Studie zu Rückenschmerzen: Freiwillige gesucht

Fast jede und jeder von uns hat’s irgendwann mal im Kreuz. Doch Mediziner wissen, wie verblüffend schwer die Ursachensuche oft ist. Ein neues Projekt in Berlin soll nun helfen.

Frau mit Rückenschmerzen
Bildrechte: Colourbox.de

Die genauen Zahlen hängen von der Statistik ab, die man zugrunde legt. Aber zwischen 60 und 75 Prozent aller Deutschen berichten bei Befragungen davon, dass sie mindestens einmal im Jahr Rückenschmerzen haben. Geschätzt 38 Millionen Behandlungsfälle pro Jahr muss unser Gesundheitssystem nur wegen solcher Probleme bewältigen. Fast jeder zehnte Krankschreibungstag geht auf Rückenprobleme zurück. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. Ältere haben öfter unter entsprechenden Schmerzattacken zu leiden als jüngere – und in sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen treten Rückenschmerzen überproportional häufig auf.

Schmerzen ohne sichtbare organische Ursache

Forschende an der Charité in Berlin wollen den Ursachen für Rückenschmerzen nun deutlich besser als bisher auf die Spur kommen – auch um die Behandlung zu verbessern, wovon wir im Idealfall alle einmal profitieren können. „Was aktuell in Diagnostik und Therapie passiert, ist nicht unbedingt falsch“, sagt der Studienleiter Hendrik Schmidt. „Aber es reicht nicht. Wir wollen die Diagnostik verbessern, um in Zukunft individuellere Therapieempfehlungen geben zu können. Die aktuell empfohlenen Behandlungsmöglichkeiten haben zwar alle ihre Berechtigung. Wir müssen sie der jeweiligen Rückenschmerzursache nur besser zuordnen.“

Freiwillige gesucht

Ein Mix aus verschiedenen Faktoren sei für das individuelle Rückenleiden verantwortlich, so der Mediziner. Man versuche herauszufinden, auf welche Situation welche Heilmethode am besten passe. Das Team sucht insgesamt 3000 Freiwillige zwischen 18 und 64 Jahren für die Untersuchungen. Sie dürfen unter anderem keine Berufs-, Leistungs- und Spitzensportler sein, außerdem nicht übergewichtig oder schwanger. Die Tests dauern mindestens drei Stunden, über zwei Tage verteilt, und umfassen neben Gesprächen unter anderem eine Rückenformvermessung, eine Magnetresonanztomographie und eine Ganganalyse. Ein Teil der Probanden bekommt außerdem ein Technik zur Messung der Belastungen in einem 24-Stunden-Zeitraum.

Eines der ersten Ergebnisse verblüffte die Forschenden, so finden vor allem Rotationsbewegungen der Wirbelsäule im Alltag kaum statt - weder bei Rückenpatienten noch bei Gesunden. Welche Rolle das spielt, wird das Team noch herausfinden. Für alle vom Rückenschmerz Geplagten hat Mediziner Schmidt aber schon mal einen Tipp: Wenn’s im Kreuz zwickt, ist Bewegung wichtig. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Muskeln schmerzen, weil sie förmlich nach Bewegung schreien, ist groß.“ Der menschlichen Rücken sei ein Bewegungsorgan, dessen Strukturen auf Aktivität angewiesen seien, um gesund zu bleiben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 11. September 2022 | 08:40 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP