Ausbildungsjahr 2021: Künftige Azubis und Betriebe finden oft nicht zueinander

Immer weniger Menschen beginnen eine Ausbildung. Erstmals seit der Deutschen Einheit lag die Anzahl der Einsteiger dabei unter einer halben Million – im Jahr davor waren es noch rund 60.000 Menschen mehr. Mehr Stellen als Nachfrage gab es aber auch schon vor der Pandemie.

Ein Handwerker schweißt etwas, Funken entstehen.
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Den Betrieben fehlen immer mehr Fachkräfte, viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. Damit Unternehmen trotz der Pandemie weiterhin ausbilden können und nicht weniger Plätze anbieten, wurde im August 2020 die Ausbildungsprämie eingeführt. Im Juni wurde sie dann teilweise verdoppelt. Betriebe können nun, wenn sie trotz der Pandemie wie zuvor ausbilden, 4.000 Euro je Ausbildungsplatz bekommen. Für zusätzliche Stellen gibt es sogar 6.000 Euro.

Zusammen mit der Infokampagne „Sommer der Berufsausbildung“ soll so einem Corona-Jahrgang entgegengesteuert werden. Und obwohl es vergleichsweise viele Stellen gibt, bleiben viele Bewerber ohne einen Ausbildungsplatz – so wie auch schon vor der Pandemie.

Betriebe und junge Leute finden oft nicht zusammen

Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Einerseits ist das Interesse an den verfügbaren Betrieben nicht gleich hoch, da einige Ausbildungsplätze deutlich beliebter sind als andere. Einige Arbeitgeber vermissen wiederum maßgebliche Qualitäten bei den Bewerbern. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung sind diese „Passungsprobleme“ schon seit einigen Jahren eine ziemliche Herausforderung.

Durch die Pandemie ist das nicht einfacher geworden. Betriebe bieten weniger Praktika an, Messen zur Berufsorientierung können nicht stattfinden und Berater können nicht mehr in den Schulen vorbeischauen. Laut dem Vorsitzenden der Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit in Sachsen, Klaus-Peter Hansen, sind so auch die persönlichen Beratungen der Arbeitsagenturen eingeschränkt worden.

Klaus-Peter Hansen
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Wir appellieren, dass alle an einer Ausbildung interessierten jungen Menschen unsere Online-Angebote nutzen und sich bei der Jugendberufsagentur melden. Nur dann können wir die Lehrstellen möglichst passgenau vermitteln und dabei helfen, dass kein Jugendlicher verlorengeht.

Dass Bewerber und Betriebe nicht zusammenfinden, liegt aber auch zu großen Teilen an der Beliebtheit. So fehlen Beschäftigte in Reinigungsberufen oder in Hotel- und Gaststätten. Auch das Handwerk hat immer wieder Probleme dabei, seine Ausbildungsplätze zu füllen. Für den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer in Dresden, Andreas Brzezinski, bietet diese Branche aber gute Berufsperspektiven.

Vom Schüler zum Lehrling, vom Gesellen zum Meister und zum Firmenchef – das ist die aussichtsreiche Karriereleiter im Handwerk.

Kfz-Mechatroniker und Verkäufer in Mitteldeutschland am beliebtesten

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist der Ausbildungsberuf des Kfz-Mechatronikers bei Männern äußerst beliebt. Viele Frauen wünschen sich eine Karriere im Verkauf.

Viel geändert hat sich an der Beliebtheit in den letzten Jahren nicht: Vor drei Jahren war der Beruf des Verkäufers bereits der beliebteste Ausbildungsberuf im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt, so die Agentur für Arbeit. Und auch in Leipzig lag diese Ausbildungsstelle 2019 auf dem ersten Platz der Frauen.

Bewerbungsphase

Wo es viele junge Menschen nun nach ihrem Abschluss hinzieht, bleibt offen. Die meisten Ausbildungen starten im August oder September. Unterschieden wird dabei aber auch noch zwischen den schulischen (hierbei gibt es feste Einschreibungstermine) und den dualen Ausbildungen.

Für Bewerber gilt: wenn es sich um einen besonders beliebten Platz handelt, sollten die Unterlagen auf jeden Fall rechtzeitig eingereicht werden. Viele Branchen haben eigene Vorgaben, wenn es um ihre offenen Stellen und Fristen geht. Es ist also nicht verkehrt, sich rechtzeitig umzuhören. Einige Betriebe stellen aber auch noch recht kurzfristig ein. Die Faustregel bei der Bewerbungsphase: größere Unternehmen stellen oft früher ein, kleinere Betriebe sind auch mal flexibler.

Versicherungen, Banken und der öffentliche Dienst haben die längsten Bewerbungsfristen. Hier sollten sich Bewerber rund ein Jahr vorher um einen Platz bemühen. Im Handwerk und Handel reicht währenddessen in den meisten Fällen die Vorlaufzeit von einem halben Jahr aus.

Hinweise für das Schreiben der Bewerbung, dem Zeitpunkt des Einreichens und eventuelle Auswahlverfahren hat die Agentur für Arbeit auf ihrer Webseite bereitgestellt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 09. Juli 2021 | 19:20 Uhr

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