Spielsucht: "Eine Million Euro Schulden – das kann ich nie abbezahlen"

Bundesweit wird die Zahl der Glücksspielsüchtigen auf bis zu 300.000 geschätzt. Einer von ihnen war Stefan Börner. Er hat den Weg aus der Sucht geschafft. Inzwischen lässt der Hallenser die Finger von Spielautomaten.  

Stefan Börner aus Halle war jahrelang süchtig nach Glücksspielen. Die Spiele waren für ihn eine Flucht in eine andere Welt, erzählt er uns im MDR JUMP-Interview:

Portrait Stefan Börner
Bildrechte: MDR JUMP

Man ist dabei ringsum alles zu vergessen. Ich habe an nichts anderes mehr gedacht als ans Spielen. Die blinkenden Lichter der Automaten - das war für mich eine Beruhigung. Der Automat war für mich wie ein Psychologe und der hat einen Wahnsinns-Stundensatz gehabt.

Irgendwann war die Sucht so stark, dass Börner anfing, seinen Chef zu beklauen. Sieben Jahre lang machte er das unbemerkt, dann wurde er zur Rede gestellt. Für ihn eine Befreiung, sagt er:

Endlich ist es raus, endlich bin ich entdeckt worden. Endlich kann ich mein wahres Ich zum Vorschein bringen. Endlich kann ich mich mal so geben wie ich wirklich war in den letzten Jahren.

Von seiner Sucht hat in seinem Umfeld nämlich kaum jemand etwas mitbekommen. Deshalb war es auch schwer für ihn, sich als Süchtiger zu outen:

Da spielen Scham- und Schuldgefühle eine ganz große Rolle. Aber meine Empfehlung aus meiner heutigen Sicht ist: Lasst es nicht bis um äußersten kommen. Habt den Mut und sagt, dass ihr ein Problem habt, dass ihr eventuell auch suchtkrank seid.

Ihm hat niemand den Kopf abgerissen. Im Gegenteil: Er hat sehr viel Hilfe erfahren und die Hilfe gibt er jetzt auch anderen:

Ich möchte Menschen helfen, die ein problematisches Spielverhalten haben, die glücksspielsüchtig sind. Sie sollen wissen, dass es da ein Hilfssystem gibt, wo sie das Gespräch suchen können. Das geht alles anonym bei uns.

Momentan ist der Hallenser stabil, aber die Gefahr eines Rückfalls ist da:

Ich kann nicht versprechen, nicht wieder spielen zu gehen. Dieses Versprechen kann ich nicht machen, da würde ich mein Gegenüber und auch mich selbst belügen, weil wir reden hier von einer nicht heilbaren Krankheit. Aber ich kann alles versuchen, um einen Rückfall zu verhindern.

Börner weiß, was er in brenzligen Situationen tun muss. In einer Therapie hat er gelernt, mit dem Suchtdruck gelassen umzugehen. Seine Motivation von den Spielautomaten fernzubleiben ist die Arbeit in einer Selbsthilfegruppe in Halle.

Solltest auch du ein Problem mit Glücksspiel haben, findest du Hilfe:

- Beratungstelefon zur Glücksspielsucht von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Montag bis Donnerstag 10-22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10-18 kostenlos 0800 137 27 00

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 17. Mai 2022 | 19:20 Uhr

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