Fahrräder online kaufen – So passt es

Der Händler des Vertrauens hat das gewünschte Fahrrad oder E-Bike nicht da und kann frühestens in ein paar Monaten liefern. Auch deshalb suchen und kaufen viele Fahrradfans ihr Wunsch-Bike im Internet. Die Onlinehändler locken mit einem großen Angebot vieler Marken und günstigen Preisen. Der Fahrradkauf übers Internet hat allerdings ein paar Tücken.

Wer verkauft im Internet neue Fahrräder?

B.O.C., Lucky Bike, Zweirad Stadler oder Fahrrad XXL: Diese Namen kennen viele schon von früheren Fahrradkäufen im Geschäft. Der Ludwigsburger Sachverständige für Fahrräder und E-Bikes Dirk Zedler sagt:

Dirk Zedler
Bildrechte: privat

Das sind aus Fachgeschäften gewachsene Ketten von Fahrradgroßmärkten, die auch jetzt online stark sind. Die verkaufen Markenfahrräder oder qualitativ vergleichbare Räder im Direktvertrieb, die so auch im Fachhandel im Laden zu kaufen sind.

Daneben gebe es zahlreiche Onlinehändler mit vergleichsweise günstigen Rädern. Ein typisches Merkmal dieser Händler sehen Fahrradkäufer auf den ersten Blick: Die Markennamen der Räder haben sie oft noch nicht gehört.

Das können Direktimporte aus Asien sein, die keinerlei westliches Qualitätsniveau erfüllen oder Räder, die sehr günstig produziert werden. Die kosten dann vielleicht die Hälfte von Fahrrädern aus dem Fachhandel. Aber dafür haben sie vereinfacht gesagt nicht mal die Hälfte der Qualität.

Die dritte Gruppe der Online-Fahrradhändler bilden so genannte Direktvertreiber. Das sind Hersteller, die ihre eigenen Räder entwickeln und direkt übers Internet an ihre Kunden verkaufen. Dazu gehören Canyon, Rose, Radon, YT oder auch Poison.  

Bekommen Kunden online ihr Wunschrad schneller als im Fachhandel?

Die weltweiten Lieferketten funktionieren in der Corona-Pandemie nicht richtig oder sind sogar zeitweilig unterbrochen. Gleichzeitig ist in vielen Ländern die Nachfrage nach Fahrrädern extrem gestiegen. Diese Kombination führt dazu, dass Herstellern und Händlern regelmäßig Bauteile und Zubehör für ihre Räder fehlen. Als Folge gab und gibt es Lieferfristen von mehreren Wochen und mehreren Monaten. Weil die Teile für alle Hersteller knapp sind, treffen die Lieferschwierigkeiten sowohl Händler mit Geschäft vor Ort als auch die Online-Fahrradhändler. Letztere haben aber oft ein sehr großes Angebot und können so die Lieferprobleme bei einer Marke zumindest etwas ausgleichen. Claudia Till von Stiftung Warentest sagt:

Claudia Till von Stiftung Warentest
Bildrechte: Stiftung Warentest

Die haben dann bis zu 70 oder 80 verschiedene Marken. Ein kleiner Fahrradladen dagegen ist oft spezialisiert auf wenige Marken. Wenn es dann zu Wartezeiten bei einzelnen Marken kommt, kann es im Laden etwas mau aussehen.

Wer also beim Händler seines Vertrauens lange auf das gewünschte Cityrad in Azurblau von Hersteller X warten müsste, bekommt das bei einem der Onlinehändler nicht automatisch schneller. Dort gibt aber möglicherweise ein ähnlich schönes Cityrad in Azurblau von Hersteller Y und das kostet dann im besten Fall weniger als das Rad von Hersteller X. Generell seien aber Fahrräder im Internet nicht günstiger als im Laden, wenn es um ein bestimmtes Modell eines bestimmten Herstellers geht, sagt Claudia Till. Beim Kauf im Internet könnten zudem noch Lieferkosten fällig werden.

