Gibt es bei der Arbeit Hitzefrei?

36 Grad und es wird noch heißer. Toller Song, die Temperaturen sind es eher nicht. Vor allem, wenn man so hohe Werte auf Arbeit aushalten muss. Oder muss man es gar nicht? Diese Hitzeregeln gelten im Job.

Thermometer
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Kein Recht auf Hitzefrei

Tatsächlich findet sich im Arbeitsschutzgesetz keine klare Regelung, dass Angestellte ab einer bestimmten Temperatur nach Hause gehen können. Das stört zum Beispiel Norbert Reuter von der Gewerkschaft Verdi:

Bei extremer Hitze fordern wir längere Pausen oder ein früheres Ende der Arbeit (Hitzefrei), auch wenn darauf kein rechtlicher Anspruch besteht.

Hitze im Büro
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Wichtig: Wer meint, es ist ihm zu heiß und er geht jetzt einfach, der riskiert eine Abmahnung oder gar eine Kündigung. So ganz ausgesetzt sind wir den hohen Temperaturen aber nicht. Die Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit ihrer Angestellten am Arbeitsplatz nicht gefährdet wird und das drückt sich in konkreten Zahlen aus.

Diese Temperaturgrenzen sind wichtig

Die Arbeitsstättenregel ASR 3.5. schreibt nämlich vor, dass die Firma ab folgenden Temperaturen aktiv werden muss.

26 Grad: Arbeitgeber sollten etwas gegen die Wärme unternehmen. Das können Wärmeschutzfolien, Reflektoren oder auch Rollläden an den Fenstern sein. Auch eine Bürobepflanzung kann für Abkühlung sorgen.

30 Grad: Geht es über diesen Wert, müssen Ventilatoren, Klimaanlagen und ähnliche Geräte für Abkühlung sorgen. Getränke müssen bereitgestellt werden. Gibt es aus formalen Gründen eine Kleiderordnung, kann diese gelockert werden. Für Schutzbekleidung gilt das nicht.   

35 Grad: Laut Bundes­anstalt für Arbeits­schutz und Arbeits­medizin ist ein Raum ab diesem Wert zum Arbeiten nicht mehr zumutbar. Der Chef kann seine Angestellten in einem anderen, kühleren Raum arbeiten lassen. Geht das nicht, kann er ihnen auch anbieten, früher oder später zu arbeiten. Die Verlegung der Arbeitszeit muss aber nicht einfach hingenommen werden.

Besonderheiten auf Baustelle und Co.

Bauarbeiter bei hohen Temparaturen
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Zusätzlich zu den hohen Temperaturen kommen bei Jobs auf Baustellen in Parks, dem Wald und anderswo noch Belastungen durch die UV-Strahlung hinzu. Auch hier müssen die Chefs Maßnahmen ergreifen, um den Arbeitsschutz sicherzustellen. Sonnenbrille, Sonnencreme und Kopfbedeckung sollten genauso bereitgestellt werden, wie etwa Sonnensegel, um für Schatten am Arbeitsplatz zu sorgen. Hinzu kommen kühle Getränke, mehr und längere Pausen und möglichst weniger schwere Arbeiten. Außerdem müssen die Vorgesetzten regelmäßig nach dem Wohlbefinden der Mitarbeiter schauen. Auch hier ist eine Verlegung der Arbeitszeiten in kühlere Morgen- oder Abendstunden möglich. Wichtig: Wem durch die Hitze schlecht wird, der sollte sofort zum Arzt.

Hitzefrei im Homeoffice

Eine Frau arbeitet mit Kopfhörern im Homeoffice
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Nein, der Chef kann seine Mitarbeiter bei zu großer Hitze im Büro nicht einfach nach Hause schicken und verlangen, dass sie dort weiterarbeiten.

Die Beschäftigten als Maßnahme ins Homeoffice zu schicken, ist bisher noch nicht gesetzlich geregelt.

sagt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Problem: Auch zu Hause müsste sichergestellt sein, dass von den dort herrschenden Temperaturen keine Gefahr für die Angestellten ausgeht. Im Dachgeschoß kann das schwierig werden. Wer Glück hat, bei dem beteiligt sich die Firma an der Anschaffung eines Klimagerätes oder Ventilators. Nachfragen lohnt sich, denn auch im Homeoffice sollen die Angestellten volle Leistung bringen.

Cool down – clever für Abkühlung sorgen

Kleinkind bedient eine Klimaanlage.
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Damit es zu Hause während der Arbeit und natürlich auch den Rest des Tages bei großer Hitze erträglich bleibt, kann man sich eine Klimaanlage/gerät zulegen. Einige neue Modelle fressen nicht mehr ganz so viel Strom wie früher. Ob mobil oder fest installiert, sollte man vorher genau durchrechnen. Wer einen Balkon und die Möglichkeiten hat, könnte auch noch über die Installation von Solarplatten nachdenken, auf lange Sicht eine clevere Kombination.  Ohne Klimakühlung helfen Hitzeschutzfolien am Fenster, Rollläden auf der Außenseite und Ventilatoren. Wer am Waschtag die nasse Wäsche drinnen trocknet, sorgt für Verdunstungskälte. Leichte Kleidung, Füße im lauwarmen Wasser, reichlich trinken und frisches Obst essen – all das hilft ebenfalls, die Hitze zu ertragen. Wichtig: Alle Geräte, die man nicht unbedingt braucht, sollten ausgeschaltet werden

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Bei der Arbeit | 04. August 2022 | 12:40 Uhr

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