Gesetz gegen Raserei: Keine PS-starken Mietwagen mehr für Fahranfänger?

Leere Straßen, Langeweile: Als Begleiterscheinung der Corona-Pandemie haben offenbar illegale Autorennen zugenommen. Mit einem Gesetz sollen junge Fahranfänger am Rasen mit Sportwagen gehindert werden.

Heilbronn, November 2020: Ein Audi fährt frontal an einen Baum, nachdem sich die Fahrerin mit einem SUV ein Rennen geliefert haben soll.
Bildrechte: IMAGO / Einsatz-Report24 / Michael Port

Zwei Autos rasen mit laut heulendem Motor Seite an Seite über die Landstraße oder durch die Straßenschluchten der Großstadt: Für die Fahrer ist das Nervenkitzel pur. Für andere Verkehrsteilnehmer können solche illegale Autorennen dagegen tödlich enden. In Leipzig wurde im letzten Sommer eine Frau mit ihrem Auto von einem Raser erfasst und schwer verletzt. In Dresden starb ein Kind, das bei einem mutmaßlichen Rennen angefahren wurde. In Halle wurde in der Vorweihnachtszeit 2019 die Mutter von drei Söhnen von einem Raser angefahren und getötet.

Keine PS-starken Autos mehr für Fahranfänger

In der Corona-Pandemie hat die Zahl illegaler Autorennen und auch der Todesopfer offenbar zugenommen: Entsprechende Zahlen melden etwa Städte in Bayern, in Baden-Württemberg und Berlin. Die Hauptstadt will daher den Kampf gegen Raser auf den Straßen jetzt verstärken. Junge Fahranfänger sollen bald keine Autos mehr mieten dürfen, die vergleichsweise starke Motoren haben. Das ist aus Sicht des Justizsenators Dirk Behrendt (Grüne)eine Möglichkeit, die Autorennen etwas einzudämmen. In Berlin würden meist sehr junge Fahrer Autos übers Wochenende mieten. Das solle ein Gesetz verhindern. Die entsprechende Bundesratsinitiative soll noch vor der Sommerpause eingebracht werden, so Dirk Behrendt:

Ich bin nicht bereit, dass die Stadt zur Rennstrecke verkommt.

Welche PS-Obergrenze und welche Altersbeschränkung gelten sollen, welche Strafen Autovermietern bei Verstößen drohen: All das ist noch offen. Laut Dirk Behrendt gelten Wagen mit 150 PS inzwischen nicht mehr als hochmotorisiert. Dieter Müller ist Professor für Verkehrsstrafrecht an der Polizeihochschule in Bautzen und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit illegalen Autorennen. Er hält die angedachte Regelung für Vermieter für eine gute Idee und sagte MDR JUMP:

Bei Motorrädern gibt es ja auch einen Stufenführerschein. Da machen Fahrer erst mal Erfahrungen mit einem Motorrad mit nicht so viel PS. Und wenn man keinen Unfall gebaut hat und nicht auffällig war, bekommt man den Führerschein für das stärkere Motorrad.

Eine ähnliche Regelung für Autos fordere die Verkehrsforschung schon seit langem. Aus seiner Sicht könnten noch andere Strategien helfen, junge Autofahrer vom illegalen Rasen abzuhalten. Leider gebe es noch zu wenige entsprechende Präventionsprojekte in Deutschland:

Zum Beispiel hat sich da ein Veranstalter kundig gemacht. Der mietet privat Flugplätze und veranstaltet dann so Privatrennen im größeren Stil. Da kann man sich dann ganz legal anmelden und kann dann Viertelmeilenrennen fahren. Alles unter Kontrolle.

So etwas könnte punktuell wirken und junge Autofahrer davon abhalten, auf öffentlichen Straßen zu rasen.

Offen, ob härtere Gesetze Raser abschrecken

Die bundesweiten Zahlen zu illegalen Autorennen und Opfern stammen noch aus den Zeiten vor Corona: Danach hat sich die Zahl der Ermittlungen von 2018 zu 2019 von 1.000 auf fast 2.000 Fälle verdoppelt. In Sachsen haben sich die Zahlen nach Informationen des MDR-Nachrichtenmagazins Exakt sogar vervierfacht: 2018 waren es noch 21 polizeilich registrierte Fälle. 2019 wurden in 92 Fällen die Ermittlungen aufgenommen. Der Gesetzgeber hat mit verschärften Regeln allein das Problem offenbar nicht lösen können: Seit 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat. Teilnehmer und auch Veranstalter können mit Freiheitsstrafen bis zwei Jahren bestraft werden. Wer dabei einen anderen Menschen tötet, kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden.  

Mit Material von MDR Exakt und der Nachrichtenagentur dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 26. Mai 2021 | 19:40 Uhr

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