Monatlich 1.200 Euro: Teilnehmer für Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen gesucht

Eine Grundsicherung, die an keine Bedingung geknüpft ist - das steckt hinter dem bedingungslosen Grundeinkommen. Eine Studie will nun herausfinden, wie sich ein Grundeinkommen auswirken würde und sucht Teilnehmer.

87038393
Bildrechte: imago/Jürgen Heinrich

Egal ob Hausfrau, Krankenschwester, Mechaniker, Millionär oder Börsenmakler: Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein monatlicher Betrag, der jedem zustehen würde - ohne bestimmte Bedingungen. Diskussionen um die Einführungen gibt es schon seit einigen Jahren. Bekannte Unterstützer des Grundeinkommens sind unter anderem die Linken-Chefin Katja Kipping und der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner.

Einige Länder haben das Grundeinkommen bereits getestet. 2017 hat etwa Finnland einen zweijährigen Test gestartet und in Brasilien steht es sogar in der Verfassung, ist aber nicht bedingungslos.

MDR-Umfrage: Dreiviertel würden weiter arbeiten

Eine Umfrage des MDR zeigt: Dreiviertel der Menschen würde auch mit dem bedingungslosen Grundeinkommen weiter arbeiten gehen. 32 Prozent von ihnen würde aber an ihrer Arbeitssituation etwas ändern, wie zum Beispiel weniger Stunden arbeiten oder sogar einen anderen Beruf wählen. Und mehr als die Hälfte der Befragten hält die Einführung für sinnvoll und 56 Prozent glauben, dass sie durch das bedingungslose Grundeinkommen glücklicher werden würden.

Studie: Monatlich 1.200 Euro

Drei Jahre lang sollen die Teilnehmer der Studie monatlich ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.200 Euro bekommen. Der Initiator des Vereins „Mein Grundeinkommen“ Michael Bohmeyer erklärt das Ziel der Studie:

Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen.

Durchgeführt wird die Langzeitstudie vom Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), dem Verein „Mein Grundeinkommen“, Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und der Kölner Universität. Los geht's im Frühjahr 2021. Durch Spenden wird das Projekt finanziert, dafür haben 143.700 Menschen Geld gegeben.

In den drei Jahren gibt es dann regelmäßige Befragungen durch Wissenschaftler. Sie interessiert unter anderem, wie sich der Alltag durch das Geld verändert, besonders in den Bereichen Arbeitsleben, Finanzen, Familie, soziale Kontakte und Psyche. Zur Analyse des Stresslevels werden eventuell auch Haarproben genommen und es kann zu Telefoninterviews kommen.

Teilnehmer gesucht

Für die Studie werden Teilnehmer gesucht. Die Voraussetzungen: Man muss seinen ersten Wohnsitz in Deutschland haben und mindestens 18 Jahre alt sein. Ausgesucht und ausgelost werden 120 Teilnehmer, wenn sich eine Million Menschen beworben haben. Mehr als 400.000 Bewerber sind es bereits.

1.380 Menschen werden außerdem für eine Vergleichsgruppe gesucht, die aber kein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten. Diese Teilnehmer bekommen aber eine Aufwandsentschädigung und können unter Umständen in die Grundeinkommensgruppe nachrücken. Im November erfahren die Bewerber, ob und in welcher Gruppe sie sind.

Das bedingungslose Grundeinkommen der Studie ist steuerfrei, aber Sozialleistungen könnten dann gestrichen oder gemindert werden.

Gegner des Grundeinkommens

Es gibt auch Gegenstimmen zum Grundeinkommen: Gegner befürchten, dass die Motivation der Menschen sinken könnte und sie so unglücklicher werden könnten. Außerdem seien auch die Kosten ein Faktor: Ein Grundeinkommen von 1.000 Euro monatlich würde für etwa 83 Millionen Bundesbürger fast eine Billion Euro kosten. Dabei liegen die bisherigen Staatsausgaben laut Statistischem Bundesamt schon bei etwas 1,5 Billionen Euro im Jahr.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 18. August 2020 | 14:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP