Steigende Preise für Baumaterial belasten junge Familien

Ein eigenes Haus ist für viele ein Traum – doch nicht nur gestiegene Grundstückspreise machen ihn für immer weniger junge Familien bei uns in der Region erreichbar. Ein Problem sind vor allem die explodierenden Baukosten.

Arbeiter auf einer Eigenheim-Baustelle.
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Statistiker zählen ja immer ziemlich genau nach, so auch die in Sachsen-Anhalt. Das zuständige Landesamt in Halle hat sich zum Beispiel mal das Thema Bauen angesehen. Demnach wurden im vergangenen Jahr 5098 Bauvorhaben im Land genehmigt. Das ist ein Zuwachs um 10,1 Prozent im Vergleich zu 2019. Noch spannender aber: Die geplanten Baukosten kletterten um 47,9 Prozent. Das war der höchste Wert der letzten zehn Jahre.

Das heißt zwei Dinge. Erstens, es wird viel gebaut in unserer Region. Und Bauen ist, zweitens, sehr, sehr teuer. In diesem Jahr dürfte sich der Trend auf jeden Fall fortsetzen. Und für eine Menge junge Familien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird das zum Problem: Die steigenden Bau- und Rohstoffpreise lassen den Traum vom Eigenheim im Zweifel in die weite Ferne rücken. Ein Hausbau ist ja ohnehin eine große finanzielle Belastung, auch angesichts der auch hier bei uns im Osten zuletzt deutlich gestiegenen Grundstückspreise.

Neun von zehn Baufirmen berichten von Preissteigerungen

Und nun kommt noch ein weiterer Kostentreiber hinzu: Seit Monaten klagen ja die Handwerker über explodierende Materialkosten, vor allem bedingt durch den hohen Holzpreis. „Es geht derzeit nur in eine Richtung: nach oben“, hat auch Tischler Hartmut Blödtner,  Landesinnungsmeister der Tischler in Sachsen-Anhalt, geklagt. Rund 90 Prozent der Mitgliedsunternehmen des Bauindustrieverband Ost e.V. in Sachsen-Anhalt und Sachsen berichten aktuell von Lieferschwierigkeiten – und nicht nur bei Holz (75 Prozent der Firmen betroffen), sondern auch bei Kunststoffen (sogar 77 Prozent), Stahl (66 Prozent) und Dämmstoffen (51 Prozent).

Und zahlen müssen das im Normalfall am Ende die Bauwilligen – zumindest, wenn sie mit den Handwerksfirmen keine langfristigen Verträge mit Festpreisen für die Baustoffe schließen konnten. Das war früher Standard, verändert sich aber gerade. Bisher war es so, dass man von der Baufirma ein verbindliches Preisangebot bekommt – und bei einer nachträglichen Preisanpassung nicht mitspielen muss. Doch mehr und mehr Unternehmen machen das bei länger dauernden Bauprojekten inzwischen anders. „Wir fügen wieder Materialpreisgleitklauseln ein, um uns eine gewisse Sicherheit zu schaffen. Wenn das Material teurer wird, dann muss der Kunde einfach die Teuerung bezahlen“, sagt zum Beispiel der Dachdeckermeister Andreas Schmuck aus dem thüringischen Zella-Mehlis.

Einzelne Familien beerdigen schon ihre Träume

Aus Sicht der Unternehmen ist das nachvollziehbar. Wenn sie sich wegen steigender Preise massiv verkalkulieren, geht es ja auch hier um Existenzen. Aber für die Bauinteressenten ist das natürlich ein massives Problem. In manchen Fällen führt das schon dazu, dass junge Familien ihre Baugrundstücke wieder zurückgeben, weil sie sich den Bau nicht mehr leisten können oder weil ihnen unsichere Budgets zu große Sorgen machen. Ein genereller Trend bei uns in der Region scheint das aber nicht zu sein, zumindest noch nicht. 

„Wer kann, tut jetzt gut daran, sein Bauen zeitlich nach hinten zu verschieben - mindestens bis ins vierte Quartal. Bestenfalls bis sich der Markt beruhigt hat, rät aber der Architekt Stephan Schwarzbold aus Chemnitz, der als Energieberater bei der Verbraucherzentrale Sachsen arbeitet.

Die Politik hat staatliche Eingriffe in den Holzmarkt vorerst abgelehnt. So hat Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig erklärt, Rufe nach Exportregulierungen oder Preisbeschränkungen gebe es schnell. Bei solchen Forderungen müsse man auch die Konsequenzen bedenken. Deutschland sei als Exportland auf faire Bedingungen am Handelsmarkt angewiesen, so Dulig.

Denn die hohen Holzpreise bei uns haben nicht zuletzt internationale Gründe. In den USA und in China gab es zuletzt einen massiven Bauboom. Das ließ die Preise steigen. Interessant ist, dass die durch Dürre und Borkenkäfer gebeutelten Waldbesitzer bei uns in der Region davon aber de facto nicht profitieren können. Die Preissteigerungen beziehen sich auf bearbeitetes Holz.

Gute Nachrichten aus den USA

Was kann man nun tun? Wirtschaftsminister Peter Altmaier fordert, dass in Deutschland wieder mehr Fichten gefällt werden dürfen. Da gab es wegen der Dürrefolgen ein Limit, weil zwischenzeitlich zu viel Holz auf dem Markt war. Aber das Problem ist ja nicht das Rundholz aus dem Wald, es muss auch geschnitten sein, damit es auf der Baustelle verwendet werden kann. Hier hilft der Vorstoß erst einmal wenig.

Ein Stück weit wird die Politik deswegen wohl auch hoffen, dass sich das Problem früher oder später von selbst löst. Und in der Tat, aus den USA gibt es gute Nachrichten: Hier ist der Holzpreis zuletzt wieder auf das Vorjahresniveau abgesackt. Wie nachhaltig diese Preiskorrektur allerdings angesichts der im Land lodernden Waldbrände ist, und ob sie uns hier überhaupt erreicht, wird man sehen müssen.

In jedem Fall ist es für die bauinteressierten jungen Familien in unserer Region wichtig, dass sich die Preise zumindest stabilisieren. Schließlich verknüpfen die Städte auch große Hoffnungen mit Neubauprojekten. So will man etwa in Halle die Abwanderung ins Umland stoppen. Wie die Stadt mitteilte, werden derzeit Flächen von 96 Hektar für den Bau von 3.500 neuen Eigenheimen entwickelt, unter anderem in Bruckdorf, Lettin-Süd und auf dem Dautzsch.

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