feuer schon am Sonntagabend unter Kontrolle. In Brandenburg dagegen dauerten die Einsätze länger. In den Wäldern bei Beelitz und Treuenbrietzen sind auch nach den kräftigen Regenfällen am Montag immer noch fast vierhundert Feuerwehrleute im Einsatz und bekämpfen Glutnester im Boden. Landrat Marko Köhler (SPD) sagte am Dienstag im rbb24-Inforadio:

Die Mischung aus Temperatur und auffrischendem Wind, der die Feuchtigkeit wieder aus dem Gebiet zieht, birgt natürlich ein Risiko. Von daher werden wir noch einmal massiv, auch aus der Luft, die Flächen mit Wasser versehen.

Immerhin konnten mehrere hundert Menschen in ihre Häuser zurückkehren, die wegen der Flammen evakuiert werden mussten. Die Brandursache ist noch nicht geklärt.

Waldbrandgefahr ist nicht gebannt

Die kräftigen Regenfälle am Montag sorgten nur für eine kurze Entlastung. Schon am Mittwoch können laut dem MDR-Wetterstudio die Temperaturen schon wieder auf über 30 Grad steigen. Damit nimmt auch das Risiko für Brände in Wäldern, an Böschungen oder auf Feldern wieder stark zu. Ein Sprecher des Staatsbetriebes Sachsenforst sagte:

Wir müssen schauen, wo ausreichend Niederschlag gefallen ist und ob die oberen Bodenschichten gesättigt wurden. Donnerstag sehen wir schon wieder eine mittlere Gefahr im gesamten Land.

Für die kommenden Tage zeigt der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes für einige Gebiete im Norden von Sachsen-Anhalt und auch Sachsens die höchste Waldbrandstufe 5 an. Für große Gebiete der beiden Bundesländer und kleinere Teile von Thüringen wird am Donnerstag die Waldbrandstufe 4 vorhergesagt.

Können Scherben im Wald wirklich Brände auslösen?

Viele haben es schon im Kindergarten oder in der Schule gelernt: Wer im Wald Flaschen oder Scherben zurücklässt, kann im schlimmsten Fall an einem Waldbrand schuld sein. Das Glas könnte das Licht so bündeln, dass Sonnenstrahlen den trockenen Waldboden entzünden. An dieser Warnung sei aber nichts dran, betont der Meteorologe Jörg Kachelmann auf Twitter.

Glasflasche im Wald (Symbolbild)
Bildrechte: IMAGO / Steinach

Tatsächlich zeigten Experimente vom Deutschen Wetterdienst in Braunschweig von 2005, dass normale Glasflaschen und –scherben wahrscheinlich keinen Waldbrand auslösen können. Sie konnten den Waldboden auch dann nicht auf die nötigen 300 Grad erhitzen, wenn die Forscher das Glas mit „optimaler“ Brennweite und im perfekten Winkel ablegten oder aufhängten. Unabhängig davon sollte Glas trotzdem nicht im Wald zurückgelassen werden. An den Scherben können sich Tiere und Menschen verletzen.

Brandstiftung und Unachtsamkeit von Menschen sind laut Umweltbundesamt die Hauptursachen für Waldbrände. Wer achtlos Zigarettenstummel in den Wald wirft, Feuer macht oder sein Auto im Wald oder auf Wiesen abstellt, kann Brände auslösen. Das gilt besonders in den Jahreszeiten mit wenig Niederschlag und hohen Temperaturen.

Sachsens Umweltministerium hat kurz die wichtigsten Verhaltensregeln bei Waldbrandgefahr zusammengefasst:

  • kein offenes Feuer (Rauchen, Grillen, Lagerfeuer) im Wald (das gilt selbst dann, wenn es keine erhöhte Waldbrandgefahr gibt)
  • kein offenes Feuer in einem Abstand von weniger als 100 Metern zu Wald
  • Waldwege dürfen nicht mit Fahrzeugen mit Motor befahren werden
  • bei hoher Waldbrandgefahr (Stufen 4 und 5) sollte der Wald am besten gar nicht betreten werden
  • falls doch, sollten Wanderer nur auf den Hauptwegen bleiben

Wer einen Waldbrand entdeckt, ist verpflichtet, unter der 112 einen Notruf bei der Feuerwehr abzusetzen.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 21. Juni 2022 | 14:10 Uhr

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