Wege aus der Sucht

Stand: 29. März 2022, 02:10 Uhr

Sucht ist die Abhängigkeit von einer Substanz oder einem Verhalten. Dabei kann es sich um den Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen handeln, aber auch Spiel-, Esssucht oder pathologische Internetnutzung gehören dazu.

Entscheidend bei der Sucht ist, dass Betroffene kaum oder keine Kontrolle über ihr Verhalten haben. Man spürt einen starken Wunsch oder Zwang, etwas bestimmtes zu konsumieren, auch wenn es schädlich ist.

Das sind die Suchtkriterien der WHO:

  • Starkes, unstillbares Verlangen
  • weiterer Konsum, trotz negativer Folgen
  • Interessensverlust
  • Kontrollverlust
  • Toleranzentwicklung (Gewöhnung und dadurch Dosissteigerung)
  • Entzugserscheinungen

Die Diagnose Abhängigkeit wird gestellt, wenn in den letzten 12 Monaten mindestens drei dieser Kriterien zutrafen.

Suchtsituation in Deutschland

Welche Drogen und Suchtmittel von Erwachsenen (18 – 64 Jahre) in Deutschland konsumiert werden, erfasst der Epidemiologische Suchtsurvey, der in regelmäßigen Abständen herausgegeben wird. Die letzte Untersuchung stammt aus dem Jahr 2018 und zeigt folgendes:

  • 12 Millionen Menschen rauchen
  • 1,6 Millionen sind alkoholabhängig
  • geschätzt werden 2,3 Millionen Medikamentenabhängige
  • 600.000 Menschen haben einen problematischen Konsum von Cannabis und anderen illegalen Drogen
  • 500.000 Menschen zeigen ein krankhaftes Glücksspielverhalten
  • eine exzessive Internetnutzung wird bei 560.000 Nutzern vermutet

Wie entsteht eine Sucht?

Sucht auslösende Mittel wirken auf das Belohnungszentrum und lösen dort positive Gefühle aus. Das kann beispielsweise bei einem harmlosen Bier zum Feierabend beginnen und im Alkoholmissbrauch enden. Entscheidend ist, dass sich der Körper an die Droge gewöhnt und immer größere Mengen braucht, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Mit zunehmendem Konsum verändern sich die Gehirnstrukturen und es bildet sich ein Suchtgedächtnis. Das Gehirn „lernt“, dass man sich z.B. beim Alkohol trinken entspannt. Es entstehen mehr Nervenzellen, die auf Alkohol ansprechen. Das führt dazu, dass ein alkoholkranker Mensch auch nach langer Abstinenz schnell rückfällig werden kann. Warum Menschen unterschiedlich anfällig für Süchte sind, kann genetisch begründet sein oder am familiären oder sozialen Umfeld liegen

So kann die Sucht bewältigt werden

Der Weg aus der Sucht ist hart und selten allein zu schaffen. Oft ist er mit Scham und Angst behaftet und erfordert Geduld und Durchhaltevermögen. Dies können die ersten Schritte sein:

  • Konsum kritisch hinterfragen

Die Erkenntnis, dass man in einer Abhängigkeit steckt, kommt oft langsam und schleichend. Lange will man es nicht wahrhaben. Oft sind es Freunde, Bekannte oder die Familie, die einen darauf ansprechen. Manchmal treten auch gesundheitliche Probleme aufgrund des Missbrauchs auf.

Fragen zur Orientierung können sein:

Konsumiere ich allein oder in Gesellschaft?
Nehme ich die Droge täglich / zu bestimmten Tageszeiten / Anlässen?
Orientiert sich mein Tagesablauf am Konsum der Droge?
In welcher Dosis konsumiere ich?
Wie lange geht der Konsum schon?

  • Abhängigkeit eingestehen

Wer bei sich Suchtmerkmale feststellt, sollte sich umgehend eingestehen, dass er Hilfe braucht. Eine nicht behandelte Suchterkrankung endet in der Regel tödlich und verkürzt das Leben deutlich. Süchte wie Alkoholabhängigkeit, Medikamentenmissbrauch und Drogensucht werden als Krankheiten anerkannt und behandelt.

  • Realistische Ziele setzen

Ob Abstinenz, kontrollierter Konsum oder Entzug mit Ersatzstoffen – es ist wichtig, sich ein klares Ziel zu setzen, auf das man hinarbeitet. Manche Süchte, z.B. Alkoholabhängigkeit, sind nur mit völliger Abstinenz zu bewältigen. Wer aber beispielsweise nach Opiaten süchtig ist, schafft den Entzug besser mit Ersatzstoffen, wie Methadon, was die Entzugserscheinungen lindert. Bei Ess- oder Internetsucht ist wiederum ein kontrollierter Konsum anzustreben.

  • Professionelle Hilfe suchen

Erste Ansprechpartner, die bei einer Suchterkrankung helfen können, sind der Hausarzt oder die Hausärztin, bzw. Fachärzte für Psychologie und Psychotherapie. Auch Beratungsstellen informieren über das weitere Vorgehen. Das geht auch anonym. Liegt eine körperliche Sucht vor, beginnt man zunächst mit der Entgiftung, anschließend folgt die Entwöhnung. Handelt es sich um eine psychische Abhängigkeit, reicht meist eine Entwöhnung. Dazu begibt man sich in stationäre oder ambulante Therapie.

Meist hilft nur eine Therapie

Ohne Therapie sind die meisten Süchte nicht überwindbar. Wenn man sich für eine Therapie entschieden hat, erstellt der Arzt oder die Beratungsstelle ein Gutachten. Darin wird die Notwendigkeit der Therapie dargestellt. Weiterhin muss der Suchtkranke eine Freiwilligkeitserklärung abgeben, also bestätigen, dass er sich ohne äußeren Zwang für eine Therapie entschieden hat, sowie einen Sozialbericht der Suchtberatungsstelle. Nur wenn alle Unterlagen vorliegen, übernimmt die Kranken- oder Rentenversicherung die Kosten für eine Therapie.

Wo, wie lange und welche Art der Therapie man macht, hängt von der Schwere der Sucht ab und von der Verfassung des Erkrankten. Manchmal ist es besser einen Therapieplatz in der Nähe der Familie zu haben. In anderen Fällen ist die Nähe zum vertrauten Umfeld eher hinderlich. Die Therapiedauer kann im Zweifel angepasst werden und auch die Art der Therapie kann man selbst bestimmen: stationär, teilstationär oder ambulant.

So läuft eine Therapie ab

Bei einer stoffgebundenen Sucht (Alkohol, Drogen, Medikamente, etc.) wird zunächst der Körper entgiftet. Dabei wird die Dosis nach und nach reduziert. Die Entgiftung dauert mehrere Wochen, abhängig von Art und Stärke der Sucht. In dieser Phase wird man von Psychotherapeuten, Sozialpädagogen und Ärzten begleitet. Zudem gibt es Sportangebote und Gruppensitzungen.

Anschließend folgt die Entwöhnungstherapie. Hier wird nach Gründen, Entstehung und Aufrechterhaltung der Sucht geforscht. Gleichzeitig lernen die Patienten, wie sie künftig ihr Leben ohne die Sucht bewältigen: mit Entspannungsverfahren, Stressbewältigungstraining, Stärkung der Selbsteinschätzung, usw. Auch Begleiterkrankungen wie Depression oder Angststörungen werden behandelt. Die Entwöhnung dauert mehrere Monate und wird oft in Tageskliniken durchgeführt.

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Dieses Thema im ProgrammMDR JUMP bei der Arbeit | 29. März 2022 | 11:45 Uhr

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