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40 Jahre Smiley – Das steckt hinter unseren Emojis

Stand: 18. September 2022, 00:00 Uhr

Wir alle nutzen sie, aber kaum jemand kennt die Geschichte hinter dem ersten Smiley. Es diente einst Computernerds in den USA als Hilfsmittel zum Erkennen von Witzen.

Scott Fahlman hatte keine Ahnung davon, dass er die Kommunikation verändern würde. Er wollte eigentlich nur ein ganz konkretes Problem lösen. Im September 1982 hatten die Informatiker an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania nämlich mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie trieben sich zu der Zeit gern und viel im ARPAnet herum, dem Vorläufer des Internets, das gerade vom US-Militär für die zivile Nutzung freigegeben worden war.

Man kommunizierte über öffentliche Nachrichten in so genannten Bulletin Boards, die man sich wie eine digitale Pinnwand vorstellen kann. „Bei den Nachrichten, die man in das Bulletin Board schrieb, fehlte die Nuancierung durch Mimik und Tonfall des Gegenübers“, erklärte Fahlman später. „Hinzu kam, dass die Community ausschließlich aus Nerds bestand mit Hang zu Sarkasmus und schrägem Humor. Es kam also häufig vor, dass jemand eine Nachricht postete, die eigentlich als Spaß gedacht war, aber es gab immer jemanden, der die Absicht nicht verstand und empört zurückschrieb.“

Das heißt: Manche der Nerds erkannten einen Witz nicht als das, was er war. Wie zum Beispiel bei der Sache mit dem Fahrstuhl. Da hatte es in Fahlmans Abteilung eine Diskussion, um ein absurdes physikalische Gedankenexperiment gegeben: In einem Fahrstuhl brennt eine Kerze in einem Wandhalter, ein Tropfen Quecksilber liegt auf dem Boden. Was passiert nun mit dem Quecksilber, wenn das Fahrstuhl-Kabel reißt? Das alles war, wie gesagt, Spinnerei – doch ein paar der Leute an der Uni nahmen es eben ernst.

Mit dem Wachstum des Netzes verbreiteten sich die Zeichengesichter

Also schlug Fahlman in einer Nachricht vom 19. September 1982 eine Kennzeichnung für Witze vor: ein Doppelpunkt, gefolgt von einem Strich und einer schließenden Klammer :-). Seitwärts gelesen ergab sich daraus ein Lächeln. Und auch eine weitere Figur skizzierte der Informatiker noch. Wenn am Ende eine öffnende Klammer verwendet würde, dann ergebe sich ein trauriges Gesicht :-(. Damit könne man ja diejenigen Posts kennzeichnen, die nicht als Witz gemeint seien.

Über E-Mails an Kollegen beim Massachusetts Institute of Technology bei Boston, der Stanford University und dem Xerox PARC Lab in Kalifornien hätten sich die Zeichen dann schnell unter den Informatikern in den ganzen USA verbreitet, so Fahlman. Damals sprach man übrigens von Emoticons, einem Wort gebildet aus Emotion und Icon. In den Folgejahren erreichten sie auch andere Länder außerhalb der USA. Mit dem Wachsen des Netzes verbreiteten sich auch die Zeichengesichter, sie waren einfach zu praktisch.

Heute werden die Zeichenkombinationen in den meisten Apps und Programmen in Grafiken umgewandelt. Dabei kommen im Normalfall gelbe Smileys zum Einsatz, die auf eine Idee des Werbegrafikers Harvey Ball zurückgehen. Er hatte schon Ende 1963 das markante Grinsegesicht entwickelt, als Motivationshilfe im Auftrag einer kleinen Versicherung. Ball hatte seine Entwicklung aber nicht rechtlich abgesichert, deswegen konnte sie später weltweit genutzt werden.

Weltweite Popularität auch durch Apple

Weltweit populär wurden die inzwischen als Emojis bekannten Grafiken ab dem Jahr 2008, als Apple sie in seinem iPhone einsetzte. Unter anderem eine Praktikantin namens Angela Guzman war damals mit dafür verantwortlich. Neben den Smileys verschiedenster Stimmungen kamen damals noch zahllose andere dazu, vom Verlobungsring bis zum, naja, Kothaufen.

Wir alle nutzen die Bildchen heute regelmäßig. Schon im Jahr 2015 bekamen sie sozusagen den Ritterschlag der Sprachwächter. Die britischen Oxford Dictionaries kürten das Grinsegesicht mit den aus den Augen spritzenden Freudentränen zum Wort des Jahres 2015. Emojis würden endgültig nicht mehr nur von Teenagern genutzt, sie hätten sich stattdessen zu einer Kommunikationsform entwickelt, die linguistische Grenzen überschreite.

Los damit ging es vor genau 40 Jahren. Und wenn es nach seinem Erfinder Fahlman geht, hat das Grinsegesicht noch eine lange Lebenszeit vor sich – und zwar am besten in der reinen Textversion: „Die drei Zeichen – Doppelpunkt, Strich, Klammer zu – sind so einfach und so universell wie es nur geht. Das Smiley ist kulturen- und sprachenübergreifend, gender-neutral, hat keine Hautfarbe, jeder auf der Welt weiß, was es bedeutet.“

In heutigen Nachrichten haben Emojis neben der Info, wie man etwas verstanden wissen möchte, noch weitere Aufgaben. Sie dienten regelmäßig als Satzzeichen, so Sprachwissenschaftlerin Erika Linz. Werde etwa statt eines Punktes ein Emoji getippt, „bekommt dieser eine expressive Bedeutung“. Außerdem sorgten die kleinen Zeichen für eine Ökonomisierung der Kommunikation. „Der Siegeszug der Emojis ist nicht aufzuhalten“, sagt die Expertin.

Er selbst, das hat Erfinder Fahlman zu Protokoll gegeben, nutze Smileys aber eher spärlich. Und er wäre eigentlich froh gewesen, wenn er mit seiner Forschung zu künstlicher Intelligenz Schlagzeilen gemacht hätte – und nicht mit einem spaßig gemeinten Gedanken, der ihn nur zehn Minuten Lebenszeit gekostet habe. „Es ist wirklich komisch, für so etwas berühmt zu sein.“

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