Nach Hackerangriff: Anhalt-Bitterfeld will Lösegeld nicht bezahlen

Stand: 15. Juli 2021, 09:54 Uhr

Eine Cyberattacke auf die Kreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld hat viel Chaos verursacht. Mittlerweile ist klar: Die Angreifer wollen Lösegeld für die geklauten Daten – doch für Landrat Andy Grabner ist Bezahlen keine Option.

Vor rund einer Woche wurde die Verwaltung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld Ziel eines Hackerangriffs. Dabei haben Kriminelle wichtige Daten verschlüsselt – mithilfe von sogenannter Ransomware.

Der neue Landrat Andy Grabner (CDU) betonte nun gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT, dass die Zahlung des zuvor geforderten Lösegelds keine Option sei. Eine Kreisverwaltung, die zum öffentlichen Dienst gehört, könne sich nicht erpressen lassen. Außerdem gebe es keine Garantie, dass die Daten danach wie zuvor verwendet werden könnten – und die Gefahr von weiteren Lösegeldforderungen bestehe.

Das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt hatte bereits bekannt gegeben, dass sich die bisher unbekannten Angreifer gemeldet und Geld gefordert hatten, um die geklauten Daten wieder freizugeben. Die genaue Höhe nannte die Behörde nicht. Sechs- oder siebenstellige Beträge seien in solchen Fällen aber keine Seltenheit.

Erster Cyber-Katastrophenfall in Deutschland ausgerufen

Die Verwaltung ist seit dem Angriff praktisch arbeitsunfähig. Auf dem elektronischen Weg funktioniert nichts mehr, Anfragen können ausschließlich per Fax oder Telefon beantwortet werden. Viele Leistungen können ohne die geklauten Daten außerdem gar nicht erst bearbeitet werden. Nach dem Angriff wurden alle Server heruntergefahren – und der erste Cyber-Katastrophenfall in ganz Deutschland ausgerufen.

Landrat Grabner sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass jetzt vor allem finanzschwache Familien an ihr Geld kommen müssten. Mithilfe von Banken und Sparkassen sollen Unterhalts- und Wohngeldzahlungen trotzdem in die Wege geleitet werden. Die Auszahlung von Kinder- und Arbeitslosengeld durch die Familienkasse Sachsen-Anhalt-Thüringen sei durch den Cyberangriff übrigens nicht eingeschränkt, so die Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg. Da die Systeme des Landkreises und Jobcenters nicht zusammenhingen, sei die fristgerechte und vollständige Auszahlung der Leistungen gesichert.

IT-Spezialisten bekämpfen Virus

Bereits seit dem Wochenende kümmern sich nun IT-Spezialisten aus verschiedenen Bundes- und Landesbehörden um die Bekämpfung des Virus. Außerdem sollen neue PCs, Sicherheitskopien und Daten anderer Behörden der Verwaltung dabei helfen, wieder handlungsfähig zu werden.

Kommunalverwaltungen seien immer wieder Ziel von Hackerangriffen, so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds Gerd Landsberg gegenüber dem MDR. Wichtig sei vor allem, dass die IT-Systeme und Sicherheitsvorkehrungen auf dem neuesten Stand seien.

Hackerangriffe sind keine Seltenheit

Anfang des Jahres war die Uniklinik in Düsseldorf Opfer eines ähnlichen Angriffs geworden. 2020 hatte es allein in Sachsen-Anhalt rund 290 Anzeigen wegen Cyber-Kriminalität gegeben, so Michael Klocke vom LKA Sachsen-Anhalt. In den USA hatten Hacker sogar kurzzeitig die Kontrolle über eine Ölpipeline und eine städtische Wasserversorgung übernommen.

Dieses Thema im ProgrammMDR JUMP - Nachrichten | 13. Juli 2021 | 21:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP

40 Jahre Smiley – Das steckt hinter unseren Emojis

Wir alle nutzen sie, aber kaum jemand kennt die Geschichte hinter dem ersten Smiley. Es diente einst Computernerds in den USA als Hilfsmittel zum Erkennen von Witzen.

30 Tage im Bett für 11.000 Euro

Astronaut – das ist für viele ein Traumberuf. Doch die Auswahl ist hart. Vielleicht ist da die Teilnahme an einem aktuellen irdischen Raumfahrt-Experiment ganz interessant, zumal die auch noch gut bezahlt wird. Aber die Sache ist anstrengend.

Kind beruhigen leicht gemacht

Jedes Baby ist anders – aber irgendwann schreien sie alle mal. Und dann liegen früher oder später die Nerven bei den Eltern blank. Forschende aus Japan wollen jetzt ein wissenschaftliches Rezept entwickelt haben, wie das Kind zur Ruhe findet.

Tattoos selber stechen – mit einem Pflaster

Tattoos sind ein Dauerbrenner! Schon Gletschermann Ötzi hat sich vor 5000 Jahren Strichmuster in die Haut stechen lassen. Problem bisher: Man kann es nicht alleine machen. Bald soll das aber möglich sein.

Häagen-Dazs: Erneuter Eis-Rückruf

Bereits im Juni und August hatte der US-Hersteller General Mills Produkte der Eissorte Häagen-Dazs zurückgerufen. In den Waren wurde krebserregende Stoffe vermutet. Nun gibt es einen erneuten Rückruf.

Diese Feste und Märkte könnt ihr im Herbst in Mitteldeutschland erleben

Nicht nur das Oktoberfest in München darf in diesem Jahr wieder stattfinden, auch in Mitteldeutschland wird wieder gefeiert. Welche Volksfeste, Märkte und Kirmessen ihr in diesem Herbst noch erleben könnt.

MDR JUMP ist eine Produktion des Mitteldeutschen Rundfunks