"Buy now, pay later" - Cooles Kauftool oder Kreditfalle?

Heute kaufen - später zahlen, und das dann noch in kleinen Raten?
Das klingt verlockend. Dienstleister wie Klarna, Paypal und Amazon machen so das Shoppen leicht aber auch zur Schuldenfalle.

Ein Arbeitsplatz mit Laptop, eine Hand trägt etwas in ein Notizbuch ein.
Bildrechte: IMAGO/Westend61

Keine Hemmung – einfach kaufen

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist Onlineshopping auch bei den letzten Zweiflern hoffähig. Haben vor fünf, sechs Jahren die meisten Käufer dabei noch per Rechnung oder Vorkasse bezahlt, nimmt mittlerweile fast die Hälfte einen Zahlungsdienstleister wie Klarna oder Paypal in Anspruch. Vorteil: Die Dienstleister zahlen sofort das Produkt beim Händler, der liefert und um die Zahlungsmodalitäten kümmert man sich in aller Ruhe. Klarna bewirbt das so:

„Bequem einkaufen. Smooth zahlen“

Buy now – pay later, das ist ja noch leichter! Aber:   

Symbolbild: Online-Shopping
Bildrechte: xblickwinkel/McPHOTO/M. Gann

Um es uns Kunden einfacher zu machen, können wir auch ganz bequem in Raten zahlen. Das kann man online vereinbaren. Bei Klarna aber auch ganz schnell und fast nebenbei per App. Das hat viele Vorteile: Man kann kaufen, obwohl man nicht ganz flüssig ist. Man muss kein umständliches Finanzierungsgespräch mit einem Mitarbeiter führen und dabei seine Finanzverhältnisse offenlegen. Die Ware wird schnell geliefert. Man muss sein Konto nicht auf einmal leermachen. Dabei prüfen die Anbieter laut eigenen Angaben durchaus auch mal die Bonität ihrer Kunden, wie oft und wie genau das geschieht, darüber gibt es keine Auskünfte. Problem: Gerade wer merkt, dass er sich mit einem Kauf auf Rechnung finanziell vielleicht ein bisschen übernommen hat, kann ganz einfach auf Ratenkauf umsteigen, obwohl er das ursprünglich gar nicht vorhatte. So warnt Josefine Lietzau vom Portal-Finanztip:

Man klickt einmal drauf, Bonität wird überprüft- und schon hat man die Ratenzahlung. Es ist sehr niedrigschwellig. Menschen, die nicht so gut damit umgehen können, kommen so eher in Bedrängnis.

Und nun bezahlt man einen Kredit ab   

Denn praktisch passiert genau das. Unter Umständen nicht nur bei einem Kauf, sondern, gerade vor großen Feiertagen, gleich bei mehreren Produkten. Das Problem: Manchmal verlangen die Dienstleister für den Ratenkauf zunächst keine Zinsen. Das ist aber oft zeitlich begrenzt, danach werden bis zu 11 Prozent und mehr fällig. Die Spielkonsole für 500 Euro kann so schnell  über 560 Euro kosten. Und weil es so leicht ist, können gerade Menschen, die vielleicht nicht den ganz großen Durchblick in Sachen Finanzgeschäfte haben, schnell in die Schuldenfalle geraten.   

Ratenkauf nur für größere Anschaffungen und wenn man die Kontrolle hat

Online-Shop wirbt mit Nachlässen
Bildrechte: imago images / Panthermedia / Andrey Popov

Finanzexperten raten deshalb, immer die Übersicht zu behalten: Was nehme ich ein? Wieviel Geld habe ich noch? Was geht regelmäßig weg? Was kann ich mir wirklich leisten?   Ratenkäufe sollten auch nicht für alltägliche Produkte wie Kleidung verwendet werden, man gewöhnt sich schnell an diese Art des Kaufens. Bei teureren Anschaffungen, die langfristig geplant und bezahlt werden, können sie hingegen Sinn ergeben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Bei der Arbeit | 10. Juni 2022 | 11:37 Uhr

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