Was kann ich tun, wenn mein Hund ständig bellt?

Hunde die bellen, beißen nicht! Schön wär´s, ist aber ein gefährlicher Irrglaube. Warum Hunde erst durch uns Menschen das Bellen gelernt haben, und wie man für Mensch und Tier ein erträgliches Maß findet.

Bellender Hund
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Wir haben dem Hund das Bellen beigebracht – und tun es noch

Der Vorfahre all unserer Hunde, der Wolf, hat fast nie gebellt. Warum, erklärt Tierarzt und Tierverhaltenstherapeut Dr. Ronald Lindner: „Das hätte im Wald auf der Jagd keinen Sinn gemacht. Anders der Hund in Obhut des Menschen. Der hat uns schon ganz früh Laut gegeben und uns vor Säbelzahntiger und Bär gewarnt und wir haben ihn dafür gelobt, ihm das Bellen also über Jahrtausende antrainiert.“ Und heute bestätigen Hundehalter ihre aufgeregt jaulenden Freunde vorm Spaziergang oder beim Begrüßen mit Kopfnicken, Schenkelklopfen und verbal. Sie zeigen: Bellen ist gut, alle freuen sich, wenn du bellst. Jagdhunde wurden extra so gezüchtet, dass sie beim Aufspüren der Beute möglichst viel Lärm machen. Lebt ein Nachfahre solcher Tiere heute in einer Stadtwohnung, passt so eine Eigenschaft natürlich nicht mehr.

Warum Hunde heute bellen

In erster Linie ist es eine ihrer Möglichkeiten zu kommunizieren. „Bellen gehört zum Hund einfach dazu, so kann er sich mitteilen. Sie müssen es nur zuordnen können. Und dort, wo es zu belastend ist, können Sie es abtrainierten“, rät unser Hundeexperte. Hunde bellen aus vielen Gründen: Sie möchten Aufmerksamkeit erregen, haben Angst, fühlen sich bedroht oder mit einer Situation überfordert. Manchmal jaulen oder kläffen sie vor Schmerz oder einfach aus Langerweile. Wichtig ist rauszufinden, warum ein Hund übermäßig viel bellt und dann richtig gegenzusteuern.

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So verstärkt man es

Ein Klassiker: Der Hund bellt im unpassenden Moment, Herrchen oder Frauchen rufen „AUS“. Warum diese Ermahnung in den meisten Fällen nicht funktioniert, erklärt Dr. Lindner so: „Viele glauben, dass Ihr Hund die Worte, die sie sprechen, versteht. Das funktioniert aber nur, wenn dem Hund die Wortbedeutung antrainiert wurde. Ansonsten wird der Hund bei einem gebrüllten AUS oder ähnlichen Kommandos immer denken: Prima, wenn ich belle, bellt mein Herrchen mit.“ Ein weiterer Fehler: Der Hund wird sich selbst überlassen. „Sobald Besitzer ihre Hunde lange Zeit alleine auf dem Hof oder im Garten lassen, übernehmen die automatisch den Job der Security. Und dann wird alles angebellt, was sich dem Zaun oder Tor nähert“, erklärt unser Experte und rät: „Wenn Sie reingehen, dann gehört der Hund mit rein. Alleine weiß er einfach nicht, was er draußen oder gar im Zwinger machen soll.“

So trainiert man es weg

Schreien oder drohen nützen relativ wenig. Unter Stress können Hunde die Signale ihrer Besitzer nur ganz schlecht deuten. Unser Tierpsychologe empfiehlt: „Arbeiten Sie mit einer Kombination aus negativer Bestrafung und positiver Bestärkung. Bellt Ihr Hund bei der Vorbereitung zum Spazierengehen, ignorieren Sie ihn, gehen Sie aus dem Raum. Erst wenn er ruhig ist, können Sie ihn streicheln und anleinen. Er lernt: Wenn ich belle, passiert nix, wenn ich ruhig bin, geht’s los.“ Dabei ist Timing gefragt, genau den Moment abzupassen, in dem der Hund sich richtig verhält und ihn zu belohnen. Und dafür braucht es Geduld. „Dazu gehören Konsequenz und Ausdauer. Wir wissen, dass es zwischen sieben- und zehntausend erfolgreiche Wiederholungen brauch, eh sich im Hund verankert hat, dass er in einer bestimmten Situation nicht bellen soll“, so unser Experte. Tatsächlich ist die Hundeschule der beste Ort, um ein Training zu beginnen, dann folgt fleißiges Üben im Alltag.

Wie man den Nachbarhund zum Freund gewinnt

Als Nachbar von Hundebesitzern hat man keinen Einfluss auf die Erziehung. Permanent am Zaun kläffenden Hunden steht man ziemlich machtlos gegenüber. Problem: Ist der Nachbar ein eher knurriger Zeitgenosse, wird es mit seinem Hund ähnlich sein. Unser Tierpsychologe erklärt das Phänomen.

Hunde spiegeln ganz klar das Verhalten ihrer Besitzer. Sind Herrchen oder Frauchen poltrig und laut, dann wird auch der Hund in die Richtung agieren. Bei entspannten Besitzern läuft auch ganz oft ein völlig relaxter Hund nebenher.

Ein gutes Verhältnis zum Hund, geht also über die Besitzer. Ein freundliches Gespräch am Zaun, ein gemeinsamer Spaziergang mit Hund und ein besonderes Leckerli aus deiner Hand können Brücken bauen und für Entspannung sorgen.

Hilfsmittel gegens Bellen

Angebote an sogenannten Anti-Bell-Halsbändern gibt es reichlich. Manche funktionieren mit einem kleinen Wasserstrahl, der ferngesteuert vom Besitzer dann aktiviert wird, wenn der Hund nicht bellen soll. Andere Geräte geben kleine Impulse ab, wenn Hunde über eine definierte Grenze hinausgehen.

Mit Hormonen und Duftmitteln aus Verdampfern können Hunde in stressigen Momenten beruhigt und so vom Bellen abgehalten werden. Unser Experte hat dazu eine klare Meinung: „Sprühhalsbänder lehnen wir als Gewalt gegen Tiere konsequent ab. Andere Hilfsmittel wie Impulstrainer oder Add On-Präparate können Sie ausprobieren. Das funktioniert aber nur in einem begrenzten Rahmen, und ersetzt nicht das Training und die Beschäftigung mit Ihrem Hund.“

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 29. Dezember 2021 | 11:45 Uhr

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