Noise-Cancelling-Kopfhörer: Wie gut halten die störenden Lärm ab?

03. März 2022, 02:10 Uhr

Der lärmende Hund von nebenan, laute Musik vom Nachbarn, Bauarbeiten in der Straße: Das kann bei der Arbeit im Homeoffice, beim Ausspannen auf der Couch oder beim Filme- und Serienschauen richtig stören. Für Ruhe sollen Kopfhörer mit einer speziellen Technik sorgen: Noise-Cancelling heißt auf Deutsch so viel wie „Lärm stoppen“. Das klappt im Alltag erstaunlich gut.

Möglichst komplett Abschirmen mit Gegenschall

Kopfhörer halten schon von ihrer Bauart her Umgebungsgeräusche oder Unterhaltungen bis zu einem gewissen Grad vom Trommelfell fern. In-Ear-Modelle oder auch Ohrstöpsel „dichten“ den Gehörgang ab. Bei Over-Ear-Modellen wölbt sich das Polster über das Ohr. Bei Noise-Cancelling-Kopfhörern wird noch zusätzliche Technik verbaut. Christoph de Leuw von COMPUTER BILD sagt:

Christoph de Leuw
Bildrechte: Computerbild

Die Kopfhörer erfassen mit eingebauten Mikrofonen Umgebungsgeräusche und erzeugen elektronisch dazu genau gegenläufige Schallwellen. An den Nutzerohren überlagert sich dieser „Anti-Schall“ mit den Umgebungsgeräuschen. Ein Wellenberg des einen fällt mit einem Wellental des anderen zusammen.

Beide Geräusche heben sich vereinfacht gesagt auf und damit hören Nutzer im Idealfall: Nichts. Weil die Lärm-Stop-Technik aktiv Schallwellen erzeugt, wird sie oft auch als „Active Noise-Cancelling“ (kurz: ANC) bezeichnet. Das am Anfang beschriebene Abschirmen rein durch die Bauart der Kopfhörer wäre dann also ein „passives“ Unterdrücken von Lärm.

Wirkung hängt vom Kopfhörer und von der Art des Lärms ab

Kopfhörer auf und dann herrscht komplette und entspannende Stille: Das klappt im Alltag auch mit Noise Cancelling leider nicht immer.

Gleichmäßig und eher tieffrequente Geräusche dämpfen die Kopfhörer besser als höherfrequente und impulsive Geräusche. Das heißt: Fahrgeräusche in der Bahn, der Geräuschmix von Turbinen und Klimaanlagen im Flugzeug oder auch das Summen und Brummen von PCs und Druckern im Büro lässt sich für die Technik einfacher reduzieren als Gespräche oder Telefonklingeln.

Der aktuelle Test von COMPUTER BILD (Februar 2022) zeigt, dass bei manchen ANC-Kopfhörern die Technik mit dem Gegenschall offenbar umgesetzt werden konnte als bei anderen. Auf den vorderen Plätzen bei der Geräuschunterdrückung landeten im aktuellen Test die AirPods Max (Over-Ears für knapp 500 Euro) und die AirPods Pro (In-Ears für rund 200 Euro) von Apple. Bei den Over-Ears bieten auch Bose QuietComfort 45 (rund 250 Euro) und Sony WH-XB910N (rund 250 Euro) eine hervorragende Lärmunterdrückung. Bei den „Stöpseln“ sorgten Jabra Elite 7 Active (rund 180 Euro), Technics EAH-AZ60 (rund 230 Euro) und Grell TWS/1 (rund 200 Euro) messbar für Ruhe. Damit sind die Noise-Cancelling-Kopfhörern spürbar teurer als vergleichbare Modelle ohne die Technik. Ganz so viel wie für die Spitzenreiter müssen Käufer aber nicht ausgeben.

Ab etwa 150 Euro gibt es in jeglicher Hinsicht gute Modelle mit wirksamer Geräuschunterdrückung, bequemer Polsterung und Akkulaufzeiten von um die 40 Stunden.

