Sommerurlaub: Viele Ausfälle an Flughäfen erwartet

Keine gute Zeit für alle von uns, die mit dem Flugzeug in den Sommerurlaub starten wollen. Grund ist extremer Personalmangel an Flughäfen. Wie die Lage dort tatsächlich aussieht und was Reisende noch tun können, haben wir Experten gefragt.

Fluggäste stehen am Flughafen Berlin Brandenburg (BER)
Bildrechte: dpa

Die Lage an deutschen Flughäfen ist aktuell alles andere als entspannt. Laut Flughafenverband sind aktuell etwa 20 Prozent der Stellen an Check-in, Sicherheitskontrollen und Flugabfertigung unbesetzt. Gleichzeitig ist die Reiselust bei vielen Menschen nach zwei Jahren Corona groß.

Personalabbau beim Flugverkehr

Bereits im letzten Jahr warnte ver.di vor dem Personalabbau, wie Ann-Christine Behle, stellvertretende Vorsitzende bei ver.di und im Aufsichtsrat der Lufthansa, im MDR JUMP Interview verrät:

Wir haben damals schon die Politik und die Flughafengesellschaften aufgefordert, dringend was zu unternehmen. Das ist nicht passiert und jetzt kommt es genau dazu, dass Personal fehlt und die Arbeit nicht gemacht werden kann.

Wer schon eine Reise für Sommer gebucht hat oder mitten in der Planung steckt, sollte sich trotzdem nicht fürchten. Fluggesellschaften sind aktuell daran, ihre Flugpläne zu überarbeiten. Behle rät allerdings zu Geduld bei den Passagieren, denn der Personalmangel ließe sich nicht von heute auf morgen beheben. Wie lange das dauert, sei aktuell nicht einschätzbar, allerdings sei sicher, dass diesen Sommer noch nicht genug Personal gefunden werden könne. Daraus resultieren würden dann auch enorm lange Wartezeiten an Flughäfen:

Wir haben heute schon teilweise Wartezeiten von bis zu vier Stunden und ich bin sicher, dass es gerade diesen Sommer an großen Standorten noch schlimmer werden wird. Ich kann nur jedem raten, frühzeitig zum Flughafen zu kommen.

Was können Reisende tun?

Wer eine Reise gebucht hat und plötzlich feststellt, dass der Flug Verspätung hat oder sogar gestrichen wurde, sollte unverzüglich den Reiseveranstalter darüber informieren, sagt Rechtsanwalt Jeremy Gartner im MDR JUMP Interview:

Pauschalreisende wie alle anderen Reisenden haben laut der EU-Fluggästeverordnung einen Anspruch auf eine Entschädigungszahlung von bis zu 600 Euro durch die verantwortliche Airline.

Je kurzfristiger der Flug annulliert wird, desto wahrscheinlicher sei es auch, dass die Fluggesellschaft die Reisenden entschädigen muss. Wenn sich der gestrichene Flug dann sogar auf den gesamten Urlaub auswirkt, können Pauschalreisende auch komplett von der Reise zurücktreten.

Wer auf das Fliegen verzichten möchte

Wer aufgrund des Personalmangels und der langen Wartezeiten am Flughafen dieses Jahr lieber auf einen Urlaub außerhalb Deutschlands verzichten möchte, für den hat Reiseexperte Jonas Upmann einen Tipp:

In diesem Jahr lohnt es sich, flexibel zu sein, dann findet man auch immer wieder Lücken. Der Schwarzwald und der Harz halten mittlerweile auch viel für Jüngere vor, genau wie das Erzgebirge. Strecken, die wir direkt vor der Tür haben, haben in den letzten zwei Jahren noch mal echt zugelegt, was das Angebot angeht.

Außerdem gibt es ja auch noch das 9-Euro-Ticket, mit dem sich auch ohne Flugzeug Deutschland toll erkunden lässt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP die Themen des Tages | 16. Juni 2022 | 19:20 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP