Wie kommen Hund und Baby von vornherein miteinander klar?

Hund oder Katze gehören schon fest zur Familie und dann kommt noch ein kleiner Mensch dazu. Werdende Eltern können dafür sorgen, dass sich alle gut aneinander gewöhnen. Dann stehen die Chancen gut, dass kleine Kinder und „ihr“ Haustier dicke Freunde werden.

Wie kann ich mein Haustier auf ein Baby vorbereiten?

Viele Tiere spüren die anstehende große Veränderung in der Familie schon zeitig. Haustierbesitzer können die Monate der Schwangerschaft nutzen, um Hund oder Katze langsam auf anstehende Veränderungen im Alltag vorzubereiten. Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund sagt:

Hester Pommerening
Bildrechte: Deutscher Tierschutzbund

Da kann man beispielsweise dafür sorgen, dass nach der Geburt des Babys für das Tier wichtige Routinen erhalten bleiben. Die Mutter des Neugeborenen kann ja meist erstmal nicht so viel für das Tier da sein. Dann kann schon vor der Geburt vielleicht der Partner die anfallenden Arbeiten übernehmen.

So fallen für das Tier wichtige Routinen wie die große Laufrunde oder Kuschelzeit nicht einfach weg. Babys können laut sein und riechen anders als die bisherigen Familienmitglieder. Auch daran können Hund oder Katze schon vor der Geburt gewöhnt werden.

Da ist ein oft gegebener Tipp: Haustierhalter können Babygeräusche abspielen, das Geschrei von Kindern. Vorsichtig natürlich, um nicht zu erschrecken. Wobei für Tiere das Geschrei eher nicht so spannend ist, sondern die Bewegungen des Babys. Aber da geht’s um die Gesamtsituation.

Ein Tuch, auf dem das Baby gelegen hat oder eine Mütze: Daran kann der Halter Hund oder Katze schnuppern lassen, wenn das Baby schon auf der Welt aber noch mit der Mutter im Krankenhaus ist.

Den Eigengeruch des Kindes könnte man dann am besten noch mit etwas Positivem verknüpfen. Etwas Futter geben. Damit der Hund verinnerlicht: Wenn ich diesen Geruch rieche, ist alles gut. Und es gibt vielleicht ein Leckerli.

Wichtig sei immer, Haustiere an Veränderungen teilhaben zu lassen und nicht vom Familienalltag auszuschließen. Fühlen sich Hund oder Katze zurückgesetzt, könnten sie das negative Erlebnis mit dem neuen Familienmitglied verknüpfen.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

Tierisch tierisch macht Sommerpause. Wir sehen uns wieder am 31.08.2022


Wie klappt das Zusammenleben von Baby und Haustier ohne Zwischenfälle? 

Grundsätzlich können sich auch ältere Hunde oder Katzen an Kinder gewöhnen. Auch wenn sie als Welpe oder Junges nicht entsprechend sozialisiert wurden. Allerdings lässt sich nicht genau vorhersagen, wie die Tiere beispielsweise auf Krach oder Schreien von kleinen Kindern reagieren.

Hunde, die gar keine Erfahrungen mit Kindern gemacht haben, sollten deshalb auch wirklich gut beobachtet werden und stressfrei dann immer mal wieder nebenbei mitgenommen werden. Bei Spaziergängen etwa. Damit man da immer wieder positive Erlebnisse schafft, um die fremde Situation etwas zu entspannen.

Auch da funktioniere positive Bestärkung mit Futter gut. Wer unsicher ist oder weiß, dass ein Hund schon schlechte Erfahrungen mit Kinder gemacht hat, kann sich professionelle Hilfe von einem Verhaltenstherapeuten holen. Das sind Tierärzte mit einer Zusatzausbildung in „Verhaltenstherapie“ oder auch „Ethologie“.

Grundsätzlich sollte man da auch mögliche Gefahrensituationen im Blick haben, damit es keine Reibungen im Zusammenleben gibt. Dazu gehören klare Regeln, die auch durchgesetzt werden: Das Schlafzimmer und das Spielzeug des Kindes sind von Anfang an tabu. Dass zum Beispiel der Hund die Brezel in der Kinderhand nicht als Spielzeug ansieht.

