Haustiere allein zu Hause lassen: Was es den Tieren erträglicher macht

Der jaulende Nachbarshund – ein Klassiker: Kaum sind Herrchen und Frauchen aus dem Haus, geht das Geheule los. Dabei können Hunde allein ganz schön lange durchhalten. Wir klären, wie und welches Haustier dich fast gar nicht braucht.

Hund

Er ist am längsten von allen Tieren beim Menschen sozialisiert. Wir sind sein Rudel. Wird ein Hund allein gelassen, von seinem Rudel also getrennt, leidet er. Er entwickelt Seperations- oder Trennungsängste. Die können zu Bellen, Aggression und Unsauberkeit führen. Außerdem kann ein alleine gelassener Hund auch ganz schnell mal die komplette Einrichtung zerlegen. Deshalb sollten Welpen nie länger als zwei Stunden allein sein, ausgewachsenen Tiere schaffen auch mal sechs bis acht Stunden. Das muss du aber trainieren: Dazu müssen die Phasen des Alleinseins Stück für Stück vergrößert werden. Und der Hund braucht entweder einen Artgenossen oder Ablenkung durch Spielzeug oder und Futter. Vorsicht: Den Hund einfach alleine auf dem Grundstück rumlaufen zu lassen, führt schnell dazu, dass er sich als Wachschutz engagiert und alles anbellt, was vorbeiläuft. Wichtig: Wenn dein Hund mit dem Alleinsein ein Problem hat, lass dir vom Hundetrainer helfen und trainiere konsequent. Alternative: Wenn es geht, nimm den Hund mit auf Arbeit.

Katze

Sie sind eigentlich Einzelgänger. So ganz ohne Frauchen und Herrchen kommen Katzen aber nicht aus, besonders, wenn sie alleine gehalten werden.

Vorteil: Eine Katze schläft bis zu 16 Stunden am Tag. Ist genügend Futter vorhanden, das Katzenklo sauber und gibt es eventuell sogar noch einen sicheren Beobachtungsplatz, kommt die normale Wohnungskatze den Tag über gut alleine klar. Eine Freigänger-Katze, die selbständig raus und rein kann, wird sich ihren Tag ohnehin selbst einteilen und dann auftauchen, wenn die Halter nach Hause kommen; es könnte ja frisches Futter geben. Wer arbeiten geht und es gut einrichtet, der kann seine Katze also ruhig tagsüber allein lassen. Wichtig: damit die soziale Bindung bestehen bleibt, braucht die Katze ihre täglichen Begrüßungs- und Streichelrituale.

Maus

Nager sind, vom Hamster mal abgesehen, gesellige Tiere. Passt die Gruppenzusammensetzung und ist der Käfig für Ratte oder Maus groß genug, kommen sie den Tag über prima ohne Menschen aus. 

Kaninchen, Meerschweinchen und Co.

Jede dieser Tierarten hat ihre Eigenheiten: Unterschiedliche Schlaf- und Fressgewohnheiten und vor allem völlig verschiedene Körpersprachen. Eine Gruppenhaltung von Chinchillas, Meerschweinchen und Kaninchen ist deshalb für die Tiere eher schlecht. Jede Tierart für sich braucht vor allem seine Artgenossen, um sich nicht alleine zu fühlen. „Wenn Sie Kaninchen in der Wohnung halten, sind zwei ideal. Möglichst Wurfgeschwister, das erspart Ihnen die Vergesellschaftung, mit Rangkämpfen, Markierverhalten usw. Haben Sie ein Außengehege, passen ein weibliches und ein männliches Tier gut zusammen. Das Männchen sollte dann auf jeden Fall kastriert sein. Je mehr Platz sie haben, desto größer kann die Gruppe dann sein“, so Kaninchenexpertin Diana Bachmann. Sind die Tiere in der Gruppe, können sie den Tag über alleine gelassen werden. Aber: Kleintiere können sehr schnell ernsthaft erkranken. Deshalb sind täglich frisches Futter und die Kontrolle der Tiere wichtig.

Vögel

Es gibt keine Vogelart, die du alleine zu Hause halten solltest. Tiere wie die Wellensittiche brauchen Kontakt zu ihren Artgenossen. „Das wichtigste für Wellensittiche sind ihre Artgenossen. Sie sind hochsoziale Schwarmtiere und müssen mindestens zu zweit gehalten werden. Es ist tatsächlich eine Quälerei, sie allein zu halten", so die Kleintier- und Vogelexpertin Charlotte Wangler vom Forum Haustierratgeber. Im Prinzip kommen Vögel mit Partner ohne den Menschen aus. Für tägliches Füttern, Säubern des Käfigs und vor allem für die wichtige Flugrunde in der Wohnung solltest du Vögel aber nie länger als den Tag über allein lassen.

Fische

Diese Haustiere kommen wohl am besten und längsten ohne Ihre Halter aus. Ist das Aquarium groß genug, sind Beleuchtung und Heizung automatisiert, muss nur alle sieben Tage ein Teilwasserwechsel stattfinden. Und auch Futter brauchen die Tiere nicht zwingend täglich. Geht’s für dich mal übers Wochenende weg, finden Fische an Algen und Pflanzen für ein paar Tage genug zu fressen.

Reptilien und Spinnen

Schlangen und Schildkröten brauchen wenig Kontakt zu ihren Besitzern, sie bauen ohnehin keine soziale Bindung auf. Das gilt auch für Spinnen.

Aber: Manche Schildkröten brauchen täglich frisches Futter. Spinnen und Schlangen in regelmäßigen Abständen. Deshalb solltest du diese Tiere nur tagsüber alleine lassen.

Fazit

Je enger die soziale Bindung an uns Menschen, desto schwerer ertragen es Haustiere, allein zu sein. Erziehung, Spielzeug und andere Ablenkung können die Zeit für Hunde und Katzen auf ein paar Stunden ausdehnen. Bei Tieren die ursprünglich in Gruppe oder Schwarm leben, helfen Artgenossen. Wer oft und lange von zu Hause weg ist, sollte sich überlegen, ob er überhaupt ein Haustier braucht. Fische sind in der Regel sehr unabhängig vom Halter und können auch mal eine Woche und länger allein gelassen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 23. Februar 2022 | 11:45 Uhr

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