Insektenstiche: Wie du dich schützen kannst und was nach dem Stich hilft

Insektenstiche sind nervig – und können auch richtig gefährlich werden. Um sich zu schützen, gibt es neben Sprays auch Apps und elektronische Geräte. Wir erklären, was bei einem Stich zu tun ist und was wirklich hilft.

Biene setzt zum Stich an
Bildrechte: imago/Thomas Frey

Einige Insekten, wie Bienen oder Wespen, injizieren beim Stich ganz bewusst giftige Eiweißstoffe, um sich gegen ihre Gegner zu wehren. Auch Ameisen versuchen, sich gegen Angreifer zu schützen, indem sie Säure verspritzen. Mücken dagegen wollen eigentlich gar nicht unbedingt, dass es ihrem Opfer schlecht geht – sie wollen nur in Ruhe Blut saugen. Damit sie dabei nicht gestört werden, übertragen sie mit ihrem Speichel Proteine in das Blut des Opfers, die die Blutgerinnung verlangsamen. Der Körper wehrt sich dagegen mit dem Hormon Histamin, das als Nebeneffekt für Schwellungen und Juckreiz sorgt.

Grundsätzliche Vorbeugung gegen Stiche und Bisse

Wanderer mit Netz als Mücken-Schutz
Moskitonetze schützen effektiv. Bildrechte: imago images / imagebroker

Gegen Mücken, Zecken oder auch kleine Stechfliegen helfen vorbeugend die klassischen Anti-Mückenmittel. Produkte mit den synthetischen Wirkstoffen DEET (Diethyltoluamid) und Icaridin schützen dabei sehr zuverlässig bis zu acht Stunden vor Stichen. DEET, das in Mitteln wie Anti Brumm Forte oder Nobite Hautspray steckt, ist allerdings umstritten. Der Wirkstoff steht im Verdacht, Hautreizungen auszulösen oder sogar das Nervensystem zu schädigen.

Gegen einige Insekten wie Kriebelmücken oder Gnitzen helfen chemische oder natürliche Wirkstoffe nur bedingt oder gar nicht. Die beste Vorsorge gegen Stiche oder auch Zeckenbisse ist, die Lebensräume der Tiere zu meiden oder lange, festgewebte Kleidung anzuziehen. Hüte mit Moskitonetzen sehen komisch aus, sind aber sehr effektiv. Parfüm und starker Waschmittelduft können Bienen und Wespen reizen. Je natürlicher du also riechst, desto unaufgeregter sind die Insekten.

Wenn es juckt und brennt: Ruhe bewahren und kühlen

Männerhände halten schmelzenden Eiswürfel
Kälte beruhigt die Haut. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Wurdest du gestochen oder gebissen, gilt allgemein: Kühlen und einen kühlen Kopf bewahren. Kälte beruhigt die Haut und ist auch hilfreich, wenn du in den Mund- oder Rachenraum gestochen wurdest. Lutsche Eiswürfel, trinke kaltes Wasser und fahr sofort zu einem Arzt oder ins Krankenhaus. Zudem ist es sinnvoll, Stich und Bisswunden möglichst rasch zu desinfizieren. Auch, wenn die Hautstellen stark jucken, solltest du ruhig bleiben. Kratzen sollte vermieden werden.

Zudem gelangen erst durch das Kratzen Bakterien und Schmutzstoffe von der Haut in die Wunde und können dort Entzündungen verursachen. Spezielle Produkte wie Autan akut oder Fenistil wirken meist nur kurz.

Technik gegen Mücke und Co.

Mücken-Apps produzieren einen hohen Ton. Der soll den Flügelschlag einer männlichen Mücke simulieren und damit bereits befruchtete Weibchen vertreiben. Wissenschaftlich belegt ist das nicht. UV-Licht-Fallen, in denen Insekten am elektrisch geladenen Gitternetz sterben sollen, weisen kaum Wirkung bei Mücken auf. Auch die meisten anderen Methoden bringen keinen spürbaren Erfolg, etwa Gartenfackeln, Kerzen und Öllampen auf Basis ätherischer Öle.