Die sind je nach Händler sehr unterschiedlich. Teilweise wird kostenlos geliefert, bei einem bestimmten Kaufpreis. Bei Bike24 zum Beispiel ab 100 Euro, bei B.O.C. erst ab einem Kaufpreis von 1.000 Euro. Ansonsten liegen die Lieferkosten zwischen 20 und 50 Euro.

Mechaniker montiert Fahrrad im Shop
Bildrechte: IMAGO / Westend61

Wenn der Onlinehändler selbst Filialen hat, sei die Lieferung dorthin oft gratis. Dort könnten Kunden ihr Rad dann auch komplett montieren lassen.

Damit das Fahrrad wirklich passt: Was wird vorher abgefragt?

Auf welchem Untergrund sind Sie unterwegs? Wollen Sie eher sportlich und nach vorn geneigt oder eher aufrecht fahren? Wie stark soll das Fahrrad Unebenheiten abfedern? Das und vieles mehr fragen gute Fahrradhändler vor dem Kauf ab. Sie messen zudem Körpergröße, Arm- und Schrittlänge für den perfekt passenden Rahmen. Im Idealfall steht zudem ein entsprechendes Modell des Herstellers für eine erste Probefahrt bereit. Dieser umfassende Vorab-Check im realen Leben ist beim Onlinekauf nicht möglich. Das versuchen die Händler möglichst gut mit „Fahrrad-Findern“, Mess-Tipps und persönlicher Beratung auszugleichen. Claudia Till sagt:

In den Portalen der Händler finde ich Rechner, in denen ich zum Beispiel meine Schrittlänge eingebe und die Körpergröße. Dann wird mir der passende Rahmen empfohlen. Und ich kann meine Wünsche eingeben, ob ich ein Treckingrad will oder ein Citybike, ob Waldweg oder Asphalt, so dass ich am Ende mein gewünschtes Fahrrad finde.

Wer trotzdem noch unsicher ist, kann sich am Telefon oder über eine Chatfunktion auf der Bestellseite beraten lassen. Doch das reicht nicht immer aus, sagt Dirk Zedler und verweist dabei auf seine Erfahrungen als Gutachter vor Gericht. Der Fahrradkauf im Netz ist aus seiner Sicht eher etwas für erfahrene Radfahrer.

Wenn ich sage, ich habe schon mein zweites, drittes oder viertes Rennrad und kaufe ein neues, dann ist das eine gute Sache. Dann weiß ich, wie ich sitzen will und kann das aus den technischen Daten ablesen und bekomme bei den guten Versendern ein sauber montiertes Fahrrad zu einem wirklich fairen Preis.

Für alle anderen sei das Risiko bei der Größe und beim Einstellen des Fahrrads zu groß. Das sorge auch regelmäßig für Verdruss bei Käufern.

Können online gekaufte Fahrräder zurückgegeben werden?

Wer online kauft, hat ein grundsätzliches Widerrufsrecht von zwei Wochen. Das gilt auch für im Netz gekaufte Fahrräder. Bei der Rückgabe könnten aber Rücksendekosten anfallen, sagt Claudia Till. Bei Bike-Discount und Little John Bikes waren das laut Test beispielsweise 30 Euro.

Ganz wichtig ist auch, die Rückgabebedingungen zu achten. Also in der Regel steht da, dass die Räder keine groben Nutzungsspuren aufweisen dürfen. Für die Probefahrt sollte man also nicht über den matschigen Feldweg sondern über die asphaltierte Straße fahren. Meistens muss man das Fahrrad auch im Originalkarton zurückschicken.

