Wildunfälle vermeiden: Was ist zu beachten, wenn es doch passiert ist?

Wildunfälle zählen zu den häufigsten Unfällen im Straßenverkehr. Nahezu jeder Autofahrer hat so eine Situation schon erlebt, wenn plötzlich am Straßenrand ein Reh oder anderes Wildtier auftaucht und über die Straße springt. Wie man der Gefahr vorbeugen kann und was zu tun ist, wenn es zu einem Wildunfall gekommen ist, das klären wir jetzt.

Wann ist besondere Vorsicht geboten?

Wildunfälle können grundsätzlich jederzeit und überall passieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch in den frühen Morgen- und Abendstunden, wenn es noch dämmrig ist. Die Tiere sind zu diesen Tageszeiten auf Nahrungssuche. Aber auch nachts können Rehe, Wildschweine und Füchse unterwegs sein. An Feldern entlang und durch den Wald ist die Wahrscheinlichkeit, dass Tiere die Straße kreuzen ohnehin sehr hoch. Deshalb gilt: Möglichst langsam fahren, vor allem, wenn durch Straßenschilder ausdrücklich vor Wildwechsel gewarnt wird.

Wie verhindere ich einen Wildunfall?

Taucht am Straßenrand ein Reh oder anderes Wildtier auf gilt: Bremsen, Abblenden, hupen, Lenkrad festhalten und auf gar keinen Fall unkontrolliert ausweichen. Wildtiere sind selten alleine unterwegs. Deshalb sollte man vorsichtig weiterfahren. Wildunfälle werden häufig unterschätzt. Ab Tempo 80 wird es sogar richtig gefährlich. Ein kleines Beispiel: Ein 20 Kilogramm leichtes Reh besitzt bei einer Kollision bei Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von einer knappen halben Tonne.

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Wie verhalte ich mich bei einem Zusammenstoß richtig?

Ist ein Zusammenstoß unvermeidbar, dann sollte man nicht unkontrolliert ausweichen. Ein kotrollierter Aufprall geht meist glimpflicher aus als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver. Unfälle mit Personenschäden entstehen oft durch riskante Ausweichmanöver mit einer Gefährdung des Gegenverkehrs, nicht wenige enden am Baum.

Was ist nach einem Wildunfall zu tun?

  1. Unfallstelle sichern: Warnweste anlegen, Warnblinker an, Warndreieck aufstellen.
  2. Bei Personenschäden: Erste Hilfe leisten und Notruf (112) wählen
  3. Aufgrund der Infektionsgefahr niemals tote Tiere ohne Handschuhe anfassen und zu lebenden Tieren Abstand halten.
  4. Jäger oder Polizei (110) kontaktieren und Standort melden. Für die Versicherung Wildunfallbescheinigung ausstellen lassen.

Auf gar keinen Fall….

  • Sollte das Wild mitgenommen werden, das fällt nämlich unter Wilderei und ist strafbar
  • Sollte man einem geflüchteten Tier folgen – stattdessen in der Unfallmeldung die Fluchtrichtung mitteilen, so kann der Jäger das verletzte Tier leichter finden
  • Sollte man einfach weiterfahren: Auch nicht, wenn am Auto keine Schäden sind und das Tier geflüchtet ist. Das verstößt gegen das Tierschutzgesetz und ist obendrein Fahrerflucht

Wie kann ich helfen die Straßen für Menschen und Tiere sicherer zu machen?

Insgesamt ermittelt der Deutsche Jagdverband jährlich zwischen 200.000 und 250.000 Kollisionen mit Hirsch, Wildschwein oder Reh. Die Dunkelziffer liegt jedoch vermutlich 5-mal so hoch. Bis heute gibt es in Deutschland keine bundesweite Erfassung von Wildunfällen. Um Konfliktstellen im Straßennetz zu entschärfen, arbeiten einige Bundesländer an der Erstellung von Wildwegeplänen. Unterstützt wird das durch die kostenlose Tierfund-Kataster-App. Die gibt es für das iPhone und Android-Geräte. Darüber kann man Wildunfälle erfassen und tote Tiere melden. So können Unfallschwerpunkte entdeckt und im zweiten Schritt entschärft werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. November 2021 | 11:45 Uhr

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