Wenn du gestochen wurdest, können elektrische Geräte hingegen sehr wohl helfen. Hitzestifte, wie etwa Bite away Cobra oder das feuerzeugähnliche Zapp it erhitzen die gestochene Stelle kurzzeitig auf rund 50 Grad Celsius. Damit werden die eiweißhaltigen Wirkstoffe der Insekten unter der Haut nachweislich zerstört. Somit helfen die Geräte gegen Juckreiz oder Schwellungen von Mückenstichen, wenn sie direkt nach dem Stich angewendet werden und wenn man die kurzzeitige Hitze aushält. Auch bei Bienen- oder Wespenstichen können die Stifte helfen.

Diese Insekten können dir an die Haut gehen

Mücken

Sie lieben es warm und feucht. In Wasserfässern, Gartenteichen, Seen und Pfützen vermehren sie sich dabei bestens. Sie ernähren sich von Blut und stechen dafür Säugetiere – also auch uns Menschen. 28 Oberarten gibt es in Deutschland. Besonders folgende Arten können uns Menschen lästig werden:

Die Stechmücken, vor allem die typischen sogenannten südlichen Hausmücken, stechen meist in der Nacht.

Die Asiatische Tigermücke ist seit einigen Jahren auch in Teilen Deutschlands heimisch. Sie ist, wie der Name es erahnen lässt, gestreift und kann verschiedene Viren übertragen, etwa den Erreger des Dengue-Fiebers. Bislang wurden aber keine Infektionen durch Stiche in Deutschland nachgewiesen.

Die Kriebelmücken sehen ein bisschen wie Fliegen aus. Sie sind gern an Flussläufen zu Hause, kriechen unter die Kleidung. Dort stechen sie nicht, sondern reißen die Haut auf und laben sich an dem austretenden Blut. Sie hinterlassen schlecht heilende, große und stark juckende Wunden.

Die Gnitzen sind nur wenige Millimeter groß und kriechen besonders in der Dämmerung gerne an den Haaransatz und stechen dort zu

Die Stechfliegen und hier vor allem die Bremsen sorgen mit ihren Stichen nicht nur für Juckreiz, sondern auch für starkes Brennen und mitunter große Schwellungen.

Spinnen

Sie sind grundsätzlich Gifttiere und halten sich eher lauernd im Verborgenen auf. Uns Menschen greifen sie nur an, wenn sie sich bedroht fühlen.Nach einer halben Stunde sollten die schlimmsten Symptome verschwunden sein. Bei uns gibt es nur drei Arten, deren Biss und Gift uns Menschen uns etwas mehr zusetzen können:

Der Dornfinger ist erst seit kurzem bei uns heimisch und kann so zubeißen, dass es richtig schmerzt und sich die Bissstelle deutlich verfärbt. Allergiker können auf das Gift reagieren.

Die Kreuzspinne kommt mit ihren Beißwerkzeugen nicht an jeder Hautstelle durch. Schafft sie es aber, dann kann das ordentlich wehtun. Die Bissstelle kann anschwellen und brennen.

Die Wasserspinne beißt ähnlich schmerzhaft zu wie die Kreuzspinne. Du musst aber tatsächlich ins Wasser, um auf solch eine Spinne zu treffen.

Bienen, Wespen und Hornissen

Bienen sind sehr friedliche Zeitgenossen. Sie stechen auch nur im absoluten Ernstfall zu, denn der Stachel bleibt in der Haut des Opfers stecken, sodass die Biene nach dem Stich stirbt. Deshalb injiziert die Biene auch wesentlich mehr Gift als eine Wespe, nämlich alles auf einmal. Für Allergiker kann das wirklich gefährlich werden.

Die Stiche von Wespen sind nicht giftiger als Bienenstiche. Eine Wespe kann allerdings mehrfach zustechen und ist in der Regel aggressiver. Außerdem sind Wespen Aasfresser und können deshalb mit ihrem Stich gefährliche Keime übertragen.

