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Was hilft gegen Reisekrankheit?

16. Juli 2022, 10:57 Uhr

Das Kind auf der Rückbank sagt „Mir ist schlecht“ und eine hektische Parkplatzsuche beginnt. Reisekrankheit ist unschön, gerade jetzt zum Start in die Ferien. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt.

Habt ihr schon mal von der Krankheit Kinetose gehört? Wenn wir euch jetzt einen anderen, populäreren Namen für das Leiden nennen, dann werdet ihr sie bestimmt erkennen – es geht um die Reisekrankheit. Der Name kommt vom griechischen Wort „kinein“, das bedeutet „bewegen“.

Von der Krankheit sind laut Schätzungen fünf bis zehn Prozent der Menschen betroffen. Sie reagieren besonders stark auf schwankende Bewegungen während der Fahrt. Egal, ob im Auto, auf einem Schiff oder – oft etwas weniger problematisch – in einem Flugzeug. Frösteln, kalter Schweiß, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen gehören zu den häufigsten Symptomen. Jüngere Menschen, insbesondere Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, sowie Frauen gelten als anfälliger

„Wie die Kinetose genau entsteht, weiß kein Mensch“, so Reisemediziner Thomas Küpper von der Uniklinik der RWTH Aachen. Es gibt aber die sogenannte Störsignal-Theorie: Demnach wird uns übel, wenn die Wahrnehmung der Augen nicht mit den Signalen anderer Sinnesorgane zusammenpasst. Das kann zum Beispiel das Gleichgewichtsorgan im Ohr sein. „Durch einen Widerspruch zwischen der Bewegung, die das Gleichgewichtsorgan des Menschen wahrnimmt, und den Eindrücken der Augen wird der Körper offenbar überfordert“, heißt es bei der Techniker Krankenkasse

Ausrüstung für den Fall der Fälle bereithalten

Mit dem Ferienbeginn beginnt jetzt auch die Reisesaison wieder. Es stellt sich also dringend die Frage, was man gegen die Reisekrankheit tun kann. Niemand hat schließlich Lust, im Auto die Rückbank zu säubern, wenn etwas gehörig schiefgelaufen ist. Mal davon abgesehen ist es natürlich immer eine gute Idee, Tüten, Wechselkleidung und Feuchttücher für den Fall der Fälle griffbereit zu haben.

Eine wichtige Information kommt von Tomas Jelinek, dem Leiter des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin: „Der Magen ist nicht der Kern des Problems. Aber er muss es ausbaden.“ Denn die Bereiche unseres Gehirns, die sich mit den widersprüchlichen Sinneswahrnehmungen befassen müssen, liegen nahe am Brechzentrum.

Um Probleme zu vermeiden, sollte man das Wirrwarr der Wahrnehmungen möglichst vermeiden. Dazu sollte man auf dem Beifahrersitz oder der Rückbank einen unbewegten Punkt am Horizont fixieren und häufiger mal eine Pause an der frischen Luft machen – und frisch sollte die Luft wirklich sein. Penetrante Gerüche wie etwa von Essen oder Benzin können alles noch viel schlimmer machen.

Kontraproduktiv ist es auch während der Fahrt aufs Handy zu schauen oder zu lesen. „Die Informationen werden noch verwirrender, wenn die Augen Buchstaben oder einem Film folgen. Dann gibt es ein totales Durcheinander“, so Jelinek.

Nachtfahrt kann sinnvoll sein

Kinder kann man auch durch Spiele bei Laune halten: Von „Ich sehe was, was du nicht siehst“ bis hin zu „Wer entdeckt zuerst blaue Autos mit Kennzeichen aus Thüringen?“ – und auch Musik oder Hörbücher können ablenken. Manch einer schwört auch auf einen Sitzplatzwechsel auf den Mittelplatz hinten, weil man von dort aus durch die Frontscheibe schauen kann. Das hilft den gestressten Organen der Sinneswahrnehmung.

Ein weiterer, oft effektiver Tipp für die Autofahrt: nachts Strecke machen, wenn die potenziell Reisekranken schlummern. Die Probleme treten normalerweise nämlich nicht im Schlaf auf. Wenn man doch tagsüber fahren muss, kann die richtige Ernährung helfen: leichte und fettarme Ernährung vor und während der Fahrt gilt als sinnvoll, mithilfe von Ingwer soll sich sogar der Brechreiz verhindern lassen. Gar nicht zu essen, gilt dagegen als keine gute Idee: „Ein leerer Magen rebelliert bei der Reise genauso wie ein zu voller Magen“, heißt es dazu bei der AOK.

Welche Mittel helfen wirklich?

Gegen die Reisekrankheit gibt es auch Medikamente. Dabei wird häufig auf einen Wirkstoff aus der Gruppe der Antihistaminika gesetzt, die sonst etwa gegen Heuschnupfen gegeben werden. „Für kleine Kinder eignen sich vor allem Präparate mit dem Wirkstoff Diphenhydramin in Zäpfchen- oder Saftform, die vorbeugend eine halbe Stunde vor Reiseantritt verabreicht und im Normalfall gut vertragen werden“, sagt die Apothekerin Sigrun Stenz aus Leipzig. Der Wirkstoff Dimenhydrinat ist laut Stiftung Wahrentest dagegen nur eingeschränkt geeignet.

Bei Kindern sollte man mit Medizin ohnehin möglichst zurückhaltend sein. Hier könnte ein medizinischer Kaugummi helfen. Der kommt nur bei Bedarf zum Einsatz und wirkt sehr schnell. „Gerade auf Klassenfahrten ist es für die Kinder beruhigend zu wissen, dass sie für den Notfall etwas dabeihaben“, sagt Apothekerin Stenz. Auch Äpfel oder Möhren zu kauen, kann manchen Leuten helfen.

Für besonders schwere Fälle gibt es auch noch den Wirkstoff Scopolamin, der zum Beispiel in Form von Pflastern verabreicht wird. Der ist allerdings rezeptpflichtig und muss mit deutlichem Vorlauf angewendet werden. Interessant ist außerdem: Wer selbst am Steuer sitzt, erlebt meist keine Reiseübelkeit, „weil man sich auf eine Aufgabe konzentrieren muss“, so Experte Jelinek. Dadurch kann sich der Gleichgewichtssinn besser auf die Bewegungen einstellen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 16. Juli 2022 | 13:57 Uhr

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