Bei den In-Ears liefern die Samsung Galaxy Buds 2 (rund 100 Euro) ein gutes Gesamtpaket aus Klang, Sitz und Lärmunterdrückung. Im Test wurde auch deutlich, dass die Hersteller nicht bei allen Modellreihen gleich gut bei der aktiven Geräuschunterdrückung sind. Manche Kopfhörer-Modelle eines Herstellers sorgten für mehr Ruhe als andere.

Schont die Ohren

Schall trifft auf Gegenschall. Für Laien klingt das so, als wären die Ohren unter den Noise-Cancelling-Kopfhörern noch stärkeren Belastungen ausgesetzt. Das ist allerdings nicht der Fall, sagt Christoph de Leuw:

Die Technik reduziert den Geräuschpegel am Ohr. Zudem genügt dann eine niedrigere Wiedergabelautstärke für Musik und Podcasts und das schont ebenfalls die Ohren.

Vor allem bei älteren Modellen mit Noise-Cancelling mussten Nutzer mit einem Grundrauschen leben. Unter den Kopfhörern war also nicht komplett Stille, nur die störenden Geräusche waren eben nicht mehr zu hören. 

Einige aktuelle Modelle begleiten das immer noch mit Eigenrauschen, andere nicht. Das Rauschen fällt aber nur in ruhiger Umgebung auf.

Dann werde aber in der Regel auch kein Noise-Cancelling benötigt.

Die wirklich wichtigen Geräusche kommen nicht immer durch

Das Klingeln vom Paketboten oder den Schulkindern, das Hupen von Autos auf der Straße: Ein paar Geräusche sollten auch gut abschottende Kopfhörer besser durchlassen.

Die unterscheiden allerdings nicht zwischen Türklingel und Kreissäge auf der Baustelle nebenan. Viele Modelle bieten einen Transparenz- oder Aufmerksamkeitsmodus, der Umgebungsgeräusche gezielt durchlässt. Der ist etwa für unterwegs im Straßenverkehr gedacht.

Mann mit kleinem Kind auf dem Bauch auf Sofa
Bildrechte: IMAGO / Westend61

Auch einige andere Zusatzfunktionen der Noise-Cancelling-Kopfhörer sind laut unserem Experten im Alltag praktisch. Dank eingebauter Sensoren erkennen einige Modelle, wenn sie abgesetzt werden, stoppen dann Musik und Geräuschunterdrückung oder schalten sich komplett ab und schonen so den Akku. Über die „Speak to Chat“- oder „Speak to Talk“-Funktion wird die Musik pausiert, wenn man mit jemandem spricht. Zudem wird die Stimme des Gesprächspartners über das Mikrofon des Kopfhörers erfasst und ist im Idealfall besser zu verstehen.

Sinnvoll im Alltag ist außerdem eine einstellbare Lautstärke am Kopfhörer. Das ist eigentlich eine Standard-Funktion, einigen True-Wireless-Modellen fehlt die allerdings. Dann lässt sich die Lautstärke nur am Smartphone oder per Sprachassistent einstellen.

Mit True-Wireless-Modellen (zu deutsch etwa: komplett ohne Kabel) sind die In-Ear-Kopfhörer gemeint, die ganz auf Kabel zum Handy oder zwischen den Stöpseln verzichten. Nutzer tragen dann in jedem Ohr nur einen Knopf.

Ohne Akku keine Lärmunterdrückung und keine Verbindung mit dem Handy

Echte Dauerläufer sind zumindest die In-Ear-Kopfhörer mit Noise-Cancelling nicht. Sehr günstige Modelle müssen schon nach drei Stunden Einsatz zum Laden in die Transportbox. Bessere Kopfhörer schaffen bis zu sieben Stunden. Während des Aufladens können sie nicht genutzt werden. Over-Ears halten meist etwas länger durch und schaffen zwischen 20 und 40 Stunden. Nach drei bis fünf Stunden am USB-Ladekabel ist der Akku wieder voll.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. März 2022 | 11:45 Uhr

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