Hornissen sind ähnlich friedlich wie Bienen, nur wesentlich größer. Deshalb ist ihr Stich auch schmerzhafter. Die alte Sage, wonach drei Hornissenstiche einen Menschen töten können, stimmt allerdings nicht. Hornissen ernähren sich übrigens von Wespen und Mücken und sorgen also dafür, dass diese Insekten uns nicht allzu oft stören.

Zecken

Blutsaugende Zecke
Zecke Bildrechte: Imago/blickwinkel

Ihr Stich wird von uns im Normalfall nicht bemerkt. Sie wollen unser Blut, saugen sich richtig voll und lassen sich dann fallen. Während des Saugens oder auch wenn Zecken falsch entfernt werden, können sie Bakterien oder Viren in unseren Blutkreislauf übertragen.

Hilfe: Insektenschutzmittel schützen bis zu sechs Stunden. Trage das Mittel auch auf deine Sachen auf. Lassen sich Zecken aus dem Gras auf deine Hosen fallen, lassen sie gleich wieder los. Eine abendliche Zeckenkontrolle aller Körperteile empfiehlt sich gerade bei Kindern, die viel im Freien spielen. Anders bei einem Virus, mit dem die Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen können. Das ist gefährlich, weil dieses Virus auch noch viele Jahre später eine Hirnhautentzündung mit erheblichen Gesundheitsfolgen bis hin zum Tod verursachen kann. Dagegen hilft nur, sich rechtzeitig impfen zu lassen. Dreimal musst du gegen FSME geimpft werden. Anschließend wird die Impfung alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt.

Ameisen

Rote Waldameise krabbelt über grünes Blatt
Bildrechte: imago images / Andreas Gora

Von den über 100 bekannten Arten treffen wir in der Regel auf Haus- oder Waldameise. Beide beißen, die Waldameise kann zudem noch Ameisensäure verspritzen. In der Regel juckt und brennt es ein bisschen. Nach ca. 30 Minuten sollte das vorbei sein.

Flöhe und Wanzen

Gemeine Bettwanze
Gemeine Bettwanze Bildrechte: imago images/blickwinkel

Diese Gesellen fängst du dir meist im Urlaub, entweder im Hotel oder besonders gern auch in Gemeinschaftsunterkünften für Rucksacktouristen ein. Zu Hause machen es sich diese Tiere dann in der Nähe deines Bettes bequem und kommen meist nachts, um sich dein Blut zu holen. Sie vermehren sich schnell und sorgen oft für großes Unbehagen.

Hilfe: Solltest du den Verdacht auf blinde Passagiere im Urlaubsgepäck haben, suchst du dir eine große Kühltruhe und packst alles für einen Tag dort hinein. Der Schlafsack kann auch mal für 30 Sekunden in die Mikrowelle gepackt werden. Haben sich die Tiere schon ausgebreitet, hilft der Kammerjäger.

So bemerkst du eine Allergie auf Insektengift

In Deutschland ist keine Insektenart heimisch, deren Biss oder Stich für gesunde Menschen eine Lebensbedrohung darstellt. Allerdings reagieren Einige allergisch auf das Gift der Insekten. Wer nicht nur an der betroffenen Stelle eine Schwellung bekommt, sondern auch an anderer Stelle oder plötzlich unter Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall leidet, sollte schnellstens einen Arzt aufsuchen.

Stachel einer Europäischen Honigbiene
Die Biene – hier ihr Stachel – stirbt nach dem Stich. Bildrechte: imago/blickwinkel

Bei Verdacht können Hautärzte überprüfen, ob tatsächlich eine Allergie auf ein Insektengift vorliegt. Wer mit einem Schock oder einer starken allergischen Reaktion auf einen Wespenstich reagiert, gehört sofort ins Krankenhaus. Beachte, dass bei einer vorhandenen Allergie gegen Wespenstiche die Reaktionen von Stich zu Stich immer stärker zunehmen können. Sprich mit deinem Arzt über eine mögliche Desensibilisierung und lass dir Notfallmedikamente verschreiben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 28. Juni 2022 | 15:47 Uhr

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