9-Euro Ticket – bleibt es uns erhalten?

Bisher wurde das 9-Euro-Ticket rund 20 Millionen mal verkauft. In den Ferien sollen bis zu 60 Millionen weitere Tickets dazukommen. Grund, über eine Verlängerung nachzudenken. Wie realistisch ist das?

Eine Frau hält in einem Fahrradabteil ein 9-Euro-Ticket.
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Die Partei DIE LINKE fordert: Verlängerung

Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Eine Delegierte hebt auf dem Bundesparteitag der Partei Die Linke ihre Stimmkarte.
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Mal mindestens bis Ende des Jahres soll uns das 9-Euro-Ticket nach einem Antrag der Linken im Bundestag erhalten bleiben. Die Begründung der Partei ist unter anderem eine nahende finanzielle Überforderung vieler Menschen:

Die Lebensmittel- und Energiepreise sind außer Kontrolle und steigen in einem unvorstellbaren Tempo

Mit der Verlängerung des Tickets soll wenigstens ein Teil der aktuellen und kommenden Mehrbelastungen kompensiert werden. Zweiter erhoffter Effekt: Je länger es das Ticket gibt, desto mehr Menschen werden es ausprobieren und eventuell dauerhaft vom Auto auf Schiene, Straßenbahn und Bus umsteigen. Und: Durch eine längere Laufzeit sind seriösere Forschungsergebnisse zu Nutzung und Nutzen möglich. Im Programm der Linken ist ohnehin vorgesehen, den öffentlichen Personennahverkehr in Zukunft komplett kostenlos zu machen.  

70 Prozent finden Verlängern tut

Die Forderung ist für die große Mehrheit ein positives Signal. Mehr als 80 Millionen Tickets werden voraussichtlich Ende August verkauft sein. Laut Meinungsforschungsinstitut Insa sind 70 Prozent der Deutschen für eine Verlängerung, nur 18 Prozent lehnen sie ab.

Stresstest in den Ferien

Zum Start des 9 Euro Tickets stürmten zahllose Reisenden die Züge.
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Gleich zu Beginn wurde das Ticket, beziehungsweise seine Umsetzung, scharf kritisiert. Zu Pfingsten waren die Züge überfüllt, manche Reisende mussten sogar wieder aussteigen. Ähnliches befürchtet die Mobilitätsexpertin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Marion Jungbluth in den Ferien. Im Prinzip hält sie das Ticket für einen:

Booster für Bus und Bahn

Die Verbraucherschützerin befürchtet aber zu geringe Kapazitäten der Bahn. Wer im Sommer das Ticket als Chance sieht, mal vom Auto auf Bus und Bahn umzusteigen und dann in überfüllten, unpünktlichen Zügen landet, könnte für immer abgeschreckt werden. Fun-Fact am Rande: In unseren Nachbarländern, aber auch im weit entfernten Kanada werben Agenturen mit einer Ferien-Bahnreise durch ganz Deutschland für 9 Euro. Experten erwarten dadurch allerdings keinen enormen Anstieg an Touristen.      

Wer soll es bezahlen? So stehen die Chancen.

Verschiedene Euro-Scheine in Notenbündeln
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Das Ticket mit seiner aktuellen Laufzeit kostet rund 2,5 Milliarden Euro. Die werden vom Bund bezahlt. Die Bundesländer befürchten, dass nach dem Ende der Laufzeit, die Ticketpreise überall kräftig steigen könnten, weil dann der Großteil der Kosten für den Transport wieder von Verkehrsverbänden und Unternehmen direkt an die Verbraucher weitergegeben werden (muss). Das haben jetzt auch Politiker aus der Regierungskoalition erkannt. Die Grünen-Chefin Ricarda Lange sieht das Ticket als großen Erfolg. Ihre Partei will eine Verlängerung prüfen. Die könnte dann in einem dritten Entlastungspaket beschlossen werden. Verkehrsminister Volker Wissing vom Koalitionspartner FDP hält dagegen ersteinmal umfangreiche Strukturreformen im Öffentlichen Personennahverkehr für nötig, bevor es weitere Unterstützung vom Bund gibt. Der ÖPNV soll also effizienter werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 20. Juni 2022 | 15:40 Uhr

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