Rauchen soll teurer werden. Hören dann mehr Menschen damit auf?

Ungefähr jeder dritte Mann und jede vierte bis fünfte Frau bei uns in der Region raucht – oft mehr oder weniger unfreiwillig, weil die Sucht zu stark ist. Könnten deutlich höhere Preise das ändern?

Weltnichtrauchertag
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„Ein leidenschaftlicher Raucher“, soll Winston Churchill einmal gesagt haben, „der immer von der Gefahr des Rauchens für die Gesundheit liest, hört in den meisten Fällen auf - zu lesen“. Der frühere britische Premierminister selbst rauchte ja gern Zigarre, wobei er zumindest in den späteren Jahren seines Lebens oft nur noch für Fotos mit seiner „Havanna“ posiert haben soll, ohne sie dann tatsächlich auch zu genießen. Denn so richtig gesundheitsfördernd ist das Rauchen ja nicht. Churchill hatte am Ende seines – ja durchaus langen – Lebens ziemliche Probleme.

„Die gesundheitlichen Vorteile eines Rauchstopps sind in jedem Alter immens“, heißt es beim Deutschen Krebsforschungszentrum. Wer aufhört zu rauchen, verlängert dadurch seine Lebenserwartung um durchschnittlich zehn Jahre. Schon nach wenigen Stunden nach dem Ende des Rauchens wird der Körper besser mit Sauerstoff versorgt, nach 24 Stunden verringert sich das Risiko von Herzanfällen, nach zwei bis drei Tagen kann man besser riechen und schmecken. Damit sich Kreislauf und Lungenfunktion verbessern, dauert es etwas länger. Aber nach und nach sinken auch die Risiken für Schlaganfall, Lungenkrebs und andere Krebserkrankungen. Und nebenbei: Auch das psychische Befinden bessert sich nach einem Rauchstopp.

Unfreiwillige Raucher

Aber wenn wir ehrlich sind: Ungefähr jeder Raucher weiß all das. Die Basis dafür, dauerhaft aufzuhören, ist das trotzdem in vielen Fällen nicht: Rund 34 Prozent der Männer in Sachsen-Anhalt rauchen (Thüringen: 32 Prozent, Sachsen: 30) und rund 23 Prozent der Frauen (Thüringen: 21 Prozent, Sachsen: 17).

„Wir wissen aus Befragungen, dass ungefähr zwei Drittel der Raucher unfreiwillige Raucher sind. Die wären froh, wenn sie nie begonnen hätten, wenn ihnen der Ausstieg gelingen würde“, sagt die Berliner Psychologin Karin Vitzthum, die das Institut für Tabakentwöhnung und Raucherprävention an der Vivantes Klinik Neukölln leitet. Nikotin sei als Suchtmittel so stark, dass es eigentlich keine gelegentliche Nutzung erlaube.

Aber eine andere Motivation gibt es gar nicht so selten: Die Leute hören auf, weil das Rauchen ihnen schlicht zu teuer ist. „Natürlich wäre es schön, sich das Geld zu sparen. Natürlich möchte man keinen Selbstmord auf Raten machen. Natürlich möchte man eigentlich nicht vor dem Enkelkind rauchen“, sagt Vitzthum. Und genau auf diesen Effekt hofft aktuell die Politik. Mal wieder, muss man sagen, denn es wäre ja längst nicht das erste Mal, das an der Preisschraube gedreht wird.

Jährliche Anstiege geplant

Das Bundesfinanzministerium hat aktuell einen Gesetzesentwurf erarbeitet. Darin steht, dass die Tabaksteuer auf Verbrennungszigaretten zwischen 2022 bis 2026 um etwa 8 Cent pro Packung und Jahr steigen könnte.

