Bildrechte: dpa

Schlafen unter freiem Himmel: Sächsische Schweiz sperrt ab sofort "Boofen" bis Juni

Stand: 20. Mai 2022, 09:57 Uhr

Wandern kann ganz schön müde machen. Manche Wanderer entscheiden sich deshalb dafür, ihre Zelte direkt vor Ort aufzuschlagen, also zu "boofen". Dafür gelten ab heute allerdings neue Regeln.

Nach einem langen Wandertag ins Zelt oder in den Schlafsack hüpfen, um am nächsten Tag in der freien Natur pünktlich zum Sonnenaufgang aufzuwachen - für manche gibt es nichts Schöneres. Für diese Menschen bietet der Nationalpark Sächsische Schweiz eigentlich 58 Freiübernachtungsstellen, sogenannte „Boofen“ an. Diese offiziellen Boofen sind als solche gekennzeichnet und liegen außerhalb der Kernzone des Nationalparks. An anderen Stellen ist das Übernachten streng untersagt. Doch auch diese Stellen sind nun nicht mehr das ganze Jahr über zugänglich.

Boofen während Vogelbrutzeit tabu

Das Boofen, also das Übernachten unter Felsvorsprüngen im Elbsandsteingebirge soll Naturliebhabern zugänglich bleiben. Allerdings ohne die Tiere zu stören. Damit die im Park beheimateten Vögel in Ruhe brüten können, soll ab heute erstmalig das Boofen befristet verboten werden und bis zum 15. Juni anhalten. In den kommenden Jahren bleiben dann jährlich vom 1. Februar bis 15. Juni alle Freiübernachtungsstellen im Nationalpark gesperrt. Das haben die Nationalparkverwaltung und der Landesverband Sachsen des Deutschen Alpenvereins e.V. gemeinsam bekanntgegeben.

Das Gebiet wird dadurch in dieser empfindlichen Zeit deutlich beruhigt und geschützte Tierarten können ihren natürlichen Lebensraum in den Fels- und Waldgebieten des Nationalparks wieder besiedeln und für die Aufzucht der Jungtiere nutzen.

Probleme durch illegales Übernachten

Über das Boofen wird schon seit einigen Jahren debattiert. Allein im Jahr 2019 musste der Nationalpark einen Rückgang bei den drei wichtigsten Vogelarten Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch verzeichnen.

Viele Indizien sprechen dafür, dass diese Entwicklung in erheblichem Maße mit der nächtlichen Anwesenheit von Menschen im Nationalpark verbunden ist. Die gestiegene Anzahl der Boofer, vor allem derjenigen außerhalb der zugelassenen Boofen, 17 Waldbrände im Jahr 2018, die von illegalen Lagerfeuern ausgingen und immer mehr Müll im Nationalpark sind deutliche Anzeichen, dass hier eine Belastungsgrenze erreicht ist.

heißt es in einer Stellungnahme des Nationalparks. Ursprünglich war ein sogenanntes Boofen-Ticket geplant. Bei dieser Online-Reservierung wäre pro Nacht nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen verfügbar gewesen. Diese Lösung sei aber "als weniger praktikabel" eingeschätzt worden. Die Nationalparkverwaltung stellt klar:

Ob die jetzt vorliegende Lösung einer temporären Sperrung zum gewünschten Erfolg führen und der Abwärtstrend insbesondere der Brutvogelzahlen gestoppt werden kann, soll nach drei Jahren gemeinsam evaluiert werden.

Einzelne Boofen müssten eventuell länger als bis Mitte Juni gesperrt bleiben.

Dieses Thema im ProgrammMDR JUMP Nachrichten | 20. Mai 2022 | 07:55 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP

40 Jahre Smiley – Das steckt hinter unseren Emojis

Wir alle nutzen sie, aber kaum jemand kennt die Geschichte hinter dem ersten Smiley. Es diente einst Computernerds in den USA als Hilfsmittel zum Erkennen von Witzen.

30 Tage im Bett für 11.000 Euro

Astronaut – das ist für viele ein Traumberuf. Doch die Auswahl ist hart. Vielleicht ist da die Teilnahme an einem aktuellen irdischen Raumfahrt-Experiment ganz interessant, zumal die auch noch gut bezahlt wird. Aber die Sache ist anstrengend.

Kind beruhigen leicht gemacht

Jedes Baby ist anders – aber irgendwann schreien sie alle mal. Und dann liegen früher oder später die Nerven bei den Eltern blank. Forschende aus Japan wollen jetzt ein wissenschaftliches Rezept entwickelt haben, wie das Kind zur Ruhe findet.

Tattoos selber stechen – mit einem Pflaster

Tattoos sind ein Dauerbrenner! Schon Gletschermann Ötzi hat sich vor 5000 Jahren Strichmuster in die Haut stechen lassen. Problem bisher: Man kann es nicht alleine machen. Bald soll das aber möglich sein.

Häagen-Dazs: Erneuter Eis-Rückruf

Bereits im Juni und August hatte der US-Hersteller General Mills Produkte der Eissorte Häagen-Dazs zurückgerufen. In den Waren wurde krebserregende Stoffe vermutet. Nun gibt es einen erneuten Rückruf.

Diese Feste und Märkte könnt ihr im Herbst in Mitteldeutschland erleben

Nicht nur das Oktoberfest in München darf in diesem Jahr wieder stattfinden, auch in Mitteldeutschland wird wieder gefeiert. Welche Volksfeste, Märkte und Kirmessen ihr in diesem Herbst noch erleben könnt.

MDR JUMP ist eine Produktion des Mitteldeutschen Rundfunks