Schäden durch Haustiere – Wer kommt dafür auf?

Der Hund rennt beim Gassigehen einen Radfahrer um. Dabei werden Kleidung und Fahrrad beschädigt. Die Katze hinterlässt Krallenspuren am Türrahmen. Der Hamster knabbert die Fußleisten in der Mietwohnung an. Haustiere können sehr kostspielige Schäden verursachen. Für diese Ernstfälle sollten die Besitzer gut abgesichert sein.

Bei kleinen Haustieren und manchen Exoten springt die private Haftpflicht ein

Hamster, Ratten, Fische, Vögel oder Katzen: Schäden durch diese Tiere sind in der Regel durch die private Haftpflichtversicherung abgedeckt, die immerhin neun von zehn Deutschen haben. Ralph Wefer vom Vergleichsportal Verivox sagt:

Ralph Wefer Sive Evermann vom Vergleichsportal Verivox
Bildrechte: Verivox

Bei vielen Tarifen sind sogar die Schäden durch Bienen mit drin, wenn die jemand an seinem Haus hält. Wenn diese Bienen jemand stechen und der reagiert allergisch, dann greift auch da die private Haftpflicht.

Manche Versicherer wollen in der Privathaftpflicht auch die Schäden durch so genannte „wilde Tiere" übernehmen. Dazu zählen Schlangen, Spinnen und Skorpione.

Dann wird beispielsweise die Suche nach diesen Tieren übernommen, wenn diese mal ausgebüxt sind. Übernommen werden dann häufig bis 10.000 Euro Schadenssumme. Viele Normaltarife, viele günstige Tarife schließen allerdings diese Tiere aus. Da lohnt es sich, nochmal Kontakt mit dem Versicherer aufzunehmen, bevor man sich einen Exoten anschafft.

Das empfiehlt auch der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (kurz: GDV). Sonst müssen Besitzer von Exoten eventuell selbst zahlen, wenn beispielsweise eine Schlange oder ein Skorpion andere Menschen verletzt.

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Haustier in der Mietwohnung

Gute private Haftpflichtversicherungen gibt es bereits ab 60 Euro im Jahr. In den meisten Tarifen werden auch Schäden übernommen, die kleinere Haustiere wie Katzen, Vögel oder Hamster in Mietwohnungen anrichten.

Wir empfehlen nachzusehen, ob Mietsachschäden bis 100.000 Euro abgedeckt sind. Diese Deckungssumme ist übrigens die grundsätzliche Empfehlung für Mietsachschäden, nicht nur für die durch Haustiere verursachten.

Die private Haftpflicht dürfte auch in den Fällen zahlen, in denen der Vermieter das Halten von bestimmten Haustieren untersagt hat. Unser Experte sagt dazu etwas vorsichtiger:

Da muss man ja überlegen, wie die Schadensmeldung an den Haftpflichtversicherer abläuft. Den interessiert in der Regel nicht, welche privatrechtliche Vereinbarung sie mit dem Vermieter haben. Die bewertet den Schaden anhand der Fotos, die sie als Mieter hinschicken und reguliert danach.

Kleintiere sind aus Sicht von Mietrechtsexperten grundsätzlich immer auch in Mietwohnungen erlaubt. Für Schäden an den eigenen Möbeln, am Laptop oder Fernseher zahlt die private Haftpflicht übrigens nicht. Sie übernimmt vereinfacht immer nur Schäden, die Versicherte „anderen“ zufügen.

Hundehalterhaftpflicht ist in einigen Bundesländern vorgeschrieben

In Thüringen und Sachsen-Anhalt müssen Hundehalter eine Versicherung abschließen, die Schäden durch ihre Tiere abdeckt. In Sachsen gilt diese Pflicht nur für Halter von gefährlichen Tieren oder auch „Listenhunden. Auch unser Experte empfiehlt die Absicherung:

Auch das liebste Tier kann einen Schaden verursachen, sogar wenn es schläft. Wenn ihr Hund schläft und jemand fällt über das Tier und bricht sich ein Bein, dann haften sie dafür. Das nennt sich Gefährderhaftung und die gilt unabhängig von ihrem Verschulden oder vom Verschulden des Hundes.

Laut GDV leben rund neun Millionen Hunde in Deutschland. Doch nur für drei Millionen Tiere wurde eine entsprechende Versicherung abgeschlossen.

Wenn sich ihr Hund losreißt, auf die Straße läuft und einen Unfall verursacht, kann es richtig teuer werden. Personenschaden, Behandlungskosten, Schmerzensgeld und Verdienstausfall – das geht schnell in die Millionen. Und für diese Schäden haften Hundehalter mit ihrem Vermögen.

So ein vom eigenen Hund verursachter Schaden kann dann existenzbedrohend sein. Unser Experte rät zu Versicherungen mit einer Deckungssumme bis fünf Millionen Euro. Solche Policen kosten pro Jahr ab 40 bis 50 Euro aufwärts. Vergleichen lohnt sich hier, denn die Preisspanne ist große. Teure Versicherungen mit ähnlichen Leistungen kosten 110 bis 120 Euro im Jahr.

Leinenzwang sollte beachtet werden

Eine Hundehalterhaftpflicht springt auch in den Fällen ein, in denen der männliche Hund ungewollt eine fremde Hündin deckt.

Das können die Kosten für eine Abtreibung sein oder für die Versorgung des Wurfs. Und auch wenn die Hündin in der Folge für die Zucht ausfällt, übernimmt das die Hundehalterhaftpflicht.

Die wehre übrigens auch unberechtigte Forderungen gegen den Hundebesitzer ab, sagt unser Experte. Herrchen oder Frauchen haben dann so etwas wie eine Rechtsschutzversicherung für das Tier. Hundehalter sollten aber beachten, dass ihre Versicherung in manchen Fällen auch die Übernahme von Schäden verweigern kann.

Wenn die Leinenpflicht für den Hund angeordnet ist, muss man sich dranhalten. Macht man das nicht und der Hund verursacht einen Schaden, muss die Versicherung nicht einspringen. Und wird das gegebenenfalls auch nicht tun.

Hat eine Gemeinde oder Stadt also die Leine für ein bestimmtes Gebiet vorgeschrieben, sollten Hundebesitzer die auch besser nutzen. Im Ernstfall haben sie sonst keinen Versicherungsschutz.

Sinnvolle Absicherung: Haftpflicht für Pferdehalter

Ab 75 Euro im Jahr gibt es die Pferdehaftpflicht. Die ist keine Pflicht, aber aus Sicht unseres Experten genauso sinnvoll wie die Haftpflicht für Hundehalter. Erschrecken Pferde und reißen sich los, können die großen Tiere auf ihrer Flucht Menschen verletzen und große Schäden anrichten. Für die muss der Tierhalter aufkommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der etwas für die Flucht des Pferdes kann, so der GDV. Verivox-Experte Ralph Wefer rät auch bei diesen Policen, das Kleingedruckte genau zu lesen:

Wer eine Reitbeteiligung für sein Tier hat, sollte schauen, ob die Versicherung auch bei anderen Reitern greift. Das ist ja in der Regel ein genau definierter Personenkreis, ein bis zwei Personen.

Die melden Pferdehalter am besten ihrer Versicherung, damit der Schutz auch für sie gilt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. November 2021 | 11:45 Uhr

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