30 Tage im Bett für 11.000 Euro

Astronaut – das ist für viele ein Traumberuf. Doch die Auswahl ist hart. Vielleicht ist da die Teilnahme an einem aktuellen irdischen Raumfahrt-Experiment ganz interessant, zumal die auch noch gut bezahlt wird. Aber die Sache ist anstrengend.

Eine junge blonde Frau schläft
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Im All trainieren echte Astronauten, etwa auf der Internationalen Raumstation, nach einem strengen Plan, um ihre Körper so fit wie möglich zu halten. Doch wie lassen sich Probleme noch vermeiden? An solchen Lösungen forscht unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Und dafür werden regelmäßig Probanden für sogenannte Bettruhestudien gesucht, die zumindest auf den ersten Blick gar nicht wenig Geld dadurch verdienen, dass sie – ebenfalls auf den ersten Blick – nichts tun.

Beine höher als der Kopf

Zum Hintergrund: Bei den Experimenten werden die Bedingungen in der Schwerelosigkeit so gut es geht nachempfunden – und zwar dadurch, dass die Probanden die ganze Zeit liegen. Das sorgt dafür, dass sich die Flüssigkeiten im Körper gleichmäßig verteilen. Um einen Effekt wie im All zu erzeugen, wird das Bett außerdem noch um sechs Grad geneigt. Das bedeutet, dass die Beine höher liegen als der Kopf.

In dieser Lage müssen die Teilnehmer dann einen ganzen Monat verbringen. Sie können immerhin zwischen Bauch-, Rücken- und Seitenlage wechseln – wenn sie es schaffen, dass immer eine Schulter Kontakt zur Matratze hat. Das heißt: Duschen, Essen, Toilettengang, Freizeitgestaltung, alles das muss in ihrem Einzelzimmer im Liegen stattfinden. Besuch darf man keinen bekommen – und noch nicht einmal ein Kopfkissen gibt es.

Insgesamt dauert die Studie 59 Tage - 15 Tage Eingewöhnung, 30 Tage Bettruhe und 14 Tage Erholung und Reha, um wieder fit für den Alltag zu werden. Gerade ist eine neue Ausschreibung raus, für eine Studie im kommenden Jahr.

Fahrradfahren im Liegen

Wer ausgewählt wird und mitmacht, bekommt insgesamt 11.000 Euro, die werden allerdings nicht auf einmal ausgezahlt. Und die strengen Regeln müssen immer eingehalten werden: „Der Tagesablauf ist durchgetaktet. Manchmal beginnen schon um 7 Uhr medizinische Untersuchungen oder wissenschaftliche Tests, bisweilen enden sie erst nach 22 Uhr“, heißt es beim DLR. Mittagsschlaf ist nicht erlaubt. Die Mahlzeiten müssen aufgegessen werden - und es gibt auch nur das, was auf den Teller kommt. Eine für jeden individuell angepasste Essens- und Getränkemenge soll dafür sorgen, dass man sein Gewicht hält. Trainiert wird auch, auf einem Fahrradergometer – und ebenfalls im Liegen.

Die Teilnahme ist keine Kleinigkeit, sondern eine echte Herausforderung“, so Edwin Mulder, vom DLR. „Aber es ist natürlich auch etwas Außergewöhnliches, bei einem Projekt mitzumachen, das so wichtig für die Raumfahrt ist. Unsere Probandinnen und Probanden sind Teil eines speziellen kleinen Clubs, der ‚terrestrischen Astronauten‘!“

Gesucht werden deutschsprachige Personen im Alter zwischen 24 und 55 Jahren. Man darf nicht rauchen und sollte eine Körpergröße von 1,53 bis 1,90 Metern haben - sowie einen Body-Mass-Index (BMI) zwischen 19 und 30.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 18. September 2022 | 08:40 Uhr

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