Hunde und Katzen wiederum sollten sicher sein, dass ihr Spielzeug und ihr Futter in Ruhe gelassen werden. Auch sichere Rückzugsräume wie das Körbchen außerhalb von Kinderhänden sind wichtig. Die können Eltern noch vor der Geburt des Kindes schaffen und Wohnung oder Haus entsprechend umgestalten.

Dann stellt man das Körbchen fürs Schlafen besser nicht mehr direkt neben das Sofa, wo Kinder hüpfen. Tiere sollten auch die Möglichkeit haben, den Raum verlassen zu können, wenn es ihnen zu viel wird.

Wenn dafür Platz ist, können Katzenhalter für ihr Tier ein zusätzliches Zimmer besonders attraktiv machen. Dazu gehören reichlich Spielzeug, Versteckmöglichkeiten und auch der Geruch von Katzenminze.

Müssen Tierbesitzer mehr auf Hygiene im Haushalt achten, wenn ein Baby kommt?

Das Immunsystem von Babys muss erst noch „lernen“, wie es Krankheitserregern gut abwehrt. Manche Infektionen können entsprechend gefährlich sein. Trotzdem müssen Haustierbesitzer keine Angst haben und auch nicht auf übertriebene Reinlichkeit achten, sagt unsere Expertin. Es reiche, ein paar einfache Hygiene-Grundregeln einzuhalten:

Da ist zum Beispiel wichtig, das Tier regelmäßig gegen Parasiten zu behandeln. Einige Krankheitserreger wie Bandwürmer oder Spulwürmer können auch auf das Kind übertragen werden.

Eltern können auch darauf achten, dass Hund oder Katze dem Baby nicht im Gesicht herumlecken.

Bei Schwangeren gibt es noch das Risiko der Toxoplasmose durch Katzen. Das ist gering, aber das sollte man auf dem Schirm haben und ein paar Vorsichtsmaßnahmen einhalten, wenn man dagegen noch keine Antikörper hat.

Dazu gehört, dass ein Katzenklo täglich gesäubert wird oder auch der Garten von Kot gereinigt wird. Das sollte besser der Partner übernehmen.

Lächelnder Junge, der sich duckt, während er eine streunende Katze auf der Straße streichelt
Bildrechte: IMAGO / Westend61

Allein durch Streicheln der Katze ist es unwahrscheinlich, dass man sich damit infiziert. Da ist eher Katzenkot die Ansteckungsquelle.

Schwangere waschen daher nach dem Streicheln der Katze trotzdem besser die Hände, rät Hester Pommerening.

Warum sollten Eltern ein Haustier mit einem Baby oder Kleinkind nie allein lassen?

Davor wird nicht nur in Elternratgebern regelmäßig gewarnt. Auch unsere Expertin rät davon ab, Hund oder Katze allein mit einem kleinen Kind zu lassen. Selbst noch so entspannte Tiere könnten irgendwann die Geduld verlieren, wenn sie immer wieder am Schwanz oder den Ohren gezogen werden.

Kinder verstehen da die Signale oft nicht. Wenn der Hund das Weite sucht oder Drohsignale gibt, wird steif, knurrt, zeigt Zähne. Da kann es tatsächlich schnell zu schwerwiegenden Unfällen kommen. Und auch das Verhalten von Katzen ist nicht immer vorhersehbar.

Wichtig sei auch, Hund oder Katze für ihr „Drohen“ nicht zu bestrafen. Sonst zeigt das Tier im Ernstfall gar keine entsprechenden Signale mehr und schnappe gleich zu.

Wann können sich frischgebackene Eltern ein neues Haustier holen?

Das ist der umgekehrte Fall: Das Baby ist schon da und ein Hund oder eine Katze soll die Familie vergrößern und bereichern. Wann dafür der richtige Zeitpunkt ist und wie lange Familien am besten warten, lässt sich nicht pauschal sagen.

Einem neuen Hund oder einer neuen Katze muss ich auch einiges beibringen: Stubenrein bleiben, allein bleiben, mit dem Kind zusammenleben.

Eltern merkten meist selbst ganz gut, ob sie dafür schon wieder Ruhe und Zeit haben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. Januar 2022 | 10:45 Uhr

Mehr Quicktipps