Ob es dazu kommt, wird man sehen müssen. Vielleicht wird die ganze Sache auch noch deutlich teurer. „Bisher ist nur eine moderate Erhöhung geplant - im Sinne des Gesundheitsschutzes können wir uns aber vorstellen, die Tabaksteuer auf Verbrennungszigaretten stärker zu erhöhen als bisher vorgesehen“, argumentiert der in der SPD-Bundestagsfraktion für das Thema zuständige Politiker Michael Schrodi. Und auch sein ebenso damit befasster Unionskollege Sebastian Brehm von der CSU hat sich ähnlich geäußert. Er sagt: „Ich könnte mir auch gut eine Erhöhung um 70 Cent je Schachtel über fünf Jahre vorstellen statt nur um 50 Cent.“

Am Ende wird die Politik folgende Fragen für sich beantworten müssen: Wie muss eine Steuererhöhung mindestens sein, wenn sie tatsächlich das Verhalten von Menschen beeinflussen soll? Und wie hoch darf sie höchstens ausfallen, wenn man ein Ausweichen der Raucher auf Schmuggelware und den Schwarzmarkt verhindern will? Und, um es noch komplizierter zu machen: Wenn man den Preis anhebt, in wie vielen Stufen macht man das eigentlich, damit kein Gewöhnungseffekt einsetzt?

Und was ist mit E-Zigaretten und Wasserpfeifentabak?

Mann exhaliert den Rauch einer e-Zigarette.
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Interessant wird auch die Frage, wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer steuerlich behandelt werden. Und hier unterscheiden sich die Vorstellungen von Union und SPD massiv. CDU und CSU wollen, dass E-Zigaretten – wegen ihrer angeblich besseren Gesundheitsbilanz – nicht so massiv besteuert werden. Schließlich nutzten viele Raucher genau diese Angebote, um von der klassischen Kippe loszukommen. Experten wie Tobias Rüther von der Tabakambulanz der Münchner Uniklinik bestätigt das. Für ihn sind E-Zigaretten und teilweise auch Tabakerhitzer eine „echte Alternative“ für Raucher - weil sie weniger Schadstoffe enthalten. Es mache daher Sinn, solche Produkte geringer zu besteuern als Tabakzigaretten.

Laut Zigarettenherstellern könnten die aktuellen Steuerpläne von Finanzminister Olaf Scholz aber dafür sorgen, dass sich der Preis für die Nutzung einer E-Zigarette, die sozusagen einer klassischen Zigarette entspricht, bis zum Jahr 2025 von 22 auf 57 Cent erhöhen könnte.

„Es gibt gesundheitspolitische Erwägungen, die dafür sprechen, dass wir jetzt nicht alles harmlos finden, was sich selber für harmlos deklariert“, hält Scholz dagegen. Wobei der Finanzminister quasi allein durch sein Amt durchaus Interesse an höheren Steuern hat, aus welchem Grund auch immer.

Apropos "höher besteuert": Mehr Geld könnte fällig werden für den in Shishas genutzten Wasserpfeifentabak. Hier wäre die Begründung, dass gerade junge Menschen über Shishabars an das Rauchen herangeführt werden. Höhere Steuern und damit auch höhere Preise seien für junge Leute abschreckend und ein Grund, gar nicht erst damit anzufangen, glaubt SPD-Mann Schrodi.

Vergleichbar sei das mit den sogenannten Alkopops. Damit diese süßen Drinks junge Menschen nicht an den Alkoholkonsum gewöhnen, wurde vor Jahren eine Sondersteuer eingeführt. Und zumindest aus Schrodis Sicht, hat sie gewirkt: Alkopops seien nicht mehr so verbreitet wie vor 20 Jahren.

Wie es mit der Tabaksteuer weitergehen wird, was man in zwei Jahrzehnten die aktuellen Reformdiskussionen sagen wird? Keine Ahnung! Jetzt wird in Berlin erstmal weiterverhandelt. Das Gesetz soll in der vorletzten Sitzungswoche des Bundestags im Juni verabschiedet werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 19. Mai 2021 | 14:00 Uhr

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