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Verdacht auf Burn-out – So findest du Rat und Hilfe

Stand: 28. Dezember 2021, 02:10 Uhr

Fast 12 Prozent der Deutschen haben schon mal die Diagnose Burn-out bekommen. Das Leiden entwickelt sich allmählich zu einer Volkskrankheit. Vor allem in der Corona-Pandemie verzeichnen die Krankenkassen mehr Fälle.

Der Begriff Burn-out (englisch: ausbrennen) wurde erstmals in den 1970er Jahren von dem US-amerikanischen Psychologen Herbert Freudenberger erwähnt. Burn-out-Patienten fühlen sich beruflich wie privat dauerhaft gestresst, leiden oft an Erschöpfung, Schlafstörungen und Depression, erklärt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer Ersatzkasse:

„Burn-out ist eine Erkrankung, die in Expertenkreisen wie eine Art Modediagnose läuft. Ärzte stellen dann eher eine depressive Episode fest. Wenn das länger anhält, vielleicht drei, vier Wochen, wenn man das Gefühl hat, man kann sich gar nicht mehr richtig freuen, man stumpft ab, man kann schlecht schlafen, dann sind das auf jeden Fall Hinweise. Da sollte man mal gucken ob man mal mit dem Hausarzt redet und sagt: Irgendwas ist los, irgendwas stimmt nicht.“

Diese Symptome deuten auf einen Burn-out hin

Burn-out ist keine medizinische Diagnose. Die Symptome überschneiden sich häufig mit den Beschwerden einer Depression. Und die Leiden können individuell verschieden sein. Oft ist die Ursache im Beruf zu finden, aber gerade jetzt in der Corona-Zeit erleben auch immer mehr Menschen eine seelische Krise, die weniger mit dem Job, sondern eher mit der Pandemie in Zusammenhang steht. Beim Burn-out werden oft folgende Symptome erlebt:

  • Chronische Müdigkeit und Erschöpfung: Betroffene fühlen sich mit alltäglichen Aufgaben überfordert, haben das Bedürfnis nach vielen Ruhepausen, vielen fällt es schwer, abzuschalten
  • Geringere Leistungsfähigkeit: Konzentrationsstörungen, Nervosität, es passieren Fehler, Erfolgserlebnisse bleiben aus, um gegenzusteuern wird noch mehr gearbeitet, es können Ängste entstehen
  • Rückzug: es fehlt die Kraft, sich mit Freunden zu treffen, man schottet sich von der Familie ab, gibt Hobbys auf
  • Innere Leere: Lebensfreude geht verloren, kaum noch Spaß, große Unzufriedenheit bis hin zu Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit

Zu diesen Symptomen können körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit oder Verdauungsprobleme hinzukommen. Burn-out wird nach Herbert Freudenberger in zwölf Stadien eingeteilt beginnend mit „Der Drang sich selbst etwas zu beweisen“ bis hin zu „Völlige Erschöpfung“.

Diagnose Burn-out

Wie schon erwähnt, ist die Abgrenzung zur Depression nicht immer leicht. Deshalb wird auch davon abgeraten, mit Tests im Internet eine Selbstdiagnose zu stellen. Expertin Ursula Marschall von der Barmer sagt, dass bei Burn-out-Verdacht Sensibilität von allen Seiten gefragt ist:

„Zum einen bei den Patienten, die sagen: nicht jeder Rückenschmerz ist ein organisches Problem. Ich muss auch mal auf meine Seele gucken – nur als ein Beispiel. Die Arbeitgeber müssen rechtzeitig schauen: wo sehen sie Veränderungen bei ihren Arbeitnehmern und auch mal ansprechen, Aber auch für alle Freunde und die Familie. Hinweise nach dem Motto: Stell dich nicht so an oder: du musst, du sollst – sind nicht hilfreich. Ansprechpartner sind hier Hausärzte, die im ersten Schritt erst mal für das Einsortieren der verschiedensten Symptome sorgen können.“

Man sollte also zuerst zum Hausarzt gehen. Der klärt, ob andere körperliche Ursachen in Frage kommen. Für ständige Müdigkeit könnte zum Beispiel auch eine Schilddrüsenunterfunktion verantwortlich sein. Gibt es keine organischen Gründe, kann eine entsprechende Diagnose gestellt werden.

Diese Therapie hilft bei Burn-out

Burn-out kann man mit vielen unterschiedlichen Mitteln behandeln. Dazu gehören Entspannungstechniken, man kann eine Psychotherapie machen in Einzelbehandlung oder in Gruppen, sagt Medizinerin Ursula Marschall. Die Behandlung kann dauern. Mit ein paar Tagen Urlaub ist das Thema nicht erledigt, so die Expertin:

„In den ernsten Fällen, dann wenn es schon wirklich ein schwererer Fall ist, dann braucht man einfach seine Zeit, um sich zu erholen. Was die meisten sagen: ich muss jetzt nur mal in den Urlaub und dann geht´s mir besser, ist gerade für Patienten, die betroffen sind, die in so einem seelischen Tief sind, gerade nicht das, wo sich die Patienten gut erholen.“

Eine Lösung kann auch ein Arbeitsplatzwechsel sein, die Umstellung der Lebensgewohnheiten oder die Behandlung mit Medikamenten.

Dieses Thema im ProgrammMDR JUMP bei der Arbeit | 28. Dezember 2021 | 11:45 Uhr

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