Lassen hohe Treibstoffpreise die Tankkriminalität steigen?

Noch nie war Kraftstoff so teuer. Und noch nie sind die Preise in so kurzer Zeit so extrem gestiegen. Wird dadurch jetzt an den Tankstellen mehr Sprit geklaut?

Preisanzeige an einer Tankstelle am 25. März 2022
Bildrechte: IMAGO / Michael Gstettenbauer

Ja, an Tankstellen wird mehr geklaut.

Das ist die simple und traurige Folge der Preisexplosion bei den Kraftstoffen. Laut Hans-Joachim Rühlemann, dem Vorstandsvorsitzenden des Verband des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost e.V.- VGT tritt das Problem immer dann auf, wenn die Preise so steigen. Eine bundesweite Übersicht, wie stark Diebstähle und Betrügereien zugenommen haben, gibt es aktuell nicht. Hans Joachim Rühlemann schätzt aber:

Wir können relativ sicher von etwa 30 Prozent plus ausgehen.

Das bestätigt auch die klare Aussage des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt:

Die Zahl der Fälle bei Tankbetrug und Kraftstoffdiebstahl steigt seit Jahresanfang stark an.

Folgen für die Tankstellenpächter

Ein Mann betankt sein Auto an einer Tankstelle in den Bergen in Bayern.
Bildrechte: IMAGO / Rolf Poss

Die kleine gute Nachricht: In der Regel werden die Kosten für geklaute Kraftstoffe von den Mineralölkonzernen übernommen. Die größere schlechte Nachricht: Tankstellenpächter müssen den Diebstahl und mögliche Täter eindeutig per Videoüberwachung erkennen, nachweisen und bei der Polizei anzeigen. Dann muss die Erstattung des Verlustes bei der Mineralölgesellschaft beantragt werden. Gerade für Tankstellenpächter mit wenig Personal bedeutet das einen riesigen zusätzlichen Arbeitsaufwand.

Kaum praktikable Lösungen in Sicht

Die gesperrte Zapfsäule wird erst auf Bitte beziehungsweise Zuruf freigestaltet. Gute Idee, die aber in der Praxis schwer umzusetzen ist, erklärt Jürgen Ziegner vom Zentralverband des Tankstellengewerbes e.V. (ZTG):

Zapfsäulen- Freischaltung ist bei einer großen Tankstelle in der Rush Hour praktisch nicht nutzbar.

Und gerade diese Zeiten, mit viel Betrieb nutzen Diebe aus. Die Profis unter Ihnen sind ohnehin mit falschen Nummernschildern unterwegs. Hinzu kommt, dass die Polizei aktuell wenige bis gar keine zusätzlichen Kräfte für dieses Problem zur Verfügung hat.

Vorsicht – Tankbetrug kann hart bestraft werden

Einen wirksamen Schutz gegen Diebe gibt es, wie beschrieben, kaum – konkrete Strafen schon. Einfach mal an der Tanke Gase geben, ohne zu bezahlen kann mit Geldstrafen geahndet werden. Wer mehrfach erwischt wird und gar gefälschte oder geklaute Nummernschilder am Auto hat, der handelt mit Vorsatz. Für ihn kann es im schlimmsten Fall bis zu fünf Jahre Gefängnis geben.

Legal beim Tanken und Fahren sparen.

Ein junger Mann betankt 2011 sein Auto und hält dabei Geldscheine in der Hand.
Bildrechte: dpa

Wer in Grenznähe wohnt, hat es gut, gerade bei unseren östlichen Nachbarn kostet der Liter Benzin aktuell bis zu 60 Cent weniger. Vorsicht aktuell dürfen in Polen keine Kanister betankt werden. Verständlich: Das Land ist am Rande seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und auch in Polen ist Öl knapp.

Für alle gilt: Sparsames Fahren ist der einzige Weg um die hohen Spritpreise wenigstens einigermaßen abzufedern. Hinzu kommen Entlastungsangebote aus der Politik: So sollen die Steuern auf Benzin und Diesel vorübergehend gesenkt werden. Das wird unmittelbar an der Zapfsäule spürbar Die Pendlerpauschale wird erhöht. Das sorgt allerdings erst bei der nächsten Steurerklärung für Entlastung.

Dieses Thema im Programm “MDR JUMP Die Themen des Tages” | 14. April 2022 | 19:37 Uhr

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