Urteil: Hund zerkratzt Parkett, Vermieter steht keine Entschädigung zu

Haustierhaltung in Mietwohnungen ist generell ein sensibles Thema. Und wenn das Tier dann auch noch Schäden verursacht, ist das oft ein Problem für Mieter und Vermieter. In diesem Fall, verlangt der Vermieter für Schäden sogar eine Entschädigung.

Hund
Symbolbild: Ein Labrador liegt auf einem Parkett-Boden. Bildrechte: imago images / McPHOTO

Ein Vermieter hatte die Haltung eines Labradors in der Wohnung zwar erlaubt, aber auch auf den Mietvertrag hingewiesen. In dem war festgehalten, dass der Mieter für Schäden durch den Hund haftet. In diesem Fall handelt es sich aber um Kratzer im Parkett, die der Hund durch normales Laufen verursacht hat. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski aus Dresden weiß, wie der Vermieter reagiert hat:

Beim Auszug sagt dann der Vermieter: Bitte Schadensersatz. Denn in unserem Mietvertrag steht drin, du musst für Schäden durch den Hund haften.

Das wollte der Mieter so nicht hinnehmen. Er hat darauf bestanden, dass die Kratzer eben zur Hundehaltung dazugehörten.

Urteil: der Vermieter bekommt keinen Schadensersatz

In diesem Fall hat nun das Amtsgericht in Koblenz entschieden. Die Richter sagen: Wenn der Vermieter die Haltung des Hundes genehmigt, müsse er damit rechnen, dass durch sogenannten vertragsgemäßen Gebrauch Schäden entstehen.

Das ist das gleiche, wie eine abgenutzte Türklinke oder wie ein Fenster, das mal wackelt. Das heißt: Der Vermieter kann vom Mieter keinen Schadensersatz dafür verlangen, dass der Labrador ganz normal durch die Wohnung gegangen ist und mit seinen Krallen, die er naturgemäß angebaut hat, ein paar Kratzerchen verursacht. Die Klage wurde also abgewiesen.

Bei Problem-Hunden kann es zu Schadensersatz kommen

Das Gericht weist aber auch darauf hin, dass das Urteil bei einem nicht-vertragsgemäßen Gebrauch anders ausfallen würde:

Das Gericht sagt, wenn ein Hund auf gut deutsch 'eine Meise' hat, also zum Beispiel an einer bestimmten Stelle scharrt oder sich gerne mal im Türrahmen verbeißt, dann ist das kein vertragsgemäßer Gebrauch mehr. Denn im Kern sagt das Urteil des Amtsgerichts Koblenz: Der Hund muss sich artgerecht verhalten und er muss artgerecht gehalten werden. Der Vermieter darf also verlangen, dass der Mieter seinem Hund sozusagen beibringt, wie man sich benimmt.

Wenn der Hund zum Beispiel an eine bestimmte Stelle in der Wohnung immer wieder hin macht, muss der Mieter dafür haften. Dann kann der Vermieter auch Schadensersatz verlangen.

Aktenzeichen: Az. 162 C 939/13

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 10. Oktober 2020 | 12:10 Uhr

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