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Jan Böhmermann, Fynn Kliemann und der Maskenbetrug

Stand: 06. Mai 2022, 15:37 Uhr

Im Jahr 2020 produzierte Influencer und Unternehmer Fynn Kliemann "faire" Schutzmasken in Europa und verkaufte Millionen davon. Angeblich, denn Jan Böhmermann will in der aktuellen Folge "ZDF Magazin Royale" aufgedeckt haben: Die Masken kommen nicht aus Europa.

Fynn Kliemann ist ein Mann mit vielen Talenten. Er ist nicht nur Sänger, Synchronsprecher, Handwerker und Influencer, sondern auch Unternehmer. Mehrere Firmen gehören dem Zevener, die unter anderem Klamotten produzieren. Als im Jahr 2020 die Pandemie ausbricht, sollen die jedoch warten. Stattdessen wollen Fynn und sein Geschäftspartner Tom Illbruck unter der Firma „Global Tactics“ Masken produzieren. Was dem Multitalent dabei am wichtigsten ist: Fairness.

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Die Maske kostet 1/10 von den Dingern der überteuerten Profitgeier und rettet ganz nebenbei Arbeitsplätze bei unserem Produzenten in Europa, der sonst aufgrund der Folgen der Ausbreitung des Coronaviruses hätte schließen müssen.

Schreibt er auf Instagram. Dass er damit angeblich kaum Geld macht, spielt für ihn keine Rolle. An einer solchen Krise sollte man sich laut Kliemann nicht bereichern. Er und sein Geschäftspartner wollen damit gar kein Geld verdienen. 100.000 Masken spendeten die zwei sogar an Flüchtlingscamps. Jan Böhmermann und sein Team von "ZDF Magazin Royale" schien das wohl zu gut, um wahr zu sein. Sie recherchierten und stellen Fynn Kliemann nun zur Rede.

Alles nur ein Betrug?

"Fynn Kliemann ist Alles", sagt Jan Böhmermann zu Anfang der aktuellen Folge des Magazins. Und eine Zeit lang beschreibt er, wie toll Kliemann sei und dass ihn jeder lieben würde. Doch dann wendet sich das Blatt, denn Böhmermann hat eine ganz Mappe voller Beweise auf dem Tisch:

Nach Recherchen des ZDF Magazin Royale sind Darstellungen von Fynn Kliemann und Tom Illbruck zu Produktionsorten und dem Verkauf zum Selbstkostenpreis der Masken falsch.

heißt es auf der Webseite, die das Magazin zu der Folge und dem Fall erstellt hat. Hier kann man alles nochmal nachlesen, was Jan Böhmermanns Team über Kliemann angeblich finden konnte und es wird kein Blatt vor den Mund genommen.

Fynn Kliemann log über seinen geplanten Profit, betrog seine Kund:innen und täuschte die Öffentlichkeit und seine Fans.

Die in Europa produzierten Masken, seien eigentlich in Bangladesh und Vietnam produziert worden. Beweise würden in verschiedenen Formen vorliegen:

Das zeigen Lieferscheine, E-Mails, iMessages, Auftragsbestätigungen, Schnittmuster, Videos und Fotos aus den jeweiligen Textilfabriken sowie ein Urteil des Landgerichts Kleve. WhatsApp-Nachrichten von Fynn Kliemann belegen außerdem, dass er persönlich die Maskenproduktion in Asien in die Wege geleitet hat.

Das habe "Global Tactics" auch vor seinem Großkunden „About You“ vertuscht. Dort werden die Masken ebenfalls verkauft.

Auch die gespendeten Masken hätten einen bitteren Beigeschmack.

Darüber hinaus verschickten Fynn Kliemann und Tom Illbruck 100.000 unbrauchbare Masken aus Bangladesch, die ihnen der Hersteller umsonst überlassen hatte, an Geflüchtetenunterkünfte in Griechenland und Bosnien.

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Illbruck soll die Nachfragen des Magazins vor der Sendung schriftlich beantwortet haben, Kliemann entschied sich stattdessen ein 30-minütiges Video für seine 800.000 Follower und Followerinnen auf Instagram zu veröffentlichen. Zu der Folge und den Anschuldigungen haben sich bisher weder Fynn Kliemann noch Tom Illbruck offiziell geäußert.