Heißhunger auf Süßes oder Fast Food: Ist die Ursache ein Nährstoffmangel?

Manchmal futtern wir aus Langeweile, manchmal aus Frust – aber es gibt auch Situationen, da möchte euch der Körper mit einem Heißhungergefühl etwas ganz Konkretes sagen.

Chickenwings mit Pommes
Bildrechte: imago images / agefotostock

Irgendwann ist es vorbei mit der Selbstdisziplin. Und dann muss halt wahlweise die Chipstüte dran glauben, die Gummibärchen, das Eis. Oder man legt sich ein Steak in die Pfanne. Heißhunger hat wohl jeder von uns schon einmal erlebt. Und nachdem die erste Gier befriedigt ist, kommt oft das schlechte Gewissen. Denn eventuelle persönliche Ziele fürs Abnehmen sind mit zusätzlich eingefahrenen Kalorien eher nicht so gut zu erreichen.

Manchmal isst man aus Frust, manchmal, um die Stimmung zu verbessern. Das ist allerdings auf Dauer kein Zustand. Hier ist es wichtig, an der wahren Ursache des Problems zu arbeiten. In seltenen Fällen stecken auch genetische Ursachen hinter den Attacken. Doch oft hat der scheinbar unstillbare Appetit auch banalere Gründe.

„Heißhunger entsteht oft im Leerlauf, etwa wenn wir abends nach Hause kommen und nichts zu tun haben", sagt der Ernährungswissenschaftler Martin Hofmeister von der Verbraucherzentrale. Mit einem Hungergefühl will uns der Körper ganz generell sagen, dass er aktuell Bedarf an zusätzlichen Nährstoffen sieht.

Leider trickst sich der Organismus dabei manchmal selbst aus - und sieht einen Mangel, wo eigentlich gar keiner ist. Zum Beispiel, wenn wir Süßigkeiten essen: Dann steigt unser Blutzucker schnell an und fällt anschließend ebenso schnell wieder ab. Und wenn das passiert, dann vermeldet der Körper einen vermeintlichen Nährstoffmangel - obwohl dieser in der Realität gar nicht existiert.

Manchmal liegt auch ein realer Mangel vor

In manchen Fällen kann hinter Heißhunger aber auch ein tatsächlicher Mangel stecken. In diesem Fall hilft es, gut in sich hineinzuhören, um das Problem gezielt angehen zu können. Los geht’s mit der entscheidenden Frage, auf welche Art von Lebensmittel man denn gerade so große Lust hat.

Hunger auf Fast Food und Fettiges könnte auf einen Mangel an Fettsäuren hindeuten, die unter anderem dafür sorgen, dass der Körper bestimmte Vitamine überhaupt verarbeiten kann. Statt aus Fast Food sollten diese Fettsäuren im Idealfall aber lieber aus Walnüssen, Macadamia oder kalt gepressten Ölen kommen, zum Beispiel Lein- oder Rapsöl. Das ist deutlich gesünder.

Kaum zu bändigender Appetit auf Süßes wiederum könnte auf einen generellen Mangel an Energie hindeuten – wenn man, siehe oben, nicht gerade erst etwas Süßes gegessen hat. Wenn man speziell an Schokolade riesiges Interesse hat, könnte das auch auf einen Zink- oder Magnesiummangel hinweisen. Denn Kakao ist im Vergleich der Lebensmittel besonders magnesiumreich. Wichtig ist das Element zum Beispiel für Muskeln und Nerven. Zink wiederum, auch im Kakao enthalten, ist entscheidend für das Immunsystem.

Allerdings eignen sich Nüsse oder Sonnenblumen- und Kürbiskerne besser, um den Körper mit diesen Mineralstoffen zu versorgen. Und wenn es denn unbedingt Schokolade sein muss, dann bitte wenigstens solche mit wenig Zucker und einem hohen Kakaoanteil.

Zu wenig Salz ist ein Problem, zu viel ebenso

Ein Heißhunger auf Chips, Salzstangen oder Pommes könnte übrigens auf einen weiteren konkreten Mangel hindeuten – in diesem Fall könnte euch euer Körper auffordern, auf diese Weise für einen Nachschub an Natrium zu sorgen. Dieses Element ist Teil von Kochsalz. Vor allem wenn wir – wie in diesen Tagen – viel schwitzen, kann unser Körper zu viel Natrium verlieren, dass wir unter anderem für die Regulation des Wasserhaushalts brauchen. Auch an Tagen, nachdem ihr viel Alkohol getrunken habt, kann euer Organismus zusätzliches Natrium gut brauchen. Auf gesunde Art und Weise könnt ihr euch das zum Beispiel aus Oliven oder Seefisch holen. Wichtig übrigens: Zu viel Salz ist für den Körper schädlich, unter anderem kann es zu erhöhtem Blutdruck führen.

Wenn ihr wiederum einen Heißhunger auf Fleisch verspürt, dann kann das auch ein Hinweis darauf sein, dass euer Körper Eisen oder B-Vitamine braucht – vor allem, wenn ihr euch gleichzeitig müde und kraftlos fühlt. Das gilt als eines der Symptome von Eisenmangel. Der Stoff wird im Körper unter anderem dafür gebraucht, dass das Blut den Sauerstoff gut transportieren kann. Und Vitamin B12, ebenfalls im Fleisch enthalten, spielt unter anderem für die Bildung roter Blutkörperchen eine Rolle.

Langsam essen!

Ganz unabhängig von einem möglichen Mangel – was solltet ihr tun, wenn er dann das nächste Mal wieder kommt, der Heißhunger? Sinnvoll wäre es, wenn ihr zu den richtigen Speisen greift. Generell gilt, dass Speisen mit viel Eiweiß und langsam verdaulichen Kohlenhydraten den Hunger nachhaltiger vertreiben. Greift also am besten zu Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten oder Gemüse. Und esst langsam, schlingt es nicht runter. Das hilft, dass sich das Sättigungsgefühl schneller einstellt.

Und noch ein Trick vom Ernährungsfachmann: Weil Heißhungerattacken meist nur kurze Zeit dauern, kann es sich lohnen, sie auszusitzen, zum Beispiel mit dem Putzen der Zähne oder dem Kauen von Kaugummi. „Am besten eignen sich dazu zuckerfreie Sorten mit Pfefferminzgeschmack", sagt der Experte Hofmeister.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 24. Juli 2022 | 12:58 Uhr

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