Selbstbräuner: Wie gesund ist der Teint ohne Sonne?

Wer zu viel Sonne meiden möchte und trotzdem nicht auf einen gesunden Teint verzichten will, wird in der Kosmetikabteilung schnell fündig. Selbstbräunungscremes verhelfen bei korrekter Anwendung zu einer natürlich wirkenden Bräune. Welcher Selbstbräuner taugt aber wirklich als Alternative zum Sonnenbad? Nicht jeder ist gesundheitlich unbedenklich. Das Verbrauchermagazin Ökotest hat derzeit erhältliche Produkte auf deren Inhaltsstoffe hin untersucht.

Wirkstoff

Die künstliche Bräune entsteht durch den Wirkstoff Dihydroxyaceton (DHA). Dieser ist Bestandteil der Cremes aus der Tube, aber auch des Sprühnebels, den man sich zum Beispiel in Solarien auftragen lassen kann. In niedriger Konzentration kommt er auch in anderen Kosmetika vor, wie etwa in Feuchtigkeitscremes, die eine Bräunung als Zusatzeffekt in Aussicht stellen. Aufgetragen auf die Haut reagiert der Stoff mit den Proteinen im Schweiß und der obersten Hautschicht und bildet braune Pigmente. Laut Bundesamt für Risikobewertung kommt es jedoch durch Wärmewirkung zu einem Zerfall des DHA-Moleküls und zum Herauslösen von Formaldehyd. Formaldehyd rechnet die EU zu den krebsverdächtigen Substanzen. Seit 2019 ist der Einsatz von Formaldehyd in Kosmetika EU-weit verboten. Bildet sich der Stoff allerdings ungewollt, wie zum Beispiel bei DHA durch zu lange und zu warme Lagerung, gilt kein Verbot. Erst wenn die Konzentration einen bestimmten Wert übersteigt, muss der Hersteller den Hinweis „Enthält Formaldehyd“ auf die Verpackung drucken.

Testergebnisse

Öko-Test wollte genau wissen, wie Hersteller von Bräunungscremes das Problem kontrollieren und hat 18 Selbstbräuner im Labor untersuchen lassen. Die Tester prüften die Produkte auf die bekannten Bräunungswirkstoffe und auf Formaldehyd. Außerdem suchten sie nach weiteren umstrittenen Substanzen wie etwa Duftstoffen, die in Verdacht stehen, Allergien auszulösen oder sogenannten PEG-Derivaten, die die Aufnahme möglicher Giftstoffen über die Haut begünstigen. Bedenkliche Mengen an problematischen Stoffen führten zu Notenabzug. Das Ergebnis: nur drei Selbstbräuner kann Ökotest empfehlen. Lediglich ein Produkt bekam die Bestnote. Mehr als zwei Drittel der Selbstbräuner fielen durch. Auch Naturkosmetik-Produkte bekamen nur die Note „mangelhaft“ oder gar „ungenügend“. Den kritischen Formaldehyd-Wert hat zwar keiner der Selbstbräuner überschritten, aber der umstrittene Stoff wurde immerhin in acht Produkten nachgewiesen. Auch allergieauslösende Duftstoffe, schwer abbaubare synthetische Polymere sowie Silikone, die im Verdacht stehen, die Fortpflanzungsfähigkeit zu gefährden wurden bei den Tests entdeckt. Insgesamt kein gutes Ergebnis, so Ökotest:

Damit hat die Kosmetikindustrie nichts dazu gelernt. Dieser Test fiel ebenso schlecht aus wie unsere Selbstbräuner-Tests in der Vergangenheit.

Selbstbräuner auftragen

Eine Frau lässt sich Selbstbräuner in einem Kosmetikstudio auf die Haut sprühen
Bildrechte: imago/Panthermedia

Ob Creme, Spray, Lotion oder Mousse – wichtig ist es, den Selbstbräuner gleichmäßig aufzutragen. Dazu mit kreisenden Bewegungen das Produkt sanft und gleichmäßig auf die Haut auftragen. Nicht zu intensiv reiben oder gar einmassieren – das kann Streifen geben. Knie und Ellenbogen färben sich wegen der Hornhaut intensiver. Hier solltest du vorher mit einem Peeling ran, damit es keine dunklen Stellen gibt. Außerdem solltest du vor allem in diesen Regionen sparsam mit Selbstbräuner umgehen. Nach dem Auftragen braucht der Selbstbräuner eine Weile zum Einziehen. Man sollte daher wirklich etwas abwarten, bevor man sich anzieht, ansonsten kann es unschöne Flecken geben.

Wie lange hält Selbstbräuner?

Selbstbräuner geht eine Verbindung mit der obersten Hautschicht ein und die nutzt sich relativ schnell ab. Nach maximal sieben Tagen ist die schöne Bräune dahin und musst nachcremen. Lange heiße Bäder, Peelings oder ordentliches Trockenrubbeln mit dem Handtuch beschleunigen den Prozess.

Wenn was schief geht – Selbstbräuner entfernen

Wer die künstliche Bräune wieder loswerden will, kann verschiedene Dinge ausprobieren: schrubben bis Haut krebsrot ist, musst du nicht. Ein normales Körperpeeling, Abreiben mit Zitronensaft oder Öl sowie ein Bad helfen dir, deinen natürlichen Hautton zurückzubekommen.

Fazit

Selbstbräuner kann dir ganzjährig ein gewisses Urlaubsfeeling bescheren oder dich am Strand nicht ganz so blass aussehen lassen. Doch bei der Auswahl eines Produkts solltest du genau auf die Inhaltsstoffe achten. Eine Vielzahl von Selbstbräunern kann für den Anwender aufgrund bedenklicher Inhaltsstoffe eine Gesundheitsgefahr darstellen. Besonders kritisch sehen Experten den Stoff Formaldehyd, der in vielen Produkten unter Einfluss von Wärme oder durch zu lange Lagerung entstehen kann. Dieser steht im Verdacht, ein Krebsauslöser zu sein. Der Preis hilft grundsätzlich nicht bei der Orientierung: Sowohl teure als auch günstige Produkte zeigen Defizite. Wer Selbstbräuner nutzen möchte, sollte darauf achten, diese immer kühl zu lagern und schnell zu verbrauchen. Darüber hinaus sollte man wissen, dass Selbstbräuner den Sonnenschutz für die Haut nicht ersetzen kann.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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