Etwas einfacher klappt das bei Onlinehändlern, die parallel noch Fachgeschäfte betreiben. Das gilt zumindest dann, wenn die nächste Filiale nicht allzu weit weg vom Wohnort liegt. Bei Lucky Bike etwa können im Internet gekaufte Räder auch im Geschäft zurückgegeben werden. Auch wenn am Rad etwas kaputtgeht, können Ansprüche aus Garantie oder Gewährleistung bei Händlern mit zusätzlichen Filialen meist etwas einfacher geklärt werden. Bei reinen Onlinehändlern bleibt nur der Anruf bei der Kundenhotline. Das Rad wird dann in der Regel eingeschickt. Der Originalkarton muss für solche Fälle aber nicht aufbewahrt werden, sagt unsere Expertin von der Stiftung Warentest.

Wieviel müssen Fahrradkäufer noch selbst montieren?

Vorderrad einhängen, Pedale anschrauben und den Lenker aufstecken oder gerade stellen: Viel mehr muss bei online gekauften Rädern meist nicht gemacht werden. Manchmal wird zusätzlich noch die Federung passend zum Fahrergewicht eingestellt. Dafür haben die Händler auf ihren Webseiten Erklärvideos. All diese Arbeiten bekommen auch Laien hin, wenn sie ein paar Dinge beachten. Dirk Zedler sagt:

Da muss man wissen, dass das linke Pedal ein Linksgewinde hat. Das muss also gegen den Uhrzeigersinn eingedreht werden. Und das rechte Pedal hat ein Rechtsgewinde, dass muss also im Uhrzeigersinn reingedreht werden.

Gute Versandhändler würden inzwischen sogar Drehmomentschlüssel mitliefern. Mit diesem Werkzeug können die wenigen noch nicht montierten Teile mit der richtigen und vom Hersteller vorgeschriebenen Kraft befestigt werden. Bei sehr günstigen Fahrrädern dagegen fehlt nicht nur das passende Werkzeug. Die Händler würden in manchen Fällen „Bausätze“ liefern, die auch Montageprofis fordern.

Das war ein Elektrorad für 1.000 Euro und da hat ein guter Mann bei mir, ein Zweiradmechaniker-Meister mit langer Raderfahrung, drei Stunden gebraucht, bis das Ding einigermaßen funktioniert hat.

Das würde ein normaler Fahrradfahrer wahrscheinlich gar nicht montiert bekommen.

E-Bikes: Online oder beim Fachhändler kaufen?

In den Online-Shops der Versandhändler werden neben normalen Fahrrädern auch E-Bikes von zahlreichen Herstellern angeboten. Wer schon E-Bike-Erfahrung hat und die zum eigenen Fahrverhalten passende Marke kennt, kann aus Sicht von Claudia Till auch online kaufen. Neulingen dagegen empfiehlt sie den Weg zum Fachhändler. Dort könne in Ruhe ausprobiert werden, wie sich die Unterstützung vom Elektromotor anfühlt.

Man kann dann darauf achten, wie sich der Motor zuschaltet. Macht der das gleitend oder eher ruckartig? Wie bleibt zum Beispiel der Lenker bei dem höheren Tempo stabil? Solche Sachen spielen bei einem normalen Fahrrad keine so große Rolle, bei den E-Bikes sind sie aber wichtig.

Zudem seien E-Bikes deutlich wartungsintensiver und müssten regelmäßig zur Inspektion. Dirk Zedler sagt:

Elektrofahrräder werden typischerweise mehr genutzt, die Leute fahren andere Wegstrecken und nehmen auch mehr Gewicht mit. Damit sind Verschleiß und Wartungsintensität deutlich höher als beim mechanischen Fahrrad.

Wer online kauft und für die anstehenden Wartungsarbeiten einen Fahrradhändler in der Nähe sucht, könnte es schwer haben.

Der Fachhändler wird aus reinem Überlebenstrieb und auch zur Kundensicherung nur Fahrräder und Elektrofahrräder warten, die er selber verkauft hat. Das ist sein gutes Recht und das unterstütze ich auch. Die Räder kennt er und da weiß er, was er hat.

Für den Elektroantrieb beispielsweise wird spezielle Wartungssoftware der Hersteller gebraucht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. März 2022 | 11:45 Uhr

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