Das erste medizinische Cannabis Deutschlands kommt aus Sachsen

Seit 2017 darf Cannabis zu medizinischen Zwecken wie der Schmerzbehandlung legal in Deutschland verkauft werden. Bisher reine Importware, gibt es Cannabis ab sofort auch von hier, aus Ebersbach bei Dresden.

Die einzige deutsche Firma, die Cannabis legal produzieren darf

Demeca GmbH heißt das Startup mit Sitz in Sachsen, das als erste rein deutsche Firma im Auftrag des Staates medizinisches Cannabis herstellen darf. Zwei weitere Firmen mit Sitz in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein haben kanadische Eigentümer. Sie alle unterliegen in der Produktion strengen Regeln, erklärt einer der Demeca Mitgründer, Constantin von der Groeben:

Wir müssen die Sicherheitsvorkehrungen einhalten, weil wir mit Betäubungsmitteln umgehen und Arzneimittel herstellen.

Der Bedarf ist groß – der Weg kompliziert

Seit der Freigabe 2017 hätte es schnell gehen können. Der damalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe warb für eine rasche Behandlung der Bedürftigen:

Schwer kranke Menschen müssen bestmöglich versorgt werden

Doch dann dauerte es noch zwei Jahre, bis drei Firmen den Zuschlag zur Produktion in Deutschland bekamen, darunter das Unternehmen aus Sachsen. Die Firmen dürfen jetzt in den nächsten vier Jahren zusammen 10,4 Tonnen medizinisches Cannabis anbauen. Das reicht nicht: allein im letzten Jahr wurden über 20 Tonnen verschrieben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beauftragt die angegliederte Cannabisagentur mit der Vergabe der Produktionslizenzen. Über eine Vertriebsagentur gelangt das Cannabis dann auf Bestellung zu den Apotheken.

Wofür wird medizinisches Cannabis verwendet?

Arztfragebogen zur Beantragung von medizinischem Cannabis.
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Zwei der Hauptbestandteile im Cannabis, Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), wirken unter anderem berauschend, entspannend und angstlösend. Sie können Brechreiz dämpfen und Entzündungen hemmen. Deshalb kann medizinisches Cannabis zu Schmerzbekämpfung, zur Symptomlinderung bei Chemotherapien und auch bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Indooranbau sichert die Qualität

Einfach ein paar Hanfpflanzen aufs Feld: so funktioniert es nicht. Und deswegen mussten die Gründer der Firma Demecan erstmal rund 20 Millionen Euro in Anbau und Technik investieren. Medizinisches Cannabis muss nämlich strenge Vorgaben erfüllen. So erklärt Mitgründer Adrian Fischer:

Unser Ziel ist, den Patientinnen und Patienten bei jeder einzelnen Pflanze die gleiche Qualität zu liefern. Jede Blüte muss denselben Gehalt der Substanz THC enthalten, damit Patienten nicht versehentlich zu viel oder zu wenig einnehmen.

Am besten lässt sich diese gleichbleibende Qualität im Indooranbau garantieren, unabhängig von Wetterkapriolen auf dem freien Feld.

Die Kassen bezahlen – normalerweise

Voraussetzung ist, dass einem Patienten nicht anders geholfen werden kann. Deswegen muss jeder Arzt, der medizinisches Cannabis verschreiben will, den Sinn der Therapie nachweisen, alle anderen Therapien müssen bis dahin versagt haben und es muss eine klare Aussicht auf Besserung der Umstände für den Patienten bestehen. Dann werden die 4,30 Euro pro Gramm Cannabis erstattet.

Bei Bedarf kann Demecan mehr liefern, auch falls Cannabis total legal wird

Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein.

Unterzeichnung Koalitionsvertrag SPD Grüne und FDP
Bildrechte: dpa

Es sieht also ganz danach aus, dass Cannabis für alle legal wird. Wann es soweit ist, das ist aufgrund der aktuell anderen drängenden politischen Themen nicht klar. Die Cannabisproduzenten aus Sachsen könnten nach eigenen Angaben aber jederzeit die Produktion erhöhen, auf gut 10 Tonnen pro Jahr.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 21. April 2022 | 14:47 